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Potsdam Die Überlebenden der Bombennacht
Lokales Potsdam Die Überlebenden der Bombennacht
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00:46 18.04.2018
Im Gedenken an die Nacht von Potsdam am 14. April 1945 erzählten die Zeitzeuginnen Gisela Bohl (M.) und Hannelore Wagner (r.) im Alten Rathaus aus ihren Erinnerungen. Quelle: Hajo von Cölln
Innenstadt

An jenem sonnigen April­tag wie er schöner kaum hätte sein und grausamer kaum hätte enden können, hat Hannelore Wagner getan, was sie sonst auch getan hat: gespielt. Acht Jahre war sie im Frühjahr 1945 alt, wohnte mit den Eltern und den zwei Schwestern im Pförtnerhäuschen der Babelsberger Jutefabrik und hatte mit der Schule, mit Stillsitzen und mit Hausaufgaben nix am Hut. „Ich war ein Kind, ich wollte einfach viel lieber spielen“, sagt Hannelore Wagner. Wie gut, dass die Großeltern, Besitzer einer kleinen Werft in der Nachbarschaft, den Enkeltöchtern ein Bötchen geschenkt hatten. Mit dem stechen Hannelore und ihre Spielkameraden am 14. April zur Mittagsstunde in See, den ganzen Tag wollen sie auf der Nuthe verbringen.

„Jeder versuchte, seine Angst zu verbergen“

Etwa zur gleichen Zeit endet im mehr als tausend Kilometer entfernten England die Einsatzbesprechung der Bomberpiloten, die am Abend den Angriff auf Potsdam fliegen werden. Im Gedenken an diesen Angriff – an die „Nacht von Potsdam“ – teilte Hannelore Wagner am Samstagabend im Potsdam-Museum im Alten Rathaus ihre Erinnerungen mit etwa 130 Besuchern. Mit auf dem Podium: Gisela Bohl, im April ’45 ein Backfisch von 16 Jahren. Die Stimmung in den Tagen vor dem Angriff? „Man ahnte, dass der Krieg zu Ende geht und konnte sich nicht vorstellen, was dann kommt“, sagt Gisela Bohl. „Es gehörte zwar zu unserem Alltag, dass man in den Keller ging, aber es war keine Routine. Wir hatten Angst, aber jeder versuchte, seine Angst zu verbergen.“

Während Gisela Bohl vom Angriff selbst daheim in der Stadtheide kaum etwas mitbekommt, ist Hannelore Wagner mit ihrer Familie mittendrin. „Der Keller der Jutefabrik, der Boden, das riesige massive Gebäude haben geschwankt wie eine Schaukel“, erzählt sie. „Da waren Frauen, die nur geschrien haben – bis mein Vater die Geduld verlor...“ Es habe nicht gewollt, dass die Kinder verrückt gemacht werden – was er sagte, sei zwar nicht sehr fein gewesen, aber effektiv.

Die Furcht, dass noch etwas passieren könnte

„Meine Schwester und ich hielten uns mit unserer Mutter an den Händen – wir waren die ganze Zeit ruhig, so richtig mutig waren wir aber nicht“, sagt Hannelore Wagner. Der Schrecken dieser Nacht ist mit Abdrehen der Bomber noch lange nicht zu Ende. Die brennenden Fabriken und Wohnhäuser, die zerfetzten Fassaden, die Toten und Verletzten: Hannelore Wagner hat das alles gesehen, denn als der Vater aus dem Luftschutzkeller steigt, um sich zu den Großeltern durchzuschlagen, heftet sie sich an seine Fersen. Die nächsten Tage erlebt die Familie in der beständigen Furcht, es könnte noch etwas passieren.

Auf dem Alten Markt luden Gegner des Garnisonkirchen-Wiederaufbaus zur „größten Massenversöhnung aller Zeiten" ein. Quelle: Friedrich Bungert

Die Nacht von Potsdam ist eine Zäsur, die sich bis heute auf das Potsdamer Selbstverständnis auswirkt, sagt Bürgermeister Burkhard Exner (SPD) beim Gedenken. Wie viele Facetten dieses Selbstverständnis hat, ist am Samstag auf dem Alten Markt zwischen Altem Rathaus, Nikolaikirche, FH-Ruine, Stadtschloss-Replik und Barberini zu erleben: Gegner des Wiederaufbaus der in der Nacht von Potsdam schwer beschädigten, 1968 abgeräumten Garnisonkirche rufen „inspiriert vom Garnisonkirchen-Versöhnungsallerlei“ die „größte Massenversöhnung aller Zeiten“ aus.

Das „Komitee für preußische Leichtigkeit“ ist längst abgezogen, als um Punkt 22.16 Uhr – der Zeitpunkt, da am 14. April ’45 in Potsdam der Fliegeralarm aufjaulte – die Glocken von St. Nikolai läuten. Zu Füßen der Kirche scharen sich einige Dutzend Menschen um Pfarrer Matthias Mieke. Sie singen und beten. Ein junger Syrer stoppt verwundert auf seinem Weg über den Alten Mark. Er möchte wissen, was hier gerade passiert, hört die Geschichte vom Bombehagel, von der Zerstörung der Stadt, von den Toten und den Überlebenden, deren Geschichten Jahr für Jahr zu hören sind. Der Mann nickt: „Wir sind heute auch bombardiert worden“, sagt er, bedankt sich für die Auskunft und verschwindet in der Dunkelheit.

Von Nadine Fabian

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