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Potsdam Älteste Buchhandlung Potsdams muss schließen
Lokales Potsdam Älteste Buchhandlung Potsdams muss schließen
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00:21 03.03.2019
Seit Ende 2017 befindet die Stiftungsbuchhandlung in der Wilhelmgalerie am Platz der Einheit. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

An einer Stelle knarrten immer die Dielen. Karin Petzholtz hört das Geräusch noch ganz deutlich. Diese Atmosphäre mit dem Geruch der alten Bücher und dem Holz gehörte einfach dazu, sagt sie. An diese Zeiten hat sie viele gute Erinnerungen. So manches Mal hat sie an dem kleinen runden Tisch hinten mit Blick zum Hinterhof gesessen und gelesen.

Buchhandlung mal größer

Das war, als die Stiftungsbuchhandlung ihren Sitz noch in der Gutenbergstraße hatte. Als sie noch 90 Quadratmeter statt der schmalen 40 Quadratmeter Fläche hatte. „Mit dem Umzug in die Wilhelmgalerie war das Ende besiegelt. Gefühlsmäßig passte sie da nicht hin“, sagt die 70-Jährige, die aus der MAZ von der Schließung erfahren hat, „der Tradition einen Platz zu geben, scheint nicht gelungen.“

Am Donnerstag, etwas über ein Jahr am neuen Standort, muss die Stiftungsbuchhandlung schließen. Wie berichtet, muss der Buchladen, die zur Hoffbauer Stiftung gehört, in der Wilhelmgalerie aus wirtschaftlichen Gründen kündigen. Mit der „Stifte“, wie sie von Stammkunden aus Potsdam und Umgebung genannt wurde, verbinden die Potsdamer viele Erinnerungen.

1929 gegründet und vorerst als Versandbuchhandlung, wurde sie zwei Jahre später für den Publikumsverkehr geöffnet. In der Gutenbergstraße 70/71 überstand die Buchhandlung alle Krisen der Zeit – von Papierknappheit und Büchermangel Ende 30er Jahre bis hin zu einer kurzweiligen Stilllegung 1944. Mit ihrer bewusst christlichen Ausrichtung gehörte sie zu einem wichtigen Anlaufpunkt für viele Pfarrer und Gemeinden aus Potsdam und dem Umland.

Befreiender Evangelismus

In der Buchhandlung hätte die befreiende Kraft des Evangeliums Gestalt angenommen, berichtet Frank Otto. Damals war der heute 67-Jährige als Dozent an der evangelischen Ausbildungsstätte für Gemeindepädagogik in der Alleestraße tätig.

Für so manche seiner subversiven, also umstürzlerischen, Veranstaltungen wurde er zu DDR-Zeiten abgestraft; erzählt er. „Die Stifte war immer so etwas wie eine Litfaßsäule.“ Hier – nicht etwa aus der Zeitung oder dem Internet – konnten sich die Menschen über kirchliche Veranstaltungen informieren „allzumal auch für systemkritische der aufkommenden Bürgerbewegung, wie sie unter anderem in den damaligen kirchlichen Ausbildungsstätten aufkeimte.“

Es war ein besonderer Ort, mit besonderer Literatur, sagt er. Dass die Stiftungsbuchhandlung jetzt schließt, sieht er durchaus kritisch: „Es ist eine wichtige Traditionsbuchhandlung – man sollte da nicht nur ökonomisch denken.“

MAZ-Leserin Karin Petzholtz (70) vermisst die „Stifte“. Quelle: Anne Knappe

Auch für Potsdamerin Karin Petzholtz ist es ein herber Verlust. Die Stifte habe einen missionarischen Auftrag gehabt, sagt sie. „Ich vermisse diese Art Buchhandlung sehr – mit allem was da drin war. Das war unsere geistige Heimat.“ Die Ergotherapeutin hatte sich zu DDR-Zeiten ganz bewusst für die Kirchen-Nische entschieden, ihr Mann war sogar im Kirchenvorstand in Stahnsdorf. Die Stiftungsbuchhandlung war ein Ort, wo es noch öffentlich war, sagt sie. „Da hat sich niemand rangewagt. Das war für uns ein Rückgrat – eine Institution, die sein durfte, die akzeptiert wurde.“

Stifte als Säule im Leben

Ihr ganzes kulturelles Leben habe sich in Potsdam abgespielt. Die „Stifte“ war neben allen Konzerten und Lesungen immer eine Säule davon gewesen. „Ich bin da nie allein gewesen. Ich habe dort Bekannte oder Freunde getroffen und immer gute Gespräche geführt“, erinnert sie sich. „Das war eine Leistung, die Gutenbergstraße in der DDR sein zu lassen – und jetzt im Schlaraffenland fangen sie an, zu rechnen“, sagt sie kopfschüttelnd. Nachvollziehen kann sie das nicht: „Es ist ein Schritt zurück.“

Sicher wird sie auch in anderen Potsdamer Buchhandlungen künftig einkaufen gehen, sagt sie. Aber diese bewusst ausgesuchten Texte, Karten und Naturbilder – da weiß sie noch nicht, wie und wo sie diese Lücke mit füllen kann.

Von Anne Knappe

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