Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Die Trekkies am Stammtisch in Potsdam

Star-Trek-Fans drehen Fanmovie Die Trekkies am Stammtisch in Potsdam

Die Jungs und Mädels rund um den „Captain“ sind Science-Fiction-Fans. Doch sie mögen nicht irgendwas, sie lieben Star Trek. Gemeinsam treffen sie sich einmal im Monat in Potsdam zum Stammtisch „Hermann Darnell“. Die Liebe geht noch weiter, erst kürzlich drehten sie einen 89-Minuten-Fanmovie. Nun glauben Sie, die Stammtischler hätten eine Macke? Klar!

Voriger Artikel
Das ist Potsdams „neue Mitte“
Nächster Artikel
Hotel Mercure bleibt Streitpunkt mit SPD

Devotionalien aus dem „Raumschiff Enterprise“-Universum sind gern gesehen.

Quelle: MAZ

Potsdam. Als der „Captain“ kommt, gehen alle Köpfe hoch. An einer langen Tischreihe im Nebenraum des Lokals „Albers“, direkt am Bahnhof Griebnitzsee, sitzt sie zusammen: die Star-Trek-Tafelrunde „Hermann Darnell“. Science-Fiction-Fans sind sie. Doch ihre Liebe für die Welt von Kirk, Spock, Picard, Janeway und Uhura geht über die Fiktion hinaus.

„Viele glauben, wir haben ne Macke. Haben wir ja auch manchmal. Aber unsere Macke ist gesund“, sagt „Captain“ Micha lachend, nachdem er einen plastenen Klingonen-Kopf auf die Tafel gestellt, jeden begrüßt und sich selbst gesetzt hat. Wie alle anderen auch möchte er nur seinen Vornamen nennen. „Star Trek ist unser Hobby, und unser Hobby ist privat“, sagt er zur Begründung.

Ein Thema verbindet sie alle

Vor sechs Jahren hat Micha die Tafelrunde ins Leben gerufen, zusammen mit dem ebenfalls Star-Trek-verrückten Sepp. Sieben Personen kamen zum ersten Treffen im Jahre 2009. „Heute sind über 60 Leute im E-Mail-Verteiler und um die 30 kommen jedes Mal vorbei“, resümiert Micha. Einmal im Monat tagt die Tafelrunde. Was sie zusammenführt, ist das gemeinsame Gesprächsthema: Studenten sind dabei, Angestellte, Ingenieure, ein Professor, Arbeiter, Handwerker und Freiberufler.

Rund 30 „Trekkies“ kommen regelmäßig zur Tafelrunde

Rund 30 „Trekkies“ kommen regelmäßig zur Tafelrunde

Quelle: MAZ

Maler Frank und Uni-Angestellte Adriana sind in Uniform da. Dazu besteht aber keine Verpflichtung. Die beiden haben sich auf einer Convention kennengelernt. So werden die großen Trekkie-Treffen genannt, zu denen besonders in den 90er Jahren Zehntausende strömten. Nach mehreren Jahren Fernbeziehung zog der gebürtige Kölner schließlich zu seiner Freundin nach Potsdam.

Frank und Adriana haben sich auf einer Convention kennengelernt

Frank und Adriana haben sich auf einer Convention kennengelernt.

Quelle: MAZ

Die Tafelrunde versteht sich aber nicht als exklusiver Club. Jeder ist willkommen, ohne Vorbedingungen. Das wollte Micha bereits im Namen ausdrücken. In Deutschland gab es zur Hochphase des Star-Trek-Booms in den 90er Jahren in vielen Städten sogenannte „Trek Dinner“, erzählt Micha. Allein in Berlin habe es drei davon gegeben. Aber das ist lange vorbei. „Wir haben uns bewusst nicht so genannt“, erzählt der Tafelrunden-Gründer. „Wir wollen ein Stammtisch sein, wo man Spaß hat – und unser liebstes Hobby pflegen.“ Elitäre Nerd-Veranstaltungen finden alle am Tisch abstoßend. Die Tafelrunde versteht sich als Sammelbecken für Star-Trek-Fans in der Region. Auch Mitglieder anderer Fanclubs sind willkommen, mit vielen sind die Potsdamer vernetzt.

