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Potsdam Die Vorboten der Revolution im Film
Lokales Potsdam Die Vorboten der Revolution im Film
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14:15 09.07.2016
Willkommen in der virtuellen Realität! Stefanie Unger testete die Technologie, die bisher vor allem Gamer nutzen. Quelle: Christel Köster
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Potsdam, Jägervorstadt

Stellen Sie sich vor, Sie ziehen um – sagen wir: nach Acapulco. 50 Wohnungen kommen dort drüben am Pazifik in Frage, Sie haben aber nur ein einziges Wochenende Zeit, die Liste abzuarbeiten. Nicht zu schaffen? Aber klar doch. In der virtuellen Realität (VR) ist das gar kein Problem. Sie setzen einfach die VR-Brille auf und schon schlendern Sie durch die Apartments ihrer Wahl, inspizieren Wohn- und Schlafzimmer, Bad und Terrasse – und stehen dabei doch noch immer daheim in Potsdam auf dem ollen Teppich, den Sie schon in Ihrer Studentenbude hatten und der nun wirklich mal weg kann.

So unvorstellbar die Szenerie anmuten mag, sie ist längst real. Überall auf der Welt – auch in Potsdam – tüfteln Start-Ups und etablierte Unternehmen gleichermaßen im VR-Bereich. Dabei geht es nicht nur um Technik und Technologien, um Applikationen, Spiele und Filme. Dabei geht es vor allem um viel Geld und die Frage, wie sich Virtual Reality am besten vermarkten lässt – und wie man sich ein Scheibchen von dem Braten sichert.

Mit nur einem Scheibchen will sich Potsdam allerdings nicht zufrieden geben. Potsdam könnte zwischen den beiden VR-Hochburgen – das sind China und die US-Westküste – immerhin der dritte Virtual-Reality-Hotspot werden. Das ist das Ziel, das die altehrwürdige, in Babelsberg beheimatete Ufa und das noch junge, ebenfalls in Babelsberg ansässige Unternehmen Metropolis VR ins Auge gefasst haben. Zu zweit ist so ein Coup freilich nicht zu landen. Und so hatten die Unternehmen für Freitagvormittag Produzenten der deutschen Filmwirtschaft – darunter Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz sowie Schauspieler und Produzent Kai Wiesinger – in die Löwenvilla in der Gregor-Mendel-Straße 26 eingeladen. Eine gute Adresse für eine Verschwörung, hatte doch Major Fritz von der Lancken in der Villa mehrere Tage lang den Sprengstoff versteckt, mit dem Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 im Führerhauptquartier Wolfsschanze das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler begehen sollte.

In der Löwenvilla brachten sich die Potsdamer Filmschaffenden auf den neuesten VR-Stand. Quelle: Christel Köster

Nicht nur diese geschichtsträchtige Vorgeschichte macht die Villa, in der Tom Cruise im Sommer 2007 Szenen für seinen Stauffenberg-Film „Operation Walküre“ drehte, zu einem geradezu surrealen Ort. Das Haus birgt einen unbefangenen Mix epochaler Stile, die nicht so recht zueinander passen möchten und es gerade deshalb so verwirrend-schön machen. Stärkten sich die Gäste aus der Filmbranche eben noch unter einem zart-blauen Jugendstil-Gewölbe am Büfett (Popcorn, Croissants, Orangensaft), fanden sie sich nur wenige Schritte später in einem prunkvollen Rokokosaal wieder – und das ganz ohne VR-Brille!

Die kam bei dem Treffen, das in erster Linie der Werbung für die neue, von den Gastgebern als revolutionär erachtete Technologie dienen sollte, aber dennoch zum Einsatz.„Es ist einfach schwer zu ermessen, was VR ist, wenn man es nicht selbst erlebt hat“, sagt Metropolis-VR-Geschäftsführer Stephan Schindler. Er erläuterte die Einsatzgebiete von VR, das derzeit noch vor allem als Ort für Hardcore-Spieler gilt, aber immer mehr Bereiche des Alltags berührt, lotete das Potenzial für den Film aus und wurde nicht müde, die übergroße Chance für Potsdam zu betonen.

Unter den geladenen Gästen war auch Schauspieler und Produzent Kai Wiesinger. Quelle: Christel Köster

Diese Chance hat auch Ernst Feiler, Head of Technology bei Ufa, erkannt. Mit dem Hasso-Plattner- und dem Fraunhofer-Institut an der Seite, mit Studio Babelsberg, der Filmuniversität und der Berliner Start-Up-Szene im Boot müsse man „diese großartige Chance“ einfach ergreifen – und zwar so schnell wie möglich, am besten innerhalb der nächsten 18, 24 Monate. „Wir haben hier alles: Talent, Erfahrung, Fähigkeiten und eine VR-kompatible Umgebung“, so Feiler. „Die heutige Situation ähnelt der Situation am Anfang des Films. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was wir in good old Germany wirklich können und den Raum, der sich aufgetan hat, besetzen. Wir können der Hub sein, der VR tatsächlich produziert.“

Von dieser Idee ist der Potsdamer Entrepreneur Kai Desinger – er sprach für den High-Tech Gründerfonds – offenbar mehr als angetan. „Think big“ lautet seine Devise. Er setze gerade alles daran, eine Kreativcity in Brandenburg, dem Vernehmen nach in Potsdam, ins Leben zu rufen. „Wir haben mehrere Objekte im Auge“, so Desinger, der sich noch bedeckt hält. „Es geht nicht nur um Medien, aber VR könnte ein Schwerpunkt sein. Wir wollen ein Leuchtturm, ein Magnet sein und die spannendesten Unternehmen nach Potsdam holen.“

Was ist das: Virtual Reality?

Virtual Reality (VR) ist eine dreidimensionale digitale Welt, die man mit einem geschlossenen Headset hautnah erleben und in ihr agieren kann. AR steht für Augmented Reality. Hier wird die Realität über eine Datenbrille mit virtuellen Objekten überlagert.

Beiden Technologien wird von Analysten großes Wachstum vorhergesagt. Bis 2025 soll der Software-Markt für VR- und AR-Geräte über 70 Milliarden Dollar groß sein, der für Hardware über 110 Milliarden, schätzt Goldman Sachs.

In der Hauptstadtregion beschäftigt sich derzeit eine rasant wachsende Anzahl an Firmen und Forschungseinrichtungen mit VR und AR. Erst im Mai 2016 haben Medienproduzenten, Technologieunternehmen und Hochschulen aus Berlin und Brandenburg in Babelsberg den ersten Virtual-Reality-Verein gegründet. Ziel ist es, ein neues Kompetenzzentrum für diese Zukunftstechnologie zu schaffen.

Von Nadine Fabian

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