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Die dunkle Seite Brandenburgs

Fotografie im Kunstraum Potsdam Die dunkle Seite Brandenburgs

Erstmals ist die Kunstraum-Galerie des Waschhauses am Europäischen Monat der Fotografie Berlin beteiligt. Gezeigt werden in der Ausstellung „Die unspezifische Vermessung von Distanz“ Arbeiten von fünf Fotografen des Independent-Verlages „PogoBooks“.

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Boris Becker: Kurmuschel (2014), C-Print auf AluDibond.

Quelle: Repro

Potsdam. Boris Becker ist zweifellos der Star unter den fünf Fotografen, die zum Europäischen Monat der Fotografie Berlin in der Kunstraum-Galerie des Waschhauses in Potsdam ausstellen. Zentral platziert ist seine großformatige Aufnahme einer Kurmuschel, deren Betonschale einem Wasserfall gleich auf Gehwegplatten unter schütterem Rasen zu stürzen scheint. „Staged Confusion“ (Inszenierte Verwirrung) ist der Titel der Serie, die gerade erst im LVR-Landesmuseum Bonn gezeigt wurde. Im Kunstraum gibt es nun Kostproben davon.

Alle Fotografen der Ausstellung „Die unspezifische Vermessung von Distanz“ werden in dem 2010 von Claudio Pfeifer gegründeten Independent-Verlag PogoBooks publiziert. Pfeifer hat auch die Auswahl unter den insgesamt 60 Bildautoren getroffen, die sein Verlag im Programm hat.

Auf die zum Zeitpunkt der Aufnahme minutiös kalkulierten großen Formate Boris Beckers treffen ganz gegensätzliche Arbeiten von Marina Richter. Ihr fotografischer Kosmos formuliert sich auf poetische Weise über Ausschnitte, Versatzstücke und Details, viele ihrer Bilder sind mehrfach über den Kopierer gezogen und per Hand nachbearbeitet. Terpentinschlieren werden auf so zur geheimnisvollen Bildstörung.

Rainer Sioda (l) und Claudio Pfeifer

Rainer Sioda (l.) und Claudio Pfeifer.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Peter Kaaden hat die Aktfotografie neu definiert. Mit einer für Zahnärzte entwickelten Makrokamera nimmt er Körperpartien mit porentiefer Präzision aus allernächster Nähe auf. Zehen, Achselhaare, Falten und Leberflecken werden auf 70 mal 100 Zentimeter großen Fotografien mit höchster Auflösung zu bildfüllenden Landschaften.

Kaum zu ertragen sind die dokumentarischen Bilder von Miron Zownir, der für die Serie „Berlin noir“ Aufnahmen aus fast vier Jahrzehnten zusammengetragen hat. Zownir paparazzt die Unsichtbaren – Obdachlose, Trinker, Huren, Menschen im Elend, Menschen in der Extase, verlorene Menschen. Ein Bild zeigt ein Paar beim Sex auf einer Bahnhofstoilette, er hat von oben hineinfotografiert, ein anderes einen Mann im Anzug orientierungslos auf allen vieren. Das Buch zur Serie erscheint im November.

Zustande kam der Kontakt des Verlags zum Kunstraum über Rainer Sioda, der dort 2015 mit der Ausstellung „Transatlantic Relations“ Landschaften aus den Vereinigten Staaten und Brandenburg gegenüberstellte. Nun steht die Mark für sich: „Die dunkle Seite Brandenburgs“ zeigt paarweise Bilder der Verwahrlosung, Müll, Brandflecken, eiserne Kreuze und Fraktur auf Autolack. Auch diese Serie soll im November als Buch erscheinen.

Info Kunstraum, Schiffbauergasse 4d, bis 30. 10., Mi-So 13-18 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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