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Potsdam Die Tage des „Minsk“ sind gezählt
Lokales Potsdam Die Tage des „Minsk“ sind gezählt
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10:27 28.03.2018
Brauhausberg 1979 mit dem „Minsk“ (l.), der SED-Bezirksparteileitung (M.) und der Schwimmhalle (r.). Quelle: Sammlung Jörg Fröhlich
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Potsdam

2017 läuft die Zeit für die Ruine des Terrassenrestaurants „Minsk“ am Brauhausberg ab. Die Vermarktung der Grundstücke südlich der Max-Planck-Straße mit dem „Minsk“ und der alten Schwimmhalle werde vorbereitet und sei „für 2017 vorgesehen“. Das teilte Stadtwerkesprecher Michael Meyer auf MAZ-Anfrage mit.

Der weitere Umgang mit dem „Minsk“ liegt beim Käufer, so eine frühere Mitteilung der Stadtwerke. Ein Erhalt des Restaurantgebäudes, dessen Aufnahme in die Denkmalliste 2011 vom Land abgelehnt wurde, gilt als unwahrscheinlich.


Der Landessportbund (LSB), der dort eine sportbetonte Kindertagesstätte einrichten wollte, scheiterte nach einer ersten Ausschreibung als Meistbietender, weil die Stadt keinen Bedarf für eine Kita mit 200 Plätzen sah. Der Ertrag aus dem Verkauf des Grundstücks, auf dem auch Wohnhäuser errichtet werden könnten, soll dem Neubau des Sport- und Freizeitbades zugute kommen.

Unterdessen wächst das Interesse an der Geschichte des architektonischen Unikats, das selbst bei der sonst dem Barock verpflichteten Initiative „Mitteschön“ Wertschätzung findet. Zwei aktuelle Publikationen präsentieren die Geschichte des zwischen 1971 und 1977 errichteten „Minsk“ in unterschiedlichen Zusammenhängen.

In dem von Christian Klusemann herausgegebenen DDR-Architekturführer „Das andere Potsdam“ steht das „Minsk“ als eines von 26 Gebäuden und Ensembles beispielhaft für das Bauen in Potsdam zwischen 1949 und 1990.

Bei dem „Historischen Streifzug über den Brauhausberg“ von Luise Fröhlich und Jörg Fröhlich hingegen ist es thematisch der Mittelpunkt. Ihr Buch „Das

Panoramablick aus dem Restaurant im ersten Obergeschoss des „Minsk“ auf die Potsdamer Innenstadt. Quelle: Sammlung Jörg Fröhlich

Potsdamer Terrassenrestaurant ,Minsk’ und der Brauhausberg im Wandel der Zeit (1970-2015)“ bietet, anders als der Titel erwarten lässt, zusätzlich zur Geschichte des Restaurantgebäudes einen historischen Exkurs in die frühere Geschichte des Brauhausberges. Als „Vedutenberg“ eröffnete er dem Wanderer einmalige Perspektiven auf die Innenstadt und war als grüne Anhöhe selbst prägend für die Stadtlandschaft.

Erinnert wird in dem reich illustrierten Buch an Vorgänger des „Minsk“ wie die „Wackermannshöhe“ und die „Petermannshöhe“. Von besonderem Wert sind die Erinnerungen des Architekten Karl-Heinz Buchholz, den die Autoren 2014 für ihre Recherchen interviewen konnten.

So erfährt man unter anderem, dass Birkholz die Projektierung des Terrassenrestaurants als Ersatz für einen geplatzten Großauftrag bekam: Mitte der 1960er Jahre sollte er einen Theaterneubau kombiniert mit einer

Die Ruine des „Minsk“ mit dem Stadtwappen der weißrussischen Hauptstadt, Quelle: Bernd Gartenschläger

Mehrzweckhalle am Alten Markt errichten, doch dieses Projekt wurde aus diversen Gründen abgesagt.

Auch Klusemann findet Platz für wenig bekannte Details wie den Verbleib der Schnitzereien aus kostbarer weißrussischer Mooreiche, die das Restaurant zierten. Zur Landesgartenschau 2006 in Rathenow baute man aus dem Holz einen Kaffenkahn für Touristen. Andere Teile der Täfelung wurden in eine Schiffsküche eingebaut.

Bücher über das „Minsk“

Der von Christian Klusemann herausgegebene DDR-Architekturführer „Das andere Potsdam“ ist im Vergangenheitsverlag Berlin erschienen, umfasst 294 Seiten und kostet 16,90 Euro. Erhältlich ist er u.a. im „Internationalen Buch“. ISBN: 978-3-86408-200-9.

Das Buch „Das Potsdamer Terrassenrestaurant ,Minsk’ und der Brauhausberg im Wandel der Zeit (1970-2015)“ von Luise Fröhlich und Jörg Fröhlich erschien im Selbstverlag, umfasst 122 Seiten und im Internet für ca. 10 Euro zu haben. ISBN: 978-3-73864-478-4.

Von Volker Oelschläger

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