Wer war „Hermann Darnell“?

Der Name „Hermann Darnell“ übrigens ehrt augenzwinkernd das erste „Redshirt“. So werden Figuren genannt, die kurz nach ihrem ersten Auftritt sterben. Im Star Trek-Universum tragen sie traditionell rote Uniform. Darnell ist der erste Charakter, der in „Raumschiff Enterprise“ auf einer Außenmission stirbt.

Außenmissionen für die Potsdamer Trekkies

Außenmissionen nennen die Potsdamer Trekkies auch gemeinsame Aktionen außerhalb der Kneipe. Dazu gehören unter anderem Kinobesuche, Spieleabende, das Treffen mit Darstellern und Feste. Auf der Langen Nacht der Wissenschaften haben Tafelrunden-Mitglieder verschiedene Vorträge zu Themen wie Warp-Geschwindigkeit oder Universalübersetzer gehalten. Zusammen mit einem anderen Fanprojekt entstand zudem ein abendfüllender Spielfilm: „Star Trek: Dark Horizon“ ist 89 Minuten lang und wurde Mitte August uraufgeführt. Seit Ende letzten Jahres wurde das Drehbuch geschrieben, seit Februar gedreht. Der 29-jährige Potsdamer Ronald hat die Filmmusik dazu beigesteuert, unter den insgesamt 25 Darstellern sind einige Mitglieder der Tafelrunde. Das Werk findet sich auf der Internetplattform YouTube.

Im „Albers“ treffen sich die Trekkies von Anfang an. Das Lokal liegt direkt am Bahnhof. So kommen auch die zahlreichen Tafelrunden-Mitglieder aus Berlin gut zu den Treffen. Und die Gastronomen mögen ihre etwas schrägen Gäste. Im Nebenraum, der jedes Mal voll besetzt ist, wenn sie kommen, durften die SciFi-Fans anlässlich des 5-jährigen Bestehens ein Portrait von Hermann Darnell aufhängen.

Einen festen Platz haben die Science-Fiction-Fans im Lokal „Albers“

Einen festen Platz haben die Science-Fiction-Fans im Lokal „Albers“.

Quelle: MAZ

„In letzter Zeit wurde es oft ganz schön eng da drin“, berichtet Kellnerin Conni Kilpert. Nach ihrem Eindruck kämen immer mehr. „Die sind alle sehr sympathisch, entspannte Leute.“ Manchmal würden sie auch einen Film gucken, hat die Kellnerin beobachtet. „Was genau die da machen, weiß ich aber nicht.“

„Wir möchten mehr als Fans sein“

Dabei sind alle Tafelrunden-Aktivitäten öffentlich. Der aufwendig gestaltete Blog der Star-Trek-Tafelrunde „Hermann Darnell“ informiert nicht nur über aktuelle Termine, sondern hat sich zu einem renommierten Fachforum für Science-Fiction-Fans entwickelt. Neben spezifischen Motiven der Serie und des Genres werden dort auch gesellschaftspolitische, technische und philosophische Fragen erörtert.

„Wir möchten mehr als Fans sein“, erklärt Micha. „Für mich steckt da eine Lebensphilosophie drin, eine Perspektive für die Menschheit.“ Er persönlich sei auch sehr politisch, bekennt er. „Wir positionieren uns klar gegen Rechts.“ Das sei im Kontext ihrer Lieblingsserie auch gar nicht anders möglich: „Wer an die Zukunft der Menschheit im All glaubt, tritt für ein Menschenbild ein, in dem Hass und Gewalt keinen Platz haben.“

Von Marcel Kirf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg