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Potsdam Die Wartenden ziehen durch Potsdam
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18:55 27.02.2017
Mireau, eine blinde Bewohnerin des Oberlinhauses, ertastet die Skulptur „Für die Söhne“. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam/Babelsberg

Ein kleiner Menschenauflauf begrüßte am Montag die Wartenden bei ihrer Ankunft auf dem Gelände des Oberlinhauses. Punkt 14.05 Uhr, gerade brach die Sonne zwischen den Wolken hervor, sagte Pastor Matthias Amme: „Dann gehen wir jetzt auspacken.“ Zu viert hoben sie die Decke des Anhängers an: Der Pastor und die Künstlerin Christina Rode, Sabine (20) und Sina (21), zwei Bewohnerinnen des Oberlinhauses.

Unter der Plane ruhten sie in zwei Lagen. Sabine lachte begeistert auf, als sie die erste Skulptur „Für die Ungeduldigen“, eine zusammengekrümmte Gestalt, mitsamt ihrem Stuhl aus dem Wagen hoben, auf eine Sackkarre setzten und einige Meter weiter vor das Maria-Martha-Haus stellten.

Es folgte „Für die Söhne“, ein junger Mann mit trotzig geneigtem Kopf, verschränkten Armen, eine Hand wie fröstelnd an der Schulter. Mireau (18) trat heran und tastete sein Gesicht ab, die Nase, das Kinn. Pastor Amme sagte: „Der kommt zu euch ins Taubblindenheim. Aber nicht als Geschenk, nur zu Besuch.“

Christina Rode vor ihrer Figurengruppe „Die Reise der Wartenden“. Quelle: Friedrich Bungert

Vor acht Jahren hat Christina Rode in ihrer Werkstatt in Wietzow, Landkreis Vorpommern-Greifswald, mit Kettensäge und Stechbeitel aus schweren Holzbalken mit der „Ängstlichen“, der „Tragenden“ und der „Ungeduldigen“ die ersten drei dieser lebensgroßen Figuren in Sitzhaltung geschaffen. 2012 folgten weitere vier und ein leerer Stuhl.

Seit 2013 ist die Figurengruppe „Die Reise der Wartenden“ unterwegs. Potsdam ist nach dem Start in Mecklenburg-Vorpommern, nach Reisen durch Polen, durch Süd- und Westdeutschland die mittlerweile 15. Station. Zuletzt standen und wanderten die Figuren fast ein dreiviertel Jahr durch Wuppertal in Nordrhein-Westfalen. Erst in der vergangenen Woche hat Christina Rode sie von dort abgeholt.

Pfarrer Matthias Amme mit de Skulpturen „Für die Söhne“ und „Für die Mütter“. Quelle: Friedrich Bungert

Heute sollen sie sich auf den Weg durch die Potsdamer Innenstadt machen. Um 10 Uhr geht es los mit der Straßenbahn: „Wir fahren bis zum Luisenplatz oder zur Charlottenstraße und steigen dort irgendwo aus“, sagt der Pastor. Bis 15 Uhr werden die Figuren einzeln oder auch in Grüppchen auf ihren Sackkarren durch die City wandern und als Einladung an die Passanten immer wieder mal eine Rast einlegen.

Das Berühren dieser charismatischen Schöpfungen aus Holz ist ausdrücklich erwünscht. Schon der Name der Kunstaktion „Lass’ Dich vom Moment berühren“ ist eine Einladung. Mit dem Oberlinhaus als dem Zentrum für Menschen mit Taubblindheit haben die Wartenden in Potsdam allerdings auch die perfekte Gastgeber. Berühren und Berührenlassen sei „das Thema des Oberlinhauses“, sagt Pastor Amme, „Menschen mit Behinderung sind die Fachleute dafür“.

Bis Ostern sollen die Wartenden nach und nach in den verschiedenen Einrichtungen des Oberlinhauses stehen. Immer mittwochs um 13 Uhr gibt es begleitend eine Passionsandacht. Die erste Andacht ist am Mittwoch in der Oberlinkirche. Am Montagnachmittag nahmen die Figuren dort schon einmal Aufstellung.

Die Reise der Wartenden

Passionsandachten mit den Skulpturen von Christina Rode gibt es am 1. März in der Oberlinkirche, am 3. März in der Oberlinklinik, am 15. März im Thusnelda-von-Saldern-Haus, am 22. März in der Oberlinkirche. Beginn: 13 Uhr.

Am Dienstag zwischen 10 und 15 Uhr führt „Die Reise der Wartenden“ vom Luisenplatz über die Brandenburger Straße zum Platz der Einheit. Von dort soll es mit der Straßenbahn zurück nach Babelsberg gehen.

Nach einer Reise durch die verschiedenen Einrichtungen des Oberlinhauses sollen die Figuren vom 9. April bis zum Osterwochenende in der Oberlinkirche ausgestellt werden.

Ausführliche Informationen zu dem Kunstprojekt gibt es im Internet auf der Seite http://die-reise-der-wartenden.blogspot.de/

In der Mitte vor dem Altar standen „Während in der wirren Glut das Gras wächst“, eine junge Frau mit Dutt und Mandoline, gleich daneben die füllige „Für die Mutter“, 60 Kilogramm schwer aus Birkenholz, fünf Leute hatten angepackt, um sie aus dem Wagen von Christina Rode zu heben, und „Für die Töchter“, eine Mädchenfigur mit hellem Ballerinenkleid, Tanzschuhen und den Händen im Schoß.

Schräg hinter den Wartenden verharrte ganz so, als gehöre er dazu, mit einem Strauß hellvioletter Tulpen in einer Schale der Taufengel der Oberlinkirche, der sie alle um Kopfesgröße überragte.

Von Volker Oelschläger

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