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Potsdam „Dieses Land ist meine Heimat“
Lokales Potsdam „Dieses Land ist meine Heimat“
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10:36 14.06.2013
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MAZ: Sind Sie jetzt stolz, eine Deutsche zu sein?

Karina Romanova: Ja, das bin ich wirklich! Und ich bin auch stolz auf Deutschland. Dieses Land ist meine Heimat. Es ist wirtschaftlich und kulturell sehr viel höher entwickelt als die Ukraine. Die braucht noch viel Zeit, und die habe ich nicht.

Wann haben Sie die Ukraine verlassen und warum?

Romanova: Ich war fünf Jahre, als meine Eltern mit mir 1999 ausgewandert sind. Mein Bruder ist 2000 in Deutschland geboren. Als erste hatte aber meine Uroma, Jahrgang 1932, den Schritt gewagt; dann folgten meine Oma und mein Onkel mit Familie.

Wussten Sie als Fünfjährige, was da vor sich ging?

Romanova: Nicht wirklich. Für mich war es wie ein Abenteuer. Gewundert hatte ich mich bloß, dass alle geweint haben, als wir aus Dnepropetrowsk weggingen. Erst später habe ich meine Mutter dazu befragt.

Und was hat sie gesagt?

Romanova: Es gab zwei Gründe zum Gehen: Sie wollte für mich eine bessere Zukunft haben und eine gute Bildung nicht mit Geld erkaufen müssen. Und sie wollte antisemitischen Beleidigungen aus dem Weg gehen. Meine Oma und meine Mutter, die Juden sind, wurden auf der Straße beleidigt.

Sind Sie selbst praktizierende Jüdin?

Romanova: Nein, aber ich finde die Feste sehr schön. Meine Oma sagt mir immer Bescheid, wenn etwas in Potsdam stattfindet.

Dann war auch der Holocaust nie Thema zu Hause?

Romanova: In der Ukraine wird das Thema nicht behandelt. Durch meinen Deutschlehrer in Potsdam erfuhr ich ziemlich früh viel über die Nazi-Zeit. Habe dann viel gelesen und mich später über das Judentum informiert, als ich über meine Herkunft mehr wusste. Während einer Jugendbegegnungsreise weilte ich vorige Woche in der Ukraine, wo es um den Holocaust ging. Ich bin sehr froh, dass meine Uroma das alles überlebt hat – ohne KZ.

Haben Sie in der Ukraine etwas Heimweh verspürt?

Romanova: Gar nicht. Ich bin meinen Eltern dankbar, dass wir hier sind. In den letzten 20 Jahren hat sich dort noch nicht viel verändert.

Verfolgen Sie den Synagogenstreit in Potsdam?

Romanova: Ich bin enttäuscht und finde es sehr traurig, dass alles so lange dauert, weil sich die beiden jüdischen Gemeinden streiten. Wir haben doch alle einen Glauben.

Nach 13 Jahren Potsdam lebt Ihre Familie jetzt in Stahnsdorf. Gefällt es Ihnen da?

Romanova: Es ist schön ruhig, ich kann gut schlafen, alle Leute sind nett. Ich habe alles, was ich brauche. Aber Potsdam ist meine Stadt!

Sie sprechen akzentfrei Deutsch. War es schwer, die Sprache zu lernen?

Romanova: Im Gegenteil. Ich hatte eine Kita-Erzieherin, die Russisch und Deutsch konnte. Schon nach sechs Monaten ging ich in die Grundschule.

Hatten Sie einen schweren Stand? Wurden Sie gehänselt?

Romanova: Das nicht, aber am Anfang war ich ziemlich allein, da kümmerten sich die Erzieherinnen um mich. Heute habe ich fast nur deutsche Freunde und keine Probleme. Nur einmal ist meinem Bruder und mir ein alter Mann entgegengekommen, der zu uns sagte „Ausländer raus“.

Aber die Sprache des neuen Heimatlandes zu erlernen ist schon das A und O ...

Romanova: Auf jeden Fall, sonst kann man sich nicht integrieren. Von Älteren wie meiner Uroma, die ein paar Brocken Deutsch kann, verlange ich es nicht, aber von allen anderen. Man muss die Sprache lernen, um seinen Beitrag für die Gesellschaft leisten zu können.

Wie sprechen Sie zu Hause?

Romanova: Mit meiner Mutter und meinem Bruder deutsch, mit meinem Vater, der Russe ist, russisch. Ich mache es, um die Sprache nicht zu verlernen. Wer weiß, was die Zukunft noch bringt.

Sie machen gerade Abitur an der Potsdamer Steuben-Gesamtschule. Welchen Berufswunsch haben Sie?

Romanova: Ich möchte ein duales Studium – je drei Monate Theorie und Praxis – für Arbeitsmarktmanagement machen. Bei der Arbeitsagentur habe ich gerade die Eignungsprüfung bestanden und hoffe auf eine Empfehlung zum Studium.

Sind Sie eigentlich Klitschko-Fan?

Romanova: Nein, ich mache mir nichts aus Boxen, aber meine Mutter verpasst keinen Kampf. Vitali Klitschkos politische Ansichten finde ich aber gut.

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