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Donald Trump, eine „Freakshow“

US-Wahlkampf in Potsdam Donald Trump, eine „Freakshow“

Der Brandenburger Kunstverein hat sich für die US-Wahlnacht etwas Besonderes aufgedacht. Im Pavillon auf der Freundschaftsinsel gab es am Dienstagabend nicht nur eine Ausstellung mit Schockwirkung, sondern ein kunstkritisches Wahlstudio.

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Im „Wahlstudio“: Gerrit Gohlke (l.) und Jürgen Hafner.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Nördliche Innenstadt. Ein Papagei mit orangefarbenem Gefieder krächzt und ächzt und kreischt in einer Tour. Auf dem benachbarten Bildschirm schreit ein weißer Papagei dagegen an. Das orange Federvieh wackelt mit dem Kopf, die Iro-Mähne wippt irrwitzig auf und nieder. Dann wird umgeschaltet auf CNN. Wo eben noch der komische Vogel zu sehen war, flimmert nun Donald Trump über die Mattscheibe und krächzt und ächzt und kreischt.

Dass die Mitglieder des Brandenburger Kunstvereins keine Trump-Anhänger sind, ist unschwer zu erkennen. Aber nicht nur um den rotblonden Präsidentschaftskandidaten der Republikaner geht es am Dienstagabend auf der Freundschaftsinsel. Im Inselpavillon, wo der Verein am Wahlabend ein „kunstkritisches Wahlstudio“ eingerichtet hat, werden grundsätzliche Fragen diskutiert: Wie weit darf politische Grenzüberschreitung gehen? Und muss Kunst nicht Farbe bekennen bei der wütenden Lust am Tabubruch, die nach Sicht der Organisatoren um sich greift: bei Pegida, Pogida, in Polen und Ungarn, bei der Brexit-Debatte und – auf die Spitze getrieben – im Wettstreit um den Posten des wohl mächtigsten Menschen der Welt, den auch einige Potsdamer mitbestimmen können: 207 US-Amerikaner leben laut Statistik in der Landeshauptstadt.

Vom US-Wahlkampf zu Pegida

„In den US ist Wahlkampf immer Zirkus, aber was mit Donald Trump zu erleben war, ist die Überbietung all dessen, was es bisher gab“, meint Gerrit Gohlke, künstlerischer Leiter des Kunstvereins. „Da darf jemand öffentlich Lügen verbreiten und andere diffamieren, egal ob mexikanische Einwanderer oder die Gegenkandidatin, ohne dass es Konsequenzen hätte.“ Wie eine Freak-Show sei ihm der Wahlkampf teils vorgekommen. Um seinem Schock über die entgleisende politische Rhetorik Ausdruck zu verleihen, hat der Potsdamer Verein sein reguläres Ausstellungsprogramm unterbrochen und die Schau „Shock Room“ (Schockraum) aufgebaut, die noch bis Sonntag zu sehen ist. Neben der Papageien-Installation des Detroiters Michael E. Smith und zu Kunst gewordenen Plakat-Sprüchen afroamerikanischer Demonstranten ist auch eine Aufnahme von Mario Pfeifer zu hören und zu sehen. Der Künstler hat Pegida-Anhänger und -Gegner aufgenommen. In der Endlosschleife der Worthülsen ist gar nicht mehr auszumachen, wer auf welcher Seite steht.

„Wir müssen nicht hochnäsig auf die Amerikaner schauen“ sagt Gohlke, auch in Europa habe die politische Debattenkultur populistisch-destruktive Züge angenommen. Mitten in der Ausstellung und vor den Bildschirmen mit den Wahlnachrichten von CNN und Fox News debattiert Gohlke mit Hans-Jürgen Hafner vom Kunstverein Düsseldorf über die Wahl. Wohl alle Besucher auf der Freundschaftsinsel wünschen sich Hilary Clinton als Siegerin. Aber sie haben keine Wahl. Den Ausgang im nächtlichen Potsdam einfach gelassen abzuwarten, ist auch eine Kunst.

Von Marion Kaufmann

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