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"Die boomendste kleine Stadt"

Interview mit Mike T. Huether, Bürgermeister von Potsdams Partnerstadt Sioux Falls, über seine Heimat und gegenseitige Lerneffekte "Die boomendste kleine Stadt"

Am Donnerstag fand die feierliche Taufe einer Straßenbahn auf den Namen der Potsdamer Partnerstadt Sioux Falls statt. "Pate" war Mike T. Huether, der Bürgermeister der 162.000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat South Dakota. Im MAZ-Interview erzählt Mike T. Huether über seine Heimat und gegenseitige Lerneffekte.

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Cindy Huether, Mike T. Huether und OB Jann Jakobs bei der Taufe der Straßenbahn.

Quelle: Ingo Henseke

Potsdam. Mike T. Huether, der seit Montag mit seiner Frau Cindy in Potsdam ist, will die Partnerbeziehungen zwischen den beiden Städten künftig noch intensivieren.

MAZ: In den USA haben viele Städte Beinamen: Chicago ist als "Windy City" bekannt, New York als der "Big Apple". Wie wird Sioux Falls genannt?

Mike T. Huether: Es wird auch als "Boomendste kleine Stadt" bezeichnet. Ich finde, das ist eine schöne Gemeinsamkeit mit Potsdam, wo man ja auf Schritt und Tritt sehen kann, wie alles floriert.

Nur die wenigsten Potsdamer haben wahrscheinlich eine Vorstellung von Sioux Falls. Wie würden Sie Ihre Stadt beschreiben?

Huether: Es gibt viele neue Gebäude, viele neue Geschäfte. Die Arbeitslosenrate ist extrem niedrig - sie liegt bei nur drei Prozent. Es gibt auch jede Menge Jobs. Tatsache ist, dass wir in Sioux Falls händeringend auf der Suche nach Arbeitskräften sind.

Was ist das "Geheimnis" Ihrer Stadt?

Huether: Wir haben eine sehr gute wirtschaftliche Balance hingekriegt und haben Standbeine in den verschiedensten Wirtschaftsbereichen: Das reicht vom Finanz- und Bankwesen über die Forschung und den Handel bis hin zu den zwei großen Klinikkonzernen und einem orthopädischen Institut, die bei uns ansässig sind. Nicht zu vergessen natürlich der große landwirtschaftliche Bereich. Sioux Falls hat ein sehr großes Einzugsgebiet. Die Metropolregion und die Stadt umfassen ungefähr 250 000 Einwohner. Man nennt Sioux Falls auch "The heart of the Midwest" - das Herz des Mittleren Westens. Es ist wie ein Klein-Chicago oder ein Klein-Minneapolis.

Also keine Cowboys und Indianer?

Huether: Nein, Cowboys und Indianer sind bei uns eher selten, dafür gibt es wie gesagt sehr viele Farmer.

Insgesamt klingt es so, also ob Sioux Falls nicht gerade am Hungertuch nagen würde als Kommune.

Huether: Ja, es ist eine reiche Stadt. Viele Doktoren, Anwälte und Banker leben in der Stadt. Außerdem ist es ein sehr beliebter Altersruhesitz für Rentner. Wir wurden sogar unter die beliebtesten Top-Fünf-Städte für Ruheständler in den Vereinigten Staaten gewählt. Das liegt an den Lebenshaltungskosten, am guten Gesundheitsvorsorgesystem und daran, dass es ein sicherer Ort mit vielen Freizeitangeboten ist. Ein weiterer Grund für die Attraktivität ist auch, dass es sehr viele Jobs für Rentner gibt, die sich etwas dazuverdienen wollen.

Sie sind jetzt seit fast fünf Jahren Bürgermeister von Sioux Falls. Was haben Sie davor beruflich gemacht?

Huether: Ich war Banker. Aber irgendwann im Leben stellt man fest, dass man mit Geld kein Glück kaufen kann. Ich hatte meine 25 Jahre im Bankwesen zwar genossen, aber ich wollte etwas Besonderes machen und den Bürgern dienen.

Welche Kompetenzen hat das Stadtoberhaupt in Ihrer Kommune?

Huether: Das Amt des Bürgermeisters ist ein unparteiisches Amt. Die Bürger votieren nicht für eine Partei, sondern für die Person. Ich bin zwar Mitglied der Demokratischen Partei, aber das spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.

Die Städtepartnerschaft zwischen Sioux Falls und Potsdam besteht seit 1990. Dennoch spürt man hierzulande - abgesehen von vereinzelten Gaststudenten vom Augustana College an der Uni Potsdam - kaum etwas von der transatlantischen Freundschaft.

Huether: Einer der Hauptgründe für meinen Besuch in Potsdam ist, dass künftig auch die Beziehungen zwischen den Bürgern intensiviert werden sollen. Es genügt nicht, wenn nur die Stadtspitzen miteinander kommunizieren. Es gibt so viele Möglichkeiten des Austauschs: vom Tourismus und der Wirtschaft bis hin zur Bildung und der Verwaltungsarbeit. Als meine Frau und ich heute durch Potsdam spazierten, hatte ich jede Menge Ideen für eine gegenseitig befruchtende Zusammenarbeit. Ich finde, wir können gegenseitig viel voneinander profitieren.

Fallen Ihnen da ein paar konkrete Beispiele ein?

Huether: Klar! Zum Beispiel wollten wir in einigen Geschäften einkaufen, aber man wollte unsere Kreditkarte nicht akzeptieren. "Wir nehmen nur Euros", hieß es. Wir gingen auch in vier Restaurants, weil wir Mittagessen wollten, aber dort spielte sich genau dasselbe ab: "Wir nehmen nur Euros, keine Kreditkarten." Auf diese Weise entgeht diesen Läden und Restaurants unglaublich viel Profit. Das macht für mich überhaupt keinen wirtschaftlichen Sinn, dass man unser Geld und das von anderen amerikanischen Touristen so aus der Stadt "verscheucht".

Welche Dinge möchten Sie sich umgekehrt von Potsdam abschauen?

Huether: Natürlich sind wir überwältigt von der Architektur. Bei uns ist es ja leider so, dass alte Gebäude oft kurzerhand abgerissen und durch gesichtslose Neubauten ersetzt werden. Hier nimmt man unglaublich viel Geld in die Hand, um historische Bauten zu restaurieren. Das ist wunderbar investiertes Geld. Toll finde ich auch das Konzept des öffentlichen Nahverkehrs, das wir heute erleben konnten.

Apropos Historie. Sie tragen einen deutschen Nachnamen und haben bei der Taufe der Straßenbahn auch eine kleine Rede auf Deutsch gehalten. Wann sind Ihre Vorfahren aus Deutschland eingewandert?

Huether: Eigentlich sind sie aus Osteuropa gekommen. Meine Vorfahren sind aus Deutschland nach Russland ausgewandert, um die Russen in Landwirtschaftstechniken zu unterrichten. Wann genau sie dann in die USA emigriert sind, kann ich nicht sagen.

Interview: Ildiko Röd

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