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Die nicht ganz so netten Barberini

Architekturgeschichte Die nicht ganz so netten Barberini

Die Papstfamilie, die das Vorbild für das Potsdamer Palais baute, hatte keinen guten Ruf. Angeblich wütete sie schlimmer als die Barbaren. Aber ein Vermächtnis bleibt vom Barberini-Clan: Ihr Palazzo, der noch heute Besucher anzieht. Denn auch das römische Barberini ist ein Museum. Statt Impressionisten gibt es dort britische Könige und barbusige Damen auf den Gemälden.

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Lebensretter gesucht!

Mitten in der römischen Altstadt gelegen und doch eine grüne Oase: Der Palazzo Barberini ist heute Sitz der Nationalgalerie Antiker Kunst.

Quelle: Ildiko Röd (3)

Innenstadt. Heute startet die siebentägige „Generalprobe“ für das Museum Barberini am Alten Markt. Unter dem Motto #EmptyMuseum wird den gespannten Kulturfreunden Einlass gewährt in die – noch leeren – Ausstellungsräume von SAP-Gründer und Mäzen Hasso Plattner. Seine Eröffnung feiert das Museum erst am 23. Januar. Dann wird das Barberini zu einer der ersten Kunstadressen aufsteigen.

Vetternwirtschaft war unter Urban VIII. an der Tagesordnung

Vor fast 400 Jahren war der Name Barberini auch schon einmal in aller Munde. Allerdings hatte er damals keinen so guten Klang. Im Rom des 17. Jahrhunderts flüsterte man sich hinter vorgehaltener Hand einen bissig-sarkastischen Satz zu: „Was die Barbaren nicht schafften, schafften die Barberini.“ Die Barbaren: Damit waren die Invasoren aus dem Norden während der Völkerwanderungszeit gemeint, die die einst so glänzende Hauptstadt des Imperiums plünderten. Die Barberini: Das waren die Mitglieder einer italienischen Adelsfamilie. Ihr mächtigster Vertreter – Maffeo Barberini – bestieg im Jahr 1623 den Papststuhl.

Die Biene war das Wappentier der Familie Barberini

Die Biene war das Wappentier der Familie Barberini: Sie stand für Sparsamkeit, Fleiß und Süße.Das Motiv findet sich überall im Palazzo und auch auf dem Brunnen an der nahe gelegenen Piazza Barberini.

Quelle: Ildiko Röd

Als Urban VIII. zeigte er sich keineswegs zimperlich. So schanzte er seinen Neffen höchste Ämter im Vatikan zu. Und die großartigsten Kulturschätze der Antike landeten im Handumdrehen auf Rudis Resterampe. Aus den Bronzeplatten des Dachstuhls im Pantheon ließ er 80 Kanonen für die Engelsburg gießen. Und das monumentale Kolosseum gab er einfach als Steinbruch frei – Arrivederci, Roma!

An diesem Stich orientierte sich Friedrich der Große für seinen Nachbau am Alten Markt

An diesem Stich orientierte sich Friedrich der Große für seinen Nachbau am Alten Markt.

Quelle: Archiv

Ein paar Pluspunkte kann man Urban aber zugestehen: In seine Amtszeit fiel die Einweihung des Petersdoms, und er soll mit dem Universalgelehrten Galileo Galilei befreundet gewesen sein. Getreu seinem Familienwappen, das eine fleißige Biene zeigt, legte sich der Barberini-Clan bei seinen eigenen Projekten mächtig ins Zeug. Das Highlight: Ihr Palazzo mitten in der Altstadt unweit der Spanischen Treppe. Als der Prunkbau der berühmten Architekten Maderno, Bernini und Borromini zwischen 1627 und 1638 entstand, wurde er bald stilprägend für die Epoche des Barock.

Berühmt ist auch das Treppenhaus im Palazzo Barberini

Berühmt ist auch das Treppenhaus im Palazzo Barberini.

