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Potsdam Die Tage des Staudenhofs sind gezählt
Lokales Potsdam Die Tage des Staudenhofs sind gezählt
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19:53 08.05.2014
Sanierungsbedürftige Platte zwischen demnächst barocken Fassaden: Der Staudenhof ist umstritten. Quelle: Christel Köster
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Potsdam

Das Dauergezerre um den Staudenhof hat ein Ende: Nach einer "Galgenfrist", die noch bis 2022 gilt, soll der DDR-Wohnblock definitiv abgerissen werden. Das beschlossen die Stadtverordneten am Mittwochabend mit großer Mehrheit und schmetterten damit einen neuen Vorstoß der Linken ab, die eine Art "Ewigkeitsgarantie" für den Staudenhof durchsetzen wollten. Unterstützung für den Staudenhof-Rettungsversuch gab es nur von der Fraktion "Die Andere". In einer aufgeheizten Atmosphäre, in der die Parlamentarier schon deutlich den Vorwahlkampf-Turbo eingeschaltet hatten, mangelte es auch nicht an gegenseitigen Bezichtigungen. Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg warf Mitteschön-Streiterin und Grünen-Fraktionschefin Saskia Hüneke vor, keinerlei Rücksicht auf die soziale Komponente zu nehmen: "Ihnen sind die Mieten dort egal! Keiner weiß, wie mit einem Neubau, der dann errichtet wird, der soziale Aspekt festgeschrieben werden kann."

"Ich bin erschüttert, auf welchem Niveau die Diskussion hier gelandet ist", konterte Hüneke. Sie lasse den Vorwurf der sozialen Kälte nicht auf sich sitzen. Vor dem Schlagabtausch hatte Hüneke noch genüsslich die Wirtschaftlichkeitsberechnung der städtischen Immobilienholding Pro Potsdam zum Staudenhof zerpflückt. Die "Pro" geht im Fall von Abriss und Neubau von einem Verlust von 3,5 Millionen Euro aus, weshalb eine Sanierung des DDR-Blocks empfehlenswert wäre. Auf diese Expertise hatten sich die Linken mit ihrem Antrag für den Erhalt des Staudenhof gestützt. Es sei nicht hinnehmbar, dass "ein vollwertiges Haus geschreddert werden soll", warf Linken-Stadtverordneter Stephan Worseck den Abriss-Befürwortern vor.

Kampf um 184 preiswerte Wohnungen

  • Im Staudenhof am Alten Markt 10 gibt es 184 Wohnungen. Die meisten davon sind Einraumwohnungen. Künftig sollen dort laut Planung der Stadtverwaltung auch Flüchtlinge untergebracht werden.
  • Das Stadtparlament hat am 6.November 2012 beschlossen, den Staudenhof nach 2022 abreißen zu lassen, weil der Bau nicht mit den geplanten Leitbauten in der neuen Potsdamer Mitte vereinbar sei.
  • Der Abriss soll laut Beschlusslage mit preiswertem Wohnungsneubau in der Mitte kompensiert werden. Die Entscheidung hatte die Rathauskooperation aus SPD, CDU, Grünen und FDP initiiert – gegen den erklärten Willen der Linken, die seitdem für einen Weiterbestand kämpfen. Baudezernent Matthias Klipp (Bündnisgrüne) unterstützt das Anliegen der Linken.
  • Die Befürworter eines Erhaltes argumentieren damit, dass ein so günstiges Wohnen wie derzeit in der Innenstadt nach einem Neubau nicht mehr möglich wäre.
  • Gegner halten dem entgegen, dass nach einer nötigen Sanierung die Miete ohnehin stiege.

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung sei lückenhaft, hielt Hüneke dagegen: "Das Gebäude wurde nicht besichtigt, die Ermittlung des Wertes des Altbestandes und des Entwicklungsprojektes waren nicht Gegenstand des Auftrages, ebenso nicht die Einschätzung des Bauzustandes, der realen Sanierungskosten oder der Restnutzungsdauer." In dieselbe Kerbe schlugen auch die Potsdamer Demokraten: In dem Gutachten würden die Erhaltungsmaßnahmen und die Miethöhe nach einer Renovierung fehlen. "Es ist offensichtlich ein Gutachten, das demjenigen nützt, der es in Auftrag gegeben hat", sagte Peter Schultheiß.

Von Ildiko Röd

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