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„Diese Demo war wie eine Liebeserklärung“

Schlaatz-Pfarrerin Ute Pfeiffer im Interview „Diese Demo war wie eine Liebeserklärung“

Am Wochenende haben im Potsdamer Schlaatz viele Menschen gegen die Absetzung der Pfarrerin Ute Pfeiffer demonstriert. Die Geistliche hat vielen Bewohnern Rückhalt gegeben, besonders bei der Suche nach dem verschwundenen Elias (6). Im MAZ-Interview spricht sie erstmals über ihre Freistellung und antwortet auf Vorwürfe, die ihr von einem anderen Pfarrer gemacht werden.

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Pfarrerin Ute Pfeiffer ist seit zwei Jahren am Schlaatz.

Quelle: Privat

Schlaatz. Als im Sommer dieses Jahres im Potsdamer Stadtteil Schlaatz verzweifelt nach dem verschwundenen Elias (6) gesucht wurde, war Pfarrerin Ute Pfeiffer für viele Anwohner eine große Unterstützung. Die Kiezpfarrerin genoss ein hohes Ansehen in ihrer Gemeinde. Die Pfarrerin ist nun freigestellt worden. Besonders für Empörung hat im Stadtteil gesorgt, dass die Theologin auch am Sonntag bei einem Gottesdienst in der Sternkirche für den getöteten Elias dabei sein sollte.

Am Sonntag demonstrierten viele Anwohner gegen die Absetzung von Pfeiffer. Wir haben mit der Geistlichen über die Demonstration und die Gründe für ihre Absetzung gesprochen.

Was hat die Demo der Schlaatzer in Ihnen ausgelöst?

Ute Pfeiffer : Als ich im Internet die Bilder sah, musste ich weinen – ich war so gerührt. Das war wie eine Liebeserklärung, dass so viele Menschen aus ganz verschiedenen Zusammenhängen für mich eintreten. Das Kompliment kann ich nur zurückgeben. In den zwei Jahren am Schlaatz bin ich überzeugte Schlaatzerin geworden.

Pfarrer Markert von der Sternkirche und Superintendent Zehner haben auf der Demo die – aus ihrer Sicht maßgeblichen – Gründe für Ihre Freistellung genannt. Was sagen Sie dazu?

Pfeiffer : Ich war ja nicht dabei und konnte alles nur im Online-Auftritt der MAZ nachlesen. Aber ich bin sehr befremdet, in welcher Weise sich die Kollegen Markert und Zehner in aller Öffentlichkeit geäußert haben. Zum einen gibt es eine Dienstverpflichtung zur Verschwiegenheit über personelle Dienstinterna. Zudem ist das eine Darstellung, die ich natürlich nicht teile – gegen die ich aber keine Gelegenheit habe, etwas zu sagen.

Warum? Schließlich geht es um Ihren Ruf. Man hat Ihnen ja unter anderem vorgeworfen, Sie hätten sich geweigert, als Pfarrerin ins Flüchtlingswohnheim zu gehen.

Pfeiffer : Die Problematik ist, dass ich unter Beschuss stehe. Wenn ich mich nicht an die Dienstvorschrift der Verschwiegenheit halte, fürchte ich weitere Probleme. Nichtsdestotrotz möchte ich darauf hinweisen, dass ich im Projekt „Nachbarschaftscafé“, das ich mit anderen Trägern führe, jede Woche mit Flüchtlingen aus dem Heim spreche. Diese Arbeit richtet sich auf Integration der Flüchtlinge in den Stadtteil hinein.

Es heißt auch, Sie hätten sich geweigert hätten, am Schlaatz zu wohnen, und nur sehr punktuell an Dienstberatungen und Sitzungen in der Sternkirche teilgenommen.

Pfeiffer : Das stimmt einfach nicht. In der Bewerbung war mir zugesichert worden, dass Berlin mein Hauptwohnsitz bleiben kann. Außerdem hatte ich einen Vertrag unterschrieben für eine Zweitwohnung am Otterkiez, der bis 30. November 2014 lief. Was die Dienstberatungen betrifft: Ich habe mich nie verweigert – obwohl es nicht meine Pflicht gewesen wäre.

Das sieht die Kirchenleitung aber anders.

Pfeiffer : Fakt ist, dass ich eine berufene kreiskirchliche Pfarrerin bin. Ich bin Superintendent Zehner direkt unterstellt – genauso wie das mein Kollege Markert von der Sternkirche ist. Er ist mir gegenüber also nicht weisungsbefugt. Meine Teilnahme an den Sitzungen war freiwillig.

Sie selbst haben also gar keine Fehler gemacht?

Pfeiffer : Doch, natürlich. Ich bin oft sehr direkt und sage, wenn mich etwas stört. Aber kein Pfarrer auf der Welt ist bei allen beliebt, und ich bin – das hoffe ich inständig – nicht verletzend. Meiner Ansicht nach hängt die Ursache dieses belastenden Konflikts daran, dass die Stelle am Schlaatz lange eine Diakonstelle war und später erst in eine Pfarrstelle umgewandelt wurde. Der Unterschied ist, dass der Diakon eine weisungsgebundene Stelle ist. Ein Pfarrer hat aber ganz andere Rechte. Als ich eigenständig agieren und meine Pfarrarbeit selbst gestalten wollte, passte das manchen nicht.

Wie es heißt, soll Ihre Stelle lange vor Ende Ihrer Freistellung nachbesetzt werden. Kränkt Sie das?

Pfeiffer : Es kränkt mich und alle, die gestern vor der Tür der Synode standen.

Von Ildiko Röd

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