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Die schwarzen Freitage der Stadtwerke

Nach dem Rücktritt von Wilfried Böhme Die schwarzen Freitage der Stadtwerke

Fünf Jahre nach dem Rücktritt von Peter Paffhausen nimmt sein Nachfolger Wilfried Böhme den Hut. Der damals postulierte Neuanfang bei der kommunalen Holding ist nicht geglückt. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat nun ein Personalproblem.

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Der Firmensitz der Potsdamer Stadtwerke.

Quelle: Michael Hübner

Potsdam. Ziemlich genau fünf Jahre ist es her, da ging bei den Stadtwerken eine Ära zu Ende. Peter Paffhausen, der große Zampano der Kommunalwirtschaft, erklärte nach 14 Jahren an der Spitze seinen Rücktritt. Schwere Vorwürfe standen im Raum. Es ging um Spitzelei. Das war am 20. Mai 2011. Die Hauptfigur im damaligen Potsdamer Stadtwerke-Skandal trat an jenem Freitag von der Bühne.

Nachdenklich

Nachdenklich: Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) nach dem Rücktritt von Stadtwerke-Chef Wilfried Böhme.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Fünf Jahre später dankt der Mann ab, der schon seit 1997 im Unternehmen war und auf Paffhausen folgte. Auch an einem Freitag. Aber ohne Kameras, ohne Öffentlichkeit. In einer internen Mail an seine Mitarbeiter erklärte Wilfried Böhme zunächst, dass er seine Leitungsfunktionen bei Stadtwerken und Energie und Wasser (EWP) mit sofortiger Wirkung niederlege. Mit derselben Begründung wie Paffhausen damals: um Schaden vom Konzern abzuwenden, der Aufklärung nicht im Wege zu stehen. Einige Stunden später wurde die Erklärung an die Presse geschickt.

Peter Paffhausen erklärte im Mai 2011 seinen Rücktritt bei einer Pressekonferenz

Peter Paffhausen erklärte im Mai 2011 seinen Rücktritt bei einer Pressekonferenz.

Quelle: Joachim Liebe

Statt eines großen Abgangs gibt es diesmal nur einen kleinen Abgesang. Böhme ist ein anderer Typ als Paffhausen. Keiner für die große Bühne. Der Neuanfang, der nach dem Weggang Paffhausens postuliert wurde, hat trotzdem nicht stattgefunden. Die Stadtwerke, so viel scheint klar nach den Untreue- und Klüngeleivorwürfen der vergangenen Wochen, sind noch immer eine Schlangengrube, in der die Schatten der Vergangenheit präsent sind – und es noch mehr Leichen im Keller geben könnte.

Der Fall Paffhausen

Stadtwerke-Chef Peter Paffhausen stürzte 2011 über die Spitzel-Affäre. Er soll eine Sicherheitsfirma beauftragt haben, Pro-Potsdam-Chef Horst Müller-Zinsius auszuspionieren.

Nach seinem Rücktritt wurden Geheimgeschäfte mit dem Fußballverein Babelsberg 03 bekannt. Paffhausen wurde nachträglich fristlos gekündigt. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Untreue wurden gegen Geldzahlung eingestellt.

Jann Jakobs tritt allein vor die Presse

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) als Gesellschaftervertreter tritt allein vor die Presse. Er spielt unablässig mit seiner Brille, kratzt sich damit die Stirn. Er habe eine schlaflose Nacht hinter sich. „Das macht wir schon etwas aus“, sagt Jakobs. Nicht nur, dass er ein gutes Verhältnis zu Böhme hatte, ihm erst vor wenigen Tagen noch das Vertrauen aussprach– Jakobs hat nun ein gravierendes Personalproblem. Das städtische Unternehmen samt Töchtern ist kopflos. Anfang Mai wurden Enrico Munder (Step) und Holger Neumann (EWP) suspendiert. Weil sie einer Ex-Step-Prokuristin und Paffhausen-Vertrauten überhöhte Zahlungen zugewiesene haben sollen. Ende Mai gab der Chef der Verkehrsbetriebe, Martin Grießner, seinen Abschied bekannt. Die Stadtwerke seien kein „Ramschladen“, sondern ein erfolgreiches Unternehmen, sagt Jakobs. Es klingt, als müsse er sich selbst gut zureden. Die Holdung brauche nun „eine ganz andere Kultur“. Wo die herkommen soll – unklar. Zunächst soll die Zahl der Prokuristen erhöht werden. Dann würden die Stellen ausgeschrieben und mit Hilfe einer Personalberatungsfirma besetzt. Das kennt man schon von der Beigeordnetensuche – bei der die Wahl nun trotzdem auf alte Bekannte fallen soll.

Doch die Party geht weiter. Das Stadtwerkefest am zweiten Juliwochenende wird dennoch stattfinden. Eröffnen soll es Aufsichtsratschef Burkhard Exner (SPD).

Von Marion Kaufmann

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