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Potsdam Dieser Mann kennt die Döberitzer Heide wie kein anderer
Lokales Potsdam Dieser Mann kennt die Döberitzer Heide wie kein anderer
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19:37 11.08.2018
Jörg Fürstenow managt bei der Heinz-Sielmann-Stiftung die Flächen in der Döberitzer Heide und im Ferbitzer Bruch. Quelle: Bernd Gartenschläger
Krampnitz

Um ins Paradies zu gelangen, musste Jörg Fürstenow durch die Hölle gehen. Dreißig Jahre – ein paar mehr wohl sogar – ist es her, dass er am Rande des Truppenübungsplatzes Döberitz auf ein panzerumtostes Juwel stieß. Der Potsdamer hatte sich Naturschutzaktivisten angeschlossen – und die Rote Armee ein Auge zugedrückt. Der kleine Trupp durfte passieren. Sapowednaja Zona – Schutzgebiet – stand auf den Schildern, hinter denen mit einem Glitzern das unberührte Ferbitzer Bruch begann. Hier fanden die Naturfans Orchideen, Rohrdommeln, Pfeifengraswiesen.

„Ich konnte es gar nicht glauben“, sagt Jörg Fürstenow. Hätte ihm damals jemand gesagt, dass die Panzer und Haubitzen schon bald abziehen werden, dass das zerschossene und von Ketten aufgerissene Land als „Döberitzer Heide“ eines der abwechslungsreichsten Naturschutzgebiete werden und er dort arbeiten würde – das hätte er schon gar nicht geglaubt. „Und jetzt bin ich hier seit zwanzig Jahren“ sagt Jörg Fürstenow.

Sieht, was anderen verwehrt bleibt

Der bei der Heinz-Sielmann-Stiftung beschäftigte Botanik-Experte ist einer der wenigen, die im Naturschutzgebiet auch mal querfeldein laufen dürfen. Besucher können das Areal auf 55 Kilometer Wanderwegen erkunden. Ein Muss für alle, die Erholung und Ruhe suchen – oder auch ein kleines Abenteuer, meint Jörg Fürstenow. „Es lohnt sich, seine Umwelt bewusster wahrzunehmen, dann merkt man, wie interessant sie ist – wie viele Schätze direkt vor der Haustür lagern.“

Sicher: Es gab Zeiten, da zog es auch Jörg Fürstenow in die Ferne. Da hat er den Rucksack geschultert und ist durch den Kaukasus gewandert, durch Südafrika, Chile, Island. „Aufregend war das“, sagt Jörg Fürstenow. Aufregend ist es aber auch in seinem Garten – vor allem, weil er sich nicht allzu streng an die in Sparten vorgeschriebene Drittel-Regelung hält: ein Drittel Gemüse, ein Drittel Blumen, ein Drittel Rasen. Bei Jörg Fürstenow gibt’s stattdessen Wildpflanzen und jede Menge Sand. Das finden die Nachbarn nicht so dolle, dafür aber streng geschützte Zauneidechsen. „In meine Garten ist richtig viel los!“

„Je mehr Biotope wir haben, desto mehr Arten haben wir auch.“

Das ist auch in der Döberitzer Heide so. Auf den sandigen Wegen und vor allem dort, wo in den Wintermonaten schweres Gerät angerückt war, um Bäume zu fällen und Stubben zu roden – auf den vermeintlich tristen Flächen also –, ist viel, viel mehr zu finden, als auf den ersten Laien-Blick zu vermuten. Wespen und Hornissen kehren hier ein, eine Wolfsspinne jagt zwischen den Erdbrocken, auf jeden Schritt, auf jeden Tritt springen Blauflügel­ige Ödlandschrecken auf und davon. „Die Döberitzer Heide lebt von ihrer Vielfalt“, sagt Jörg Fürstenow. „Je mehr Biotope wir haben, desto mehr Arten haben wir auch.“

Aber: Greift der Mensch nicht ein, ist die Döberitzer Heide in ein paar Jahren nicht mehr die Döberitzer Heide, die wir heute kennen. Was Spaziergängern unberührt scheint – diese seltene, weitläufige Landschaft, in der sich offene Flächen und Wald, Moore, Brüche und kleine Gewässer im gewaltigen Heide-Mosaik abwechseln –, wurde von Menschenhand geformt. Von einer geradezu brutalen, wurde das Gelände doch über drei Jahrhunderte hinweg militärisch genutzt.

Besondere Hingabe für die Heidelandschaft

Jörg Fürstenows Aufgabe ist es, dieses besondere Landschaftspuzzle beisammen zu halten – er kennt jedes seiner Teile, inspiziert fortlaufend Fläche für Fläche, bestimmt, welche Pflanzen- und welche Tierarten darauf zu finden sind und in welcher Zusammensetzung. Er dokumentiert, er beobachtet, vergleicht und wägt ab. Er schlägt vor und plant. Er beantragt Fördermittel und betreut Projekte. „Über die landschaftspflegerischen Maßnahmen wird nie von uns allein entschieden“, sagt Jörg Fürstenow. Bevor Bäume fallen und Büsche weichen, bevor Schneisen geschlagen, Hügelkuppen rasiert und die Heideteppiche gemäht werden, sind die Naturschutzbehörden und diverse Fachgremien hinzuzuziehen.

Zwei, drei Tage in der Woche ist Jörg Fürstenow draußen unterwegs. Die restliche Arbeitszeit verbringt er im Büro. Hier wie da setzt er auf digitales Werkzeug: im Büro geht nichts ohne den Computer und Geoinformationssysteme, in der Heide nichts ohne das Smartphone und Apps. Die Tage „auf der Fläche“ sind ihm die liebsten. Dabei schlagen zwei Herzen in seiner Brust, ist er doch gelernter Facharbeiter für Datentechnik. Im Ifa-Werk in Ludwigsfelde hat er als Programmierer gearbeitet, nebenher das Abitur gemacht und in Dresden Informatik studiert.

Dann kam die Wende und mit ihr die Chance, beruflich in den Naturschutz zu gehen. Jahrelang hat Jörg Fürstenow Schutzgebiete kartiert. 1998 heuerte er beim Naturschutz-Förderverein Döberitzer Heide an. Seit 2004 gehört er zu den Sielmännern. „Das Programmieren hat mir Spaß gemacht – aber das hier ist mein Lebensinhalt.“ Die Döberitzer Heide ist folglich sein Lebensmittelpunkt – und irgendwann einmal wohl auch sein Lebenswerk. „So ein Projekt, egal wie klein es sein mag, ist nie zu Ende“, sagt Jörg Fürstenow. „Auch wenn es auf dem Papier abgeschlossen ist, draußen in der Heide ist so ein Projekt unendlich.“

Einen Lieblingsplatz hat er auch

Hat er in dieser mal wilden, mal gezähmten, mal staubigen, sumpfigen, sonnenversengten, von alten Eichen beschatteten Ewigkeit einen Lieblingsplatz? „Dort, wo alles begonnen hat“, sagt Jörg Fürstenow: „Die Pfeifengraswiesen im Ferbitzer Bruch.“ Seine liebste Zeit? „Der Mai, wenn das frische Grün sprießt und der Ginster in voller Pracht steht. Der August, wenn die Heide blüht. Der Herbst, wenn sich das Laub färbt. Der Winter, wenn zum Vorschein kommt, was sich sonst versteckt... – Die Döberitzer Heide ist einfach immer wunderschön. Und sie hat immer und für jeden geöffnet.“

Von Nadine Fabian

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