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Die Sprache der Musik verstehen alle

Flüchtlingsheim Brauhausberg Die Sprache der Musik verstehen alle

Die Flüchtlingskinder am Brauhausberg üben fleißig zwei Mal die Woche auf klassischen Instrumenten. In ihrem Repertoire sind deutsche, aber auch Lieder ihrer Heimat. Jedes Flüchtlingskind kann mitmachen. Noten lesen ist dafür keine Voraussetzung.

Brauhausberg, Potdam 52.386002 13.061719
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Sara achtet genau darauf, wie die Lehrerin Marie Kogge spielt

Quelle: Christel Köster

Teltower Vorstadt. Im „gelben Raum“ des ehemaligen Landtages am Brauhausberg herrscht große Aufregung. Kinder rutschen auf ihren Stühlen ungeduldig hin und her, zwei gehen zu dem großen Tisch und angeln nach einer Geige, andere zupfen bereits an den Saiten einer Gitarre, ein paar singen bereits „Heute machen wir Musik“. An den Wänden hängen große Notenblätter mit farbigen Musiknoten, im Raum verteilt stehen Notenständer, auf die alle Kinder angestrengt starren, „Bruder Jakob“ wird geprobt. Vor den Kindern steht Marie Kogge und dirigiert. Die Geigerin gibt Flüchtlingskindern Musikunterricht.

Inspiration durch Afrika-Reise

Die Idee mit Flüchtlingen zu musizieren, entstand während zwei Afrika-Reisen 2011 und 2013, die Marie Kogge mit ihrem Ensemble unternahm. Beim Musizieren mit den Einheimischen bemerkte sie, dass Musik verbindet und Brücken bauen kann – auch ohne Sprache. Von ihrer Idee erzählte sie einem befreundeten Kinderarzt, der sie sofort unterstützt hat. Auch die Leitung des Flüchtlingsheims am Brauhausberg zögerte beim Vorschlag im Heim zu musizieren, keine Sekunde. Seit April besteht der Verein „Mit-Mach-Musik. Ein Weg zur Integration von Flüchtlingskindern“, den Marie Kogge mit Barbara Gateau, eine Berliner Geigenbauerin, gegründet hat. Gespielt wird schon seit Anfang des Jahres, zwei Mal die Woche, jeweils eine Stunde. Vor schiefen Tönen und falschen Saiten muss sich keiner fürchten. Die Lieder malte die Geigerin Kogge vereinfacht auf. An den Instrumentenhälsen kleben farbige Punkte, denn Noten lesen können die Kinder nicht, sagt Marie Kogge. „Aber die Kleinen sind total enthusiastisch“, schwärmt Kogge von der Begeisterung ihrer Schützlinge.

Saban brauch noch ein wenig Hilfe beim Halten des Bogens

Saban brauch noch ein wenig Hilfe beim Halten des Bogens.

Quelle: Christel Köster

Eine der Schülerin ist Sara. Ganz vorn sitzt sie ruhig auf ihrem Stuhl, die aufgeregten Kinder um sie herum scheint sie nicht wahrzunehmen. Sie hat nur Augen für das Notenblatt. Lange ist sie noch nicht dabei, sagt Marie Kogge. Die Achtjährige greift auf ihrer kleinen Geige aber schon Akkorde. Gerade spielen alle das Tik-Tik-Tik Lied. Ein Lied aus Syrien. „Es hilft den Kinder, sich hier zu Hause fühlen“, erklärt Marie Kogge die Musikauswahl. Zu Hause dürfte sich auch Yanal fühlen. Nach neun Monaten in Deutschland kann er sich mit Marie Kogge fließend unterhalten. Das Lied dort an der Wand möchte er spielen. Verschiedene bunte Noten tanzen über die Linien, ein anspruchsvolleres Stück. „Ich mag es, wenn es schwer ist, dann muss ich üben“, sagt der 11-Jährige und zupft schon wieder an seiner Gitarre.

Blick in eine andere Welt

Für Marie Kogge ist das Musizieren mit den Flüchtlingskindern wie eine Tür zu einer anderen Welt. Die für Kogge ganz andere arabische Musik kennenzulernen, zu sehen, dass die Kinder in so einem Trubel etwas lernen können oder dass Kontinuität für die jungen Menschen bisher keine Rolle gespielt hat, fasziniert sie. Wer konstant zum Unterricht kommt und fleißig übt, kann sein Instrument irgendwann mit auf sein Zimmer nehmen. „Die Kinder lehren mich Vertrauen zu üben, anders als ich das sonst erlebe“, sagt Kogge.

Zusammen musizieren sie eine Stunde lang

Zusammen musizieren sie eine Stunde lang. Im Hintergrund gibt Mahmout den Takt vor.

Quelle: Christel Köster

Während des Unterrichts geht Marie Kogge im Raum auf und ab, gestikuliert mit ihren Armen und all ihren Gesichtsmuskeln. Im Hintergrund: Barbara Gateau, ein Fels in der Brandung, sagt die Projektleiterin später. Barbara Gateau korrigiert die Kinder hier und da, tauscht eine große gegen eine kleine Geige aus und spielt leise im Hintergrund mit. Sie wirkt wie ein Ruhepol in diesem Musikzimmer mit seinen lauten und freudigstrahlenden Kindern. Am Ende der Stunde geben längst nicht alle Kinder ihre Instrumente sofort ab, einige üben noch weiter. „Die sind so gewillt, etwas zu lernen“, staunt Marie Kogge über die Motivationen der Kleinen.

Von Lisa Neumann

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