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Potsdam Die Zeppelinstraße und der große Autofahrer-Frust
Lokales Potsdam Die Zeppelinstraße und der große Autofahrer-Frust
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20:07 03.07.2017
Stoßstange an Stoßstange: Im Berufsverkehr brauchen die Autofahrer in der Zeppelinstraße besonders viel Geduld. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam-West

Montagsfrust mit Ansage: Nach einem naturgemäß eher ruhigen Wochenende ging der Modellversuch am Montag als erstem Werktag in die richtig heiße Phase. Zumindest beim morgendlichen Berufsverkehr staute es sich mächtig stadteinwärts. Auch einige Händler an der verengten Verkehrsader sind stinksauer. „Ich kann doch nicht diesen Schwachsinn kommentieren“, reagierte Bernd Nieschler, Inhaber des Lottoladens am Bahnhof Charlottenhof, zunächst brüsk auf die MAZ-Frage. Dann machte er doch seinem geballten Ärger Luft. Dass Autofahrer durch die Maßnahme zum Umsteigen auf den Öffentlichen Nahverkehr bewogen werden könnten, hält Nieschler für unrealistisch. Er selbst pendelt aus dem kleinen Ort Fichtenwalde nach Potsdam. Um halb fünf Uhr morgens muss er immer los, um pünktlich um halb sechs den Laden aufsperren zu können. „Der Bus fährt nur einmal stündlich bis Werder-Bahnhof – wie sollte ich das zeitlich schaffen?“

Skepsis und Mitleid

Mit den Geltowern hat Nieschler volles Mitleid. Dort staue sich der Verkehr schon jetzt oft bis zur Ortsmitte zurück, erzählt der Ladeninhaber aus eigener Erfahrung. Den Modellversuch hält er für eine reine Augenwischerei. Sein Vorschlag, um der Verkehrsmisere Herr zu werden: „Man wird nicht umhin kommen, irgendwann die Umgehungsstraße zu bauen.“ Eine Verbesserung werde es auf lange Sicht nicht geben – schon allein, weil in Richtung Werder immer neue Wohngebiete entstehen, argumentiert Nieschler: „Mit jedem Haus, das gebaut wird, kommen zwei neue Autos dazu.“

Claudia Misch vom Stoffgeschäft „Süssstoff“ in der Zeppelinstraße 18 ist zwar nicht sauer über den Modellversuch, aber dennoch skeptisch. Als Radfahrerin findet sie die neue separate Spur stadtauswärts zwar „genial“. Aber: Gleichzeitig wird der Ausweichverkehr, der sich nun immer beharrlicher durch die Straßen von Potsdam-West quält, ständig schlimmer. Eine beliebte Route führt durch die Geschwister-Scholl-Straße zum Wildpark.

Greenpeace erinnert an Hintergrund

Zum Start der Fahrbahnverengung war am Montagnachmittag auch Greenpeace vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt rollte der Verkehr eher flüssig. Ehrenamtler in grasgrünen T-Shirts hielten an der Ecke Zeppelinstraße/Nansenstraße ein riesiges Transparent in die Höhe: „Auf’s Fahrrad und jetzt Spur wechseln!“ Sinn der Aktion war eine Impulsumfrage unter Passanten: „Was brauchen Sie als Anreiz, um auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen?“, wollten die Aktivisten wissen. Die beste Alternative sei „natürlich das Rad“, warb Stefan Kruse von Greenpeace Potsdam für die umweltfreundlichste Variante.

Auf dem verkehrslärmumtosten Gehweg sprach mancher Befragter dann aber weniger übers Rad, sondern eher über seine Ratlosigkeit. „So, wie das jetzt ist, bringt das keine Einsparung an Abgasen – schließlich haben nicht alle Autofahrer eine Start-Stopp-Einrichtung“, wetterte ein Rentner, der an der Straße wohnt. Seine Prognose: „Wir kommen um einen dritten Übergang nicht rum.“

Die Aktivisten nutzten die Gelegenheit, um an den Hintergrund der umstrittenen Fahrbahnverengung zu erinnern: „Seit Jahren liegen die Schadstoffwerte über dem Grenzwert“, erinnerte Kruse. Seines Erachtens wird die Stadt nach dem voraussichtlichen Ende des Modellversuchs – sechs Monate plus mindestens sechs Wochen für die Datenanalyse – das Rad nicht wieder zurückdrehen können. Die Straße könne nicht wieder in den Zustand vor den Markierungsänderungen zurückversetzt werden, ist Kruse zuversichtlich: „Das wäre der falsche Weg.“

MAZ-Talk zur Zeppelinstraße

Anmeldung zum MAZ-Talk unter 0331/2840-294 oder online: www.MAZ-online.de/MazTalk

Umfrage: www.MAZ-online.de/zeppelinstrasse

Von Ildiko Röd

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