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Potsdam Die Spur der Akten führt nach Hermannswerder
Lokales Potsdam Die Spur der Akten führt nach Hermannswerder
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07:40 24.08.2016
Einige der Akten werden nach dem Erfassen vernichtet – sie machen nur einen Bruchteil dessen aus, was im Schredder landet. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Papier kann duften und stinken, kann zart sein und rau. Papier kann rascheln und schneiden. Kann glatt sein und gefaltet. Kann fest sein und reißen. Papier soll geduldig sein, sagt man. Wie geduldig aber müssen erst die Menschen sein, die in den Aktiva-Werkstätten des Oberlinhauses auf Hermannswerder tagein, tagaus all das Papier sichten, scannen und archivieren, das in Firmen, Behörden und Krankenhäusern beschrieben und abgeheftet wurde und über Jahrzehnte hinweg in Regalen und Schränken lagerte?

Jens Behnke ist einer der Unermüdlichen, die Akten digitalisieren. Der 38-Jährige hat sich angewöhnt, zum Locher zu greifen und ihn auf den Stapel loser Blätter vor sich zu legen, bevor er den Arbeitsplatz für einen Moment verlässt. Regel Nummer 1: Beschweren. „Wenn hier etwas durch die Gegend fliegt – Jackpot!“, sagt Jens Behnke. „Aber das ist zum Glück noch nie passiert.“

Jens Behnke (38) digitalisiert Akten. Die Papiere erreichen die Werkstatt in verschlossenen Tonnen – aus Datenschutz-Gründen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Akten, mit denen sich Jens Behnke gerade befasst, stammen aus den 1920er Jahren und gehören der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala). Sie sind von Hand geschrieben, vergilbt und sehen ganz schön mitgenommen aus. Jens Behnke befreit sie als erstes von den Metallklammern, die sie zusammenhalten. Dann legt er Blatt für Blatt vor sich, kleinere Zettel schiebt er quer in den Stapel, so dass sie etwas hervorlugen. „Der Scanner greift sie sonst nicht“, erklärt Jens Behnke. Sind die Blätter eingelesen und die Daten benannt, kontrolliert er, ob die Scans gelungen sind oder wiederholt werden müssen. Echte Fleißarbeit.

Stimmt alles mit dem Scan? Oder muss das Blatt noch einmal erfasst werden? Seit vier Jahren arbeitet Stefanie Falk (34) – hier bei der Kontrolle – in der Digitalisierung. Quelle: Bernd Gartenschläger

30 Männer und Frauen befassen sich mit der Digitalisierung. Beschäftigt sind sie beim Kombi-Service, der zu den Aktiva-Werkstätten gehört und Menschen mit psychischen Erkrankungen die Rückkehr ins Arbeitsleben ermöglicht. Jens Behnke ist happy mit seinem Job. „Ich war zuvor in der Montage“, sagt er. „Aber das hier macht mir mehr Spaß. Hier muss man mit Köpfchen arbeiten.“

Bevor das Scannen beginnen kann, müssen die Akten von Büro- und Aktenklammern befreit werden. Auch das ist eine echte Fleißarbeit. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Akten werden nach dem Erfassen je nach Kundenwunsch zurückgeschickt oder aber vernichtet. Auch das erledigen die Aktiva-Werkstätten. Was aus nach der Digitalisierung im Schredder landet, ist allerdings nur ein Bruchteil dessen, was auf Hermannswerder nach Bundesdatenschutzgesetz eliminiert wird. 700 Tonnen Dokumente aus Privathaushalten, Firmen und Ämtern werden dort pro Jahr zu kleinsten Schnipseln zerfetzt, als Rohstoff verkauft und so zu barer Münze gemacht.

Die Aktiva-Werkstätten

Die Aktiva-Werkstätten im Oberlinhaus sind eine gemeinnützige GmbH und bieten Arbeitsplätze sowohl für Menschen mit Behinderung als auch für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Ansässig sind die Aktiva-Werkstätten auf Hermannswerder. Ihre Filialen befinden sich dort in der Küssel- und der Tornowstraße. Außenstellen sind in der Leiterstraße, in Michendorf und auf dem Oberlin-Campus zu finden.

Eine Vielzahl von Dienstleistungen und Produktionsmöglichkeiten können die Aktiva-Werkstätten vorweisen. Neben der Digitalisierung und Aktenvernichtung sind das u.a. die Fahrradwerkstätten, die Montage, die Pulverbeschichtung und die Briefwerkstatt. Zudem sind die Beschäftigten in der Landschaftspflege, in der Hauswirtschaft und im Bautenschutz aktiv, sie stellen Bürsten her, flechten Produkte aus Peddigrohr, arbeiten in der Keramikwerkstatt und bearbeiten Metall.

Das Team besteht derzeit aus 50 Angestellten im Bereich Qualifizierung, Betreuung, Pflege und Arbeitsassistenz und aus etwa 365 Mitarbeitern mit Behinderungen oder psychischer Erkrankung.

Von Nadine Fabian

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