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Potsdam Neues Tierheim in Potsdam lädt zum Arbeitseinsatz
Lokales Potsdam Neues Tierheim in Potsdam lädt zum Arbeitseinsatz
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21:25 18.04.2018
Matthias Rauer koordiniert als Objektbetreuer die Bauarbeiten. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die ersten Gäste des neuen Potsdamer Tierheims an der Michendorfer Chaussee haben sich schon einmal heimlich einquartiert. Günter Hein, der Vorsitzende des Tierschutzvereins, erzählt von einem großen Sack mit Trockenfutter für Hunde in einem Lagerraum im Haus 3, der eines Tages aufgerissen und deutlich leerer war.

Sie installierten eine Wildtierkamera und hatten schon wenig später die schattenhafte Aufnahme von vier Waschbären, die einer nach dem anderen durch ein Fenster zum Futter ins Lager kletterten.

Seit gut drei Jahren laufen die Vorbereitungen für das neue Tierheim auf dem Sago-Gelände direkt an der Abfahrt der Potsdamer Straße Richtung Wilhelmshorst. Der Erwerb des zwei Hektar großen Grundstücks mit seinen fünf Baracken brauchte ebenso Zeit wie die Baugenehmigung.

Ein Nymphensittich aus Holz wirbt an der Straße für das Tierheim. Quelle: Bernd Gartenschläger

Arbeitseinsätze von Vereinsmitgliedern gab es immer wieder einmal. Meist zu Aufräumarbeiten wie zuletzt nach dem Herbststurm Xavier, bei dem ein mächtiger Baum das Haus 2 nur knapp verfehlte und ein Sturzregen den Versammlungsraum im Haus 4 unter Wasser setzte.

Nun endlich ist regulärer Baubeginn. Am Sonnabend ab 10 Uhr sollen kräftige Freiwillige im Haus 5 Baufreiheit schaffen für den späteren Abriss und Neubau des Dachs durch professionelle Firmen.

Koordiniert werden die Arbeiten von Matthias Rauer als Objektbetreuer. Der Diplomgeologe mit Erfahrungen als Projektentwickler auf dem Bau kam auf Vermittlung von Ordnungsdezernent Mike Schubert zum Tierschutzverein; die beiden kennen sich gut aus dem SPD-Unterbezirk, erzählt Günter Hein.

Auf dem Gelände. Quelle: Bernd Gartenschläger

In die Zeitungen kamen Rauer und Familie zum Tag des offenen Denkmals 2011 als „selbst nutzende Eigentümer“ eines Barockhauses in der Hegelallee, das sie sanierten und zum Vier-Generationen-Haus ausbauten.

Rauer erklärt, das Giebeldach der 600 Quadratmeter großen Baracke müsse wegen Schadstoffbelastung abgerissen werden. Ersetzt werden soll es durch ein Pultdach, das mittelfristig mit Solarmodulen bestückt werden kann.

Zum genauen Zeitplan wollen sich weder Rauer noch Hein äußern. „Wir haben den Ehrgeiz, das noch in diesem Jahr zu schaffen“, sagt Hein. Handicap sei die Baukonjunktur, die nicht nur öffentlichen Auftraggebern zu schaffen macht: „Die Firmen sind alle voll mit Aufträgen“, sagt Rauer: „Und gerade bei den Dachdeckern ist regelrecht Land unter.“

Hundespielplatz neben dem Haus 4. Quelle: Bernd Gartenschläger

Das Haus 5 steht separat gleich links neben dem Haupteingang. Unmittelbar nach der Fertigstellung kommt dort ein erstes Tierheim für Hunde, Katzen, Vögel und Kleingetier vom Kaninchen bis zum Hamster hinein. Wenn alle Gebäude saniert sind, soll dort eine Tierpension eingerichtet werden.

Im Haus 4 gegenüber geben sich Vereinsmitglieder und Gäste schon jetzt die Klinke in die Hand. Im Flur steht das Glücksrad, mit dem der Verein zu Veranstaltungen um Spenden wirbt. Im Versammlungsraum dahinter lehnen von Kindern bemalte Tafeln an der Wand mit dem bunten Schriftzug „Herzlich willkommen – Tierheim Potsdam“ über lustigen Bildern von Katze und Hund. Daneben ein Transparent des Volksbegehrens gegen Massentierhaltung.

Der Ortsbeirat von Wilhelmshorst hat schon hier getagt, sagt Günter Hein, die Freiwillige Feuerwehr und auch der SPD-Ortsverein. Später einmal sollen in dem Haus die Isolier- und Quarantänestation und eine Tierarztpraxis einziehen. Der Hundespielplatz neben dem Haus 4 war eine der ersten Anlagen, die von Tierschutzfreunden nach der Übernahme des Grundstücks gebaut wurden.

Die Häuser 1 und 2 am Ende des Grundstücks. Quelle: Bernd Gartenschläger

Im hinteren Teil des Geländes, vorbei an zwei Hügeln, unter denen laut Hein die Waschbären hausen, stehen nebeneinander drei weitere Baracken. Ins Haus 1 ganz am Ende sollen später die Hundezwinger kommen. Das Haus 2 in der Mitte wird zur Behausung für Kleingetier. Ins Haus 3 ziehen die Katzen ein.

Matthias Rauer ist als Objektbetreuer erstmals für den Tierschutz aktiv. Doch kaum hat er das erzählt, kommt schon als kleine Korrektur sein erster Tierkontakt. „Ich habe vor 18 Jahren eine Katze übernommen.“ Maschahn heißt das Tier. Ursprünglich hatten sie es Mascha genannt, doch dann entdeckten sie, dass die Katze ein Kater ist.

Der lange Weg zu einem neuen Tierheim

Der Tierschutzverein Potsdam und Umgebung war der letzte Betreiber des Tierheims an der Forststraße in Potsdam-West, das 2007 geschlossen wurde. Seither gab es vielfältige Bemühungen um einen Neubau an anderer Stelle.

Die Potsdamer Fundtiere wurden in der Zwischenzeit übergangsweise in außerhalb gelegene Einrichtungen in Kremmen, Beelitz und Zossen untergebracht.

In Rehbrücke hat der Tierschutzverein selbst von 2009 bis 2016 eine Auffangstation für Kleintiere betrieben, deren Kapazität bei einer Gesamtfläche von 160 Quadratmetern aber vergleichsweise bescheiden war.

Im Herbst 2014 wurde die kleine Barackensiedlung auf dem Sago-Gelände an den Tierschutzverein übergeben. Errichtet in den 1950er Jahren als Bauarbeiterunterkunft für die Bahnstrecke Saarmund-Golm mit der Bahnbrücke über den Templiner See, wurde das Gelände später von DDR-Grenztruppen und als Gerhörlosenheim genutzt. Nach 1990 war es kurzzeitig Unterkunft für Flüchtlinge.

2015/16 erwarb der Verein das Grundstück von der Stadt. Im Juli 2017 wurde die Baugenehmigung erteilt. Bei einer Umbauzeit von etwa zehn Jahren rechnet der Verein mit Baukosten von 3,5 bis vier Millionen Euro.

Das potenzielle Einzugsgebiet des Tierheims reicht vom Süden Berlins bis nach Teltow-Fläming.

Weitere Infos
http://www.tierschutzverein-potsdam.de/aktuelles/

Von Volker Oelschläger

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