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Potsdam Sperrmüll wird immer mehr
Lokales Potsdam Sperrmüll wird immer mehr
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00:21 08.02.2018
Zentrum Ost: Ein Berg war hier angemeldet, einer nicht. Patrick Müller macht ein GPS-Bild. Weggeräumt wird trotzdem alles. Quelle: Foto: Rainer Schüler
Potsdam

Der Knochenjob der Sperrmüllmänner beginnt schon sechs Uhr morgens. Und wenn er endet – knapp neun Stunden und 30 bis 40 Haufen später – wissen Patrick Müller (34) und Axel Johnen (58), was sie getan haben. Sie spüren es in Armen und Beinen, im Rücken und im Nacken, und sie wissen es, denn ihr Laster wird gewogen, bevor er seine Fracht abkippt am Wertstoffhof der Stadtentsorgung (Step).

30 bis 40 angemeldete Stellen fährt jedes Zwei-Mann-Team pro Tag an und räumt unterwegs auch all das ab, was illegal am Rand der Straße liegt, Stadtgebiet für Stadtgebiet, nach einem festen Tourenplan. Sechs Tonnen ist der Tagesschnitt, aber Anfang letzter Woche hatten Patrick und Axel auch mal 9,8 und 10,5 Tonnen eingeladen, an zwei Tagen hintereinander, rund fünf Tonnen pro Mann und Tag.

Zehn Prozent mehr eingesammelt gegenüber dem Vorjahr

4472 Tonnen Sperrmüll hat die Step im letzten Jahr entsorgt, zehn Prozent mehr als das Jahr zuvor. Fünf Fahrzeuge sind dafür im Dienst: eins für „braun-weiße Ware“ wie Herde, Kühlschränke und Waschmaschinen, eins für Schrott, drei für alles andere. „Es ist selten“, sagt Recycling-Chef Bernhard Tiffe, „dass wir eine reine Holztour haben und das Zeug an einen Holzverwerter liefern können. Und wenn wir eine haben, wird oft schnell klar, dass da inzwischen viel mehr liegt als alte Schränke oder Tische.“

Sperrmüllentsorgung in Potsdam. Zentrum Ost: Hier liegt viel mehr als angemeldet wurde. Quelle: Rainer Schüler

Sperrmüll entwickelt ein Eigenleben

Denn Sperrmüllhaufen leben: Auf geheimnisvolle Art wachsen sie und schrumpfen wieder, und kaum sind sie beräumt, entstehen sie auf’s Neue. Wer einen Sperrmüllhaufen sieht in seiner Straße, erinnert sich der Altlasten in seinem Keller und stellt schnell und heimlich was dazu. Andere finden Brauchbares und nehmen es sich mit. Die facebook-Gruppe „Potsdamer Sperrmüll-Fahnder“ etwa meldet ständig neue Haufen und was sie so enthalten. Die Mitnahme von nutzbaren Möbeln, Haushaltsgeräten etc. sei zwar „nicht gestattet“, geben sie die skurrile Gesetzeslage und den Tatbestand des Diebstahls wieder, aber „gucken, ob alles ordentlich platziert wurde, schon.“

Etwas vom Haufen nehmen, ist eigentlich Diebstahl

Sobald der Sperrmüll auf der Straße liegt, ist er laut Tiffe nämlich Eigentum der Stadt und wird von ihr entsorgt. Das hält jedoch kaum einen Bürger ab, sich am Sperrmüll zu bedienen. Und kaum jemand, nicht mal bei der Step, dürfte böse sein, wenn Erhaltenswertes neue Nutzer findet. Doch sauer sind die Sperrmüllmänner, wenn die gemeldeten Haufen plötzlich größer sind und statt sortenrein sortiert wild durcheinander. Sie dokumentieren das sofort, machen mit ihrem smartphone-ähnlichen „Tracemate“ ein Bild, das automatisch und mit der GPS-Position auf einer Straßenkarte an die Zentrale gesendet wird.

Manchmal kann man Müllsünder ermitteln

Auch das Ordnungsamt erfährt davon und kann versuchen, den Verursacher zu finden. Manchmal klappt das sogar, weiß Tiffe, wo an manchem Möbelstück ein Lieferzettel klebt oder wenn persönliche Unterlagen wie Briefe oder Fotoalben in der Restmülltüte oder dem Papiersack liegen; Papier und Hausmüll haben im Sperrmüll nichts zu suchen. Vor allem aber kann man mit dem GPS-Bild den Mehraufwand belegen. Die Stadt muss nämlich wissen, warum sie für mehr bezahlen soll als für die angemeldeten und entsorgungskostenfreien Sperrmüllhaufen; sie zahlt nach der Gesamt-Tonnage.

Anmeldung ist kein Problem und beliebig oft möglich

Dabei ist das Anmelden alles andere als ein Problem. Man kann es telefonisch tun, per Mail, per App und jeden Werktag, rund 250 Mal im Jahr, kostenfrei. Maximal vier Tage vergehen zwischen Anmeldung und Abholung, versichert Tiffe: „Es spielt keine Rolle, wieviel man rausstellt“, sagt Tiffe, „und sei es nur ein Stuhl allein.“ Man sollte das allerdings erst zum vereinbarten Abholtag tun, sonst wird der Haufen größer. „Die Bürger sagen am Telefon sehr oft, sie hätten das schon rausgestellt“, berichtet Tiffe: „Die riskieren aber, dass das Ordnungsamt den Haufen sieht und bei uns nachfragt, ob der angemeldet ist.“ Ist er angemeldet, aber zu früh draußen, kann es ein Bußgeld geben.

Die Potsdamer Müllmänner nehmen (fast) alles mit

Wie wild gemixt der Sperrmüllhaufen auch immer ist, die Männer in orange nehmen alles mit, was kein Schrott, Elektrogerät oder Sondermüll ist. „Würden wir Papier und Restmüll liegen lassen, müsste jemand später nochmal kommen“, beschreibt Tiffe den Handlungsdruck: „Wir wollen die Stadt ja sauber haben.“ Das heißt nicht, den Gehweg besenrein zu hinterlassen. Fliegendes Papier oder gesplittertes Glas sammelt keiner auf, Farbeimer und Autoreifen werden gemeldet; für Haushaltgeräte schickt man die „Braun-weiß-Kollegen“.

Was ist Sperrmüll eigentlich, und wie wird man ihn los?

Das nimmt die Step als Sperrmüll mit: – Zerlegte Möbel – Teppiche und Laminat – Matratzen – Fahrräder, Kinderwagen und Vergleichbares – Dachrinnen, Rohre (nur aus Metall) – Elektrogeräte

Das bleibt stehen oder liegen: – Tapetenreste, Farben, Dachanstriche – Bauschutt – Gusseiserne Badewannen – Autoteile und Autobatterien – Schadstoffe aller Art

Man kann Sperrmüll bequem über ein Online-Formular anmelden. Man gibt dort jeweils die Anzahl der abzuholenden Gegenstände ein und teilt die Abholadresse mit. Man beachte, dass Kleingeräte nur abgeholt werden können, wenn auch mindestens ein Großgerät mit angemeldet wird.

Im Anschluss übermittelt die Step einen Abholtermin.

Den angemeldeten Sperrmüll stellt man am Entsorgungstag bis 6 Uhr raus, frühestens aber am Abend vor dem Termin ab 18 Uhr, immer am Straßenrand und möglichst getrennt nach Holz, Schrott und Elektrogeräten.

Kleinere Mengen kann man am Wertstoffhof Drewitz abgeben, Zum Heizwerk 18, 14478 Potsdam, geöffnet von Montag bis Freitag: 7 - 17 Uhr und samstags von 8 - 14 Uhr, Tel.: 0331/661 71 67.

Kleinere Mengen bis 1 Kubikmeter kann man auch am Wertstoffhof Neuendorfer Anger abgeben, Neuendorfer Anger 9, 14482 Potsdam, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 7 - 17 Uhr, Tel.: 0331/661 71 50.

Die Step-Sperrmüllanmeldung erreicht man telefonisch unter 0800/661 70 02, per Fax unter 0331/661 70 99 oder per Mail unter sperrmuellauftraege@step-potsdam.de

Verkehrshindernisse und geplatzte Entsorgung

Die Tourenplanung hat so ihre Tücken, und manchmal kann man trotz guter Planung den Auftrag nicht erfüllen. „In manchen Straßen macht es keinen Sinn, im Berufsverkehr zu kommen“, erzählt Patrick Müller: „In einer einspurigen Straße wie der Zeppelin sind wir schnell ein Dauerhindernis. Da werden wir auch schon mal rechts und auf dem Radweg überholt. Wir kommen, wenn der Verkehr ruhiger ist.“

Wo Radwege mit durchgezogenen Linien von der Fahrbahn abgetrennt sind, darf die Step die Linie nicht überfahren und muss im Fahrzeugstrom anhalten. „Viele Straßenränder sind komplett zugeparkt“, sagt Müller, „in der Brandenburger Vorstadt etwa.“ Da bekommt man oft den Sperrmüll nicht sicher zwischen den Autos hindurch zum Laster. „Und wir heben nichts über Autodächer hinweg“, sagt Tiffe: „Das müssen wir dann liegen lassen und später holen.“ Und wenn mal ein Möbelstück zu schwer ist für zwei Männer, muss man schwere Ladetechnik ordern.

Oft tut es den Müllmännern leid, schöne Dinge zu entsorgen

Es kommt ständig vor, dass es den Sperrmüllmännern leid tut, intakte oder schöne Dinge der Müllpresse-des Lasters zu übergeben. Aber sie dürfen nichts abzweigen, weil das Diebstahl wäre. So unsinnig das klingt, so unerbittlich ist das Gesetz.

Die Potsdamer Müllwerker schrecken vor (fast) nichts zurück

Von Rainer Schüler

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