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Potsdam Die sieben Raben vom Schlangenfenn
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20:47 02.05.2016
Rudolf Böhm mit seiner Sandsteinskulptur „Die sieben Raben“ in der Straße Am Schlangenfenn. Quelle: Foto: Volker Oelschläger
Potsdam/Waldstadt

Als der Bildhauer Rudolf Böhm (74) die Brunnenstele über das Märchen „Die sieben Raben“ schuf, war die neu gebaute Waldstadt II schon zum größten Teil bewohnt. Aufgestellt wurde der gut zwei Meter große Sandsteinblock mit dem dicht flatternden Schwarm, dem unglücklichen Vater, dessen unbedachte Verwünschung die Söhne in Vögel verwandelte, und der Tochter, die ihre Geschwister später einmal beherzt in die Menschenwelt zurückholen sollte, im Spätsommer 1987 vor der Kaufhalle an der Ecke der heutigen Straßen Am Schlangenfenn/Zum Teufelssee.

Zu Füßen des Mädchens ist eine Öffnung in den Stein gebohrt, doch Wasser sollte nie heraussprudeln: „Das hat leider nicht funktioniert, weil die Leute, die dafür zuständig waren, ihren Teil nicht geliefert haben“, sagt der Bildhauer. Dass ihm die Gestaltung der Sandsteinskulptur vom damaligen VEB Umweltgestaltung und Bildende Kunst (UBK) bei freier Themenwahl angetragen wurde, hing damit zusammen, dass Böhm bereits Erfahrungen mit Brunnenfiguren hatte. Acht dieser Brunnen hat er insgesamt geschaffen, mehrere davon gemeinsam mit Walter Rentzsch, der auch an den „Sieben Raben“ mitwirkte.

Ein einziger seiner Brunnen führt noch heute Wasser. Der 1977 aufgestellte„Kleine Bacchusbrunnen“ am Brandenburger Platz ist sicher auch die populärste Schöpfung Böhms im Potsdamer Stadtbild, der für sein langjähriges Wirken als Restaurator 2012 mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Landeshauptstadt geehrt wurde. Von 1968 bis 2006 war er Leiter der Skulpturenwerkstatt der heutigen Stiftung Schlösser und Gärten. Auch „Die sieben Raben“ meißelte er dort – in Feierabendarbeit.

Kunst im öffentlichen Raum

Mit dem Bau der Wohngebiete Waldstadt I und II entstand eine Vielzahl an Kunstwerken für den öffentlichen Raum, die nur zum Teil erhalten geblieben sind.

Im Auftrag der Stadt werden heute noch drei dieser Kunstwerke regelmäßig gewartet – neben den „Sieben Raben“ der 1987 gestaltete „Keiler“ vor dem gleichnamigen Restaurant ein Vogel aus Beton von Horst Misch aus dem Jahr 1983 in einer Grünanlage an der Straße Zum Jagenstein.

Dass die Raben beim Umbau des Karrees – die Kaufhalle fiel und wurde durch einen Wohnblock mit Supermarkt im Parterre ersetzt – 2013 im Depot verschwanden, erfuhr Rudolf Böhm erst, als man sie im August 2015 eine Ecke weiter wieder aufstellte. „Jetzt gefällt mir ganz gut, wie es ist“, sagt der Bildhauer. „Restaurierungswürdig“ seien vielleicht die abgeschlagenen Nasen des Mädchens und des Vaters, „aber die waren schon vorher kaputt“.

Von Volker Oelschläger

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