Quelle: Ildiko Röd

Heutzutage haben selbst Rom-Touristen mit Orientierungsschwierigkeiten kaum Probleme, ihn zu finden. Man muss nur an der Metro-Station Barberini an der Piazza Barberini aussteigen. Mehr Barberini geht nicht! Dennoch gibt sich der Palazzo nicht gleich den Blicken preis. Erst über eine leicht ansteigende Straße gelangt man zum Eingangstor, das sich zu einem Vorplatz mit üppiger Vegetation hin öffnet.

Papst Urban VIII

Papst Urban VIII. wurde als Maffeo Barberini geboren.

Quelle: Ildiko Röd

Abgesehen von den hohen Palmen kann sich der Besucher aus Brandenburg sofort heimisch fühlen: „Fast so schön wie das Potsdamer Barberini“, denkt man anerkennend. Natürlich haben die armen Römer keinen Herrn Plattner als Mäzen, aber sie schlagen sich trotzdem wacker, auch wenn alles ein bisschen länger dauert. Seit 2011 ist der Palazzo mit allen Räumen – nach 60 Jahren Renovierung! – für Besucher wieder komplett zugänglich. 1949 war der Palast in staatlichen Besitz übergegangen.

Tolle Kunst: Raffaels „La Fornarina“ und Holbeins Heinrich VIII.

Dreimal darf man raten, was sich darin befindet? Genau, ein Museum! Impressionisten, wie sie bald die Plattnerschen Säle schmücken werden, sucht man jedoch vergeblich. Den Grundstock der Sammlung der Galleria Nazionale d’Arte Antica (Nationalgalerie Antiker Kunst) bilden Werke, die nach der Auflösung des Kirchenstaates 1870 in Staatsbesitz gelangten. Es ist ein Schatz mit mehr als 1500 Werken vom 12. Jahrhundert bis zum Neoklassizismus. Zu den „Werbegesichtern“ des Museums zählt Raffaels Gemälde La Fornarina, das eine barbusige Dame zeigt.

La Fornarina von Raffael

La Fornarina von Raffael.

Quelle: Archiv

Die Säle sind vollgepfropft mit Gemälden der größten Meister von Caravaggio („Judith und Holofernes“, „Narziss“)) über El Greco bis hin zu Hans Holbeins Porträt des Briten-Königs Heinrich VIII., dessen Leibesfülle ungefähr so groß war wie sein Verschleiß an Gattinnen. Atemberaubend ist das Deckenfresko mit der „Allegorie der göttlichen Vorsehung“ des Malers Pietro da Cortona.

Das Tolle am Museum: Man hat die Kunstwerke fast für sich alleine. Die Bewertungen im Internet-Reiseportal Tripadvisor heben die Geheimtipp-Atmosphäre hervor: „Weit weniger ermüdend als der Besuch der großen römischen Museen“, so ein Gast aus Pforzheim.

Mäzen Hasso Plattner vor einigen Monaten bei einem Baustellenbesuch des Palais Barberini in Potsdam

Mäzen Hasso Plattner vor einigen Monaten bei einem Baustellenbesuch des Palais Barberini in Potsdam.

Quelle: Christel Köster

Bleibt nur noch die Frage, wie der Prunkbau eigentlich seinen märkischen Ableger bekam. „Der Palazzo war damals eines der bekanntesten römischen Bauwerke“, weiß der Potsdamer Historiker Tobias Büloff: „Friedrich II. hatte sich Ansichtsstiche besorgen lassen.“ Allerdings wurde es keine exakte Kopie. Während beim Original der Mittelteil zurückgesetzt ist, ragt er in Potsdam in den Platz hinein. Außerdem hatte das Vorbild zwei Fensterachsen mehr. Die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den zweieiigen Gebäude-Zwillingen kann man ab dieser Woche in einer Ausstellung über die Geschichte des Barberini sehen, die in einem Saal des Museums am Alten Markt gezeigt wird und die von Tobias Büloff mit erarbeitet wurde.

Das atemberaubende Deckenfresko

Das atemberaubende Deckenfresko.

Quelle: Ildiko Röd

Von Ildiko Röd

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