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Potsdam Dort, wo der Schlamm spritzt
Lokales Potsdam Dort, wo der Schlamm spritzt
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14:55 22.10.2016
Auf der Piste in Groß Glienicke: Die Motocross-Sportler Patrick Buss (l.) und Leon Peise. Quelle: foto: Julian stähle
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Groß Glienicke

Bevor man die tollkühnen Fahrer sieht, wie sie auf ihren Maschinen den märkischen Sand durchpflügen und in luftige Höhen springen, hört man sie. Wrrrööömm. Wrröömm. Wrröömm. Dort, wo’s röhrt und knattert und der Schlamm spritzt, ist der Motocross zu Hause. In diesem Fall an der L 20, am Rande der Döberitzer Heide – beim MC Groß Glienicke.

Einst ein Truppenübungsplatz der Russen – heute ein Paradies für Motocross-Sportler. Seit rund 20 Jahren trainieren die Sportler in der Döberitzer Heide in Groß Glienicke. Nicht immer leise und früher auch nicht immer zum Gefallen der Nachbarn. Das hat sich geändert. Ein Besuch.

Anfang der 1990er gründete sich der Motorsportclub Groß Glienicke, der heute 85 Mitglieder hat, davon 30 Aktive. Der Verein entstand aus dem „harten Kern“ der GST, erzählt MC-Chef Gerd Zeidler. Für Nicht-DDR-Bürger: das war die Gesellschaft für Sport und Technik, in der Mitglieder beispielsweise ihren Führerschein machen oder sich als Amateurfunker probieren konnten. Damals kurvte man auf dem ehemaligen Fahrschulgelände der GST herum, das reichte irgendwann nicht mehr. Man zog um.

Der Verein

Die Saison der Motocross-Sportler endet normalerweise Ende Oktober. Die Trainingsstrecke ist in diesem Jahr außerdem noch an den Sonnabenden des 12. und 26. November sowie donnerstags von 16 bis 18 Uhr (nur für Clubmitglieder) geöffnet.

Wer nicht im MC Groß Glienicke Mitglied ist, darf dennoch auf der Strecke trainieren. Gäste zahlen für das Benutzen ein Entgelt und müssen eine Tagesversicherung abschließen.

Das Clubgelände befindet sich am Rande von Groß Glienicke und ist direkt von der L20 etwa 300 Meter hinter dem Groß Glienicker Kreisverkehr in Richtung Seeburg