Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Warum muss das Filmorchester Babelsberg aufhören?
Lokales Potsdam Warum muss das Filmorchester Babelsberg aufhören?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:15 03.08.2018
Das Deutsche Filmorchester Babelsberg posiert vor ihrem Gebäude im Filmpark Babelsberg, wo am Mittwoch der Tiefbau für den umstrittenen Bürokomplex am Haupteingang der Medienstadt beginnen soll. Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Dem Filmorchester Babelsberg droht wegen einer Baustelle das Aus. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Worum geht es?

Die Bauträgergesellschaft KW Development will am Haupteingang des Studios Babelsberg in den nächsten eineinhalb Jahren einen Bürokomplex errichten, der mit 7000 Quadratmetern auf fünf Etagen ähnlich viel Platz wie das FX-Center bietet. Am Mittwoch beginnen die Tiefbauarbeiten. Das Filmorchester Babelsberg als unmittelbarer Nachbar hat bekannt gegeben, dass es in seinem Studio bei dem zu erwartenden Baulärm nicht arbeiten könne und zum Aufgeben gezwungen sei. Ab sofort würden keine neuen Aufträge mehr angenommen.

Warum lassen Stadt und Land den Konflikt so eskalieren, dass nur das Aus des Orchesters eine Lösung sein soll?

Stadt und Land sind von dem Konflikt offenkundig überrascht worden. Beide Parteien setzten auf einen Interessenausgleich, der in mehreren von der städtischen Wirtschaftsförderung moderierten Runden ausgehandelt werden sollte. Erste Treffen gab es am 11. und am 30. Juli. Aus Sicht der Stadt ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das Gespräch am Montag habe „deutlich gezeigt, dass es eine Lösung zu Gunsten der einen oder anderen Seite nicht geben kann“, sagt der Chef der Wirtschaftsförderung, Stefan Frerichs: „Alle Möglichkeiten, von Ersatzräumlichkeiten bis hin zur Nachtarbeit“ seien ausgelotet worden. Doch diese Varianten lehnt das Orchester ab.

Kann das Filmorchester nicht tagsüber proben und die Aufnahmen in die Zeit verlagern, in der nicht gebaut wird?

Nein, sagt die Intendanz. Auch der Probebetrieb würde durch die Baustelle beeinträchtigt. So seien Erschütterungen und unterschwelliges Dröhnen schon bei geringfügigeren Arbeiten beim Umbau des Billy-Wilder-Platzes zum Parkplatz spürbar gewesen. Nachtarbeit bei den Aufnahmen würde die Arbeit des Filmorchesters neben der physischen Zusatzbelastung der Musiker bei entsprechenden Zuschlägen erheblich verteuern, was zu Lasten der Konkurrenzfähigkeit ginge.

Könnte nicht einfach für die Aufnahmen ein anderes Filmstudio gemietet werden in Berlin zum Beispiel? An guten Studios mangelt es dort doch nicht.

Die nächsten mit dem Studio des Filmorchesters vergleichbaren Aufnahmeräume befinden sich mit den Abbey Road Studios in London, sagt Intendant Klaus-Peter Beyer. Auch eine Rückkehr in den früher genutzten Rundfunksaal in der Berliner Nalepastraße sei nicht möglich, weil die technischen Voraussetzungen fehlten und der Komplex dort mittlerweile als Event-Location genutzt werde. In das eigene Studio fließen laut Intendanz nach der Anfangsinvestition von drei Millionen Euro bis zu 200 000 Euro jährlich, um die Technik auf dem neuesten Stand zu halten.

Um wie viele Aufnahmen geht es eigentlich insgesamt?

Im Jahresdurchschnitt werde im Studio an drei Tagen wöchentlich Musik eingespielt. Das Orchester erarbeite sich damit 60 Prozent der Eigeneinnahmen. Ein Weg aus diesem Dilemma könnte laut Intendant Beyer die deutliche Erhöhung der Orchesterförderung sein. Nach dem aktuellen Betriebsmodell sei der Klangkörper „gezwungen, so viel zu erwirtschaften, dass man gerade so über den Monat kommt“.  

Müssen die Musiker wirklich entlassen werden? Reicht nicht eine längere Pause?

Ein Orchester sei nur ein Orchester, wenn es zusammen spielt, sagt der Intendant: „Wer sollte es ein halbes Jahr dafür bezahlen, dass es spazieren geht? Und wie ist der Zustand des Orchesters, wenn es nach einer so langen Pause wieder zusammen kommt?“ Das andere Problem seien die Kundenkontakte, die erst wieder aufgebaut werden müssten. Die Konkurrenz schlafe nicht.

Wer vertritt die Interessen der Musiker?

Gewerkschaft der Musiker ist die Deutsche Orchestervereinigung (DOV). Dort war am Dienstag keine Stellungnahme zu bekommen, weil die Geschäftsführung im Urlaub sei, wie es auf MAZ-Anfrage hieß.

Wie soll es nun weitergehen?

Einschränkungen, auch wirtschaftlich, werden auf alle Seiten, also auch auf den Bauherren zukommen, sagt Wirtschaftsförderer Frerichs. „Bis auf wenige Ausnahmen wissen wir aber noch nicht, wie sehr sich das Baugeschehen in den einzelnen Bauphasen konkret auf die Aufnahmen auswirken wird. Verabredet wurde, mittels einzelner Schallproben und einem regelmäßigen ,Baustellen-Jour-Fixe‘ das Ganze auf Sicht anzufahren und konkrete Zeiten für die jeweiligen Bedürfnisse zu verabreden. Dass dies nur bedingt mittelfristig funktioniert, wissen alle Beteiligten. Einen anderen Weg sehen wir nicht, daher halten wir daran fest.“

Was sagt das Land?

„Wir setzen darauf, dass die begonnenen Gespräche weitergehen, wie das Deutsche Filmorchester Babelsberg die Arbeit an seinem Standort auch während der Bauarbeiten fortsetzen kann“, sagt Kultur-Staatssekretärin Ulrike Gutheil. „Unser Ziel ist es, dass das Orchester seine erfolgreiche künstlerische Tätigkeit fortführen kann.“

Von Volker Oelschläger

Vor genau 60 Jahren wurde das Potsdamer Traditions-Unternehmen „Cut + Care“ gegründet. Die Stadt wächst und der Bedarf wäre da – aber die Friseurgenossenschaft kann nicht expandieren, weil der Nachwuchs fehlt.

03.08.2018

Die Stadt prüft nach der Massenschlägerei auf der Freundschaftsinsel weiter eingeschränkte Öffnungszeiten. Vandalismus ist das Hauptproblem für das Gartendenkmal. Der Inselgärtner ist aufgebracht, die Polizei ist dagegen relativ entspannt.

31.07.2018

Plötzlich bricht der Wagen eines 38-Jährigen nach links aus. Es geht quer über die Straßenbahn-Trasse und den Gegenverkehr. Ein Ende findet die Fahrt erst an einer Hauswand.

31.07.2018