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Potsdam Wer hier wohnt, braucht einen Jeep
Lokales Potsdam Wer hier wohnt, braucht einen Jeep
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00:30 19.06.2015
Holprig, holpriger, Spornstraße. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Robin Thorwirth ist sauer. „Es ist eine Frechheit, dass hier Parkgebühren erhoben werden“, schimpft der 34-Jährige. „Der Zustand der Straße ist für die Anwohner unzumutbar!“ Mit seinem silbernen VW-Bus habe der Familienvater regelmäßig Probleme beim Ein- und Ausparken. Schuld sind die holprigen Pflastersteine und die hartkantigen Bordsteine. Thorwirth wohnt seit elf Jahren in der Spornstraße – Potsdams wohl kaputtester Straße. Er habe sich mit seinen Vorwürfen bereits an die Stadt gewandt – eine zufriedenstellende Antwort bekam er nicht. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich jemand wirklich mit meiner Anfrage auseinandergesetzt hat“, sagt Thorwirth.

Bei Hausnummer 1 schaut eine alte Frau aus dem Fenster. Sie verrät uns ihr Alter, aber nicht ihren Namen. Die 92-Jährige sagt: „Seit ich hier wohne, ist noch nichts passiert.“ Wir rechnen nach: Seit 42 Jahren herrscht demnach Stillstand in der Spornstraße. Und sie erzählt weiter: „Wenn es regnet, staut sich das Wasser bis zur Bordsteinkante. Ich sage immer: Das ist die elendste Straße Potsdams.“

Ein paar Meter weiter sagt auch Peter Richter, dass hier „merklich noch nie was passiert“ ist. Er wohnt seit 15 Jahren in der Spornstraße. „Als es mal einen Wasserschaden gab, wurde ein bisschen was ausgebessert, aber das war’s dann auch wieder“, sagt Richter. Wann endlich was passieren soll in Potsdams Holperstraße, weiß er nicht. „Vielleicht mit der Sanierung der Häuser, aber ein genaues Datum kennt hier keiner.“

Seine Vermutung bestätigt eine junge Frau aus Hausnummer 4, die gerade mit dem Fahrrad davonradeln will. „Bevor das Haus nicht saniert wird, wird auch an der Straße nichts gemacht“, sagt sie. Wann genau das passiert, stehe aber noch nicht fest. „Wir hoffen ja in den nächsten ein bis zwei Jahren.“

Holprig, holpriger, Spornstraße

Die Spornstraße verbindet die Lindenstraße mit der Dortustraße.

1722 wurde die Straße angelegt – im Zusammenhang mit der ersten barocken Stadterweiterung.

Benannt wurde die heutige Holperpiste nach einem ansässigen Produzenten für Reitsporen.

In der Spornstraße befindet sich ein Flügel des Großen Militär-Waisenhauses und das sogenannte Unger-Haus.

Das Unger-Haus wurde 1683 erbaut. Seinen Namen und sein heutiges Aussehen erhielt es ab 1773 durch den Stadtarchitekten Georg Christian Unger.

Das ehemalige Große Militärwaisenhaus bestand aus einem fast geschlossenen Karree, welches die Lindenstraße, die Breite Straße, die Dortustraße und die Spornstraße umfasste. Der Haupteingang befand sich in der Lindenstraße, gegenüber der Voltaire-Schule.

Bei den Pflastersteinen handele es sich um sogenanntes „Nordisches Geschiebe“, erklärt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Die Steine stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Kaum vorstellbar, dass eine Straße so vernachlässigt wird. Unweit der Flaniermeile Brandenburger Straße, die sauber und ebenmäßig gepflastert zum Verweilen einlädt. Die Spornstraße mit ihren zahllosen Pflastersteinen ist ein Abenteuer für jeden Autofahrer. Hier parkt nur, wer partout keine andere Möglichkeit hat – oder Anwohner ist. Zu groß ist die Gefahr, dass das Auto beim Durchqueren der Straße ernstlichen Schaden nimmt und direkt die nächste Werkstatt angesteuert werden muss.

Eine Nachfrage bei der Stadt ergibt, dass die Sanierung der Spornstraße voraussichtlich 2016 beginnen soll. Die Straße selbst und auch das Pflaster haben Denkmalstatus, erklärt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Der Wunsch der Denkmalbehörde sei daher, die Pflastersteine zu erhalten – sie stammen noch aus dem Jahr 1722, als die Spornstraße angelegt wurde. Es wurde bereits ein drei Meter breiter Bereich mit den Steinen neu angelegt – eine Probefläche, die zeigen soll, ob mit den Pflastersteinen weiter gearbeitet werden kann. Denn: „Auch die Sicherheit und die Befahrbarkeit der Straße dürfen nicht außer Acht gelassen werden“, sagt Brunzlow.

Im kommenden Jahr soll die Straße also rundum erneuert werden. Sowohl untenrum, also was Telefon-, Strom- und Abwasserleitungen angeht, und eben auch ihre Oberfläche. „Wir wollen natürlich, dass das dann auch die nächsten 20 Jahre hält und nicht noch mal alles aufgebaggert werden muss“, sagt Brunzlow.

Fest steht: Eine glatte Teerfläche wird die Spornstraße auch nach dieser Sanierung nicht sein. Die Frage ist nur, ob die jetzigen Pflastersteine wiederverwendet werden können oder andere rangeschafft werden müssen. „Alles andere würde auch nicht der Gegend entsprechen“, sagt Brunzlow. „Man muss bedenken, dass es sich nicht um eine Hauptverkehrsstraße handelt, sondern lediglich um eine Anliegerstraße.“

Bis Ende des Jahres wird das Probestück mit den alten Pflastersteinen noch beobachtet, dann suche man nach einer sinnvollen Möglichkeit, die Straße nicht nur verkehrstauglicher zu machen, sondern auch ihrer Geschichtsträchtigkeit gerecht zu werden.

Von Josephine Mühln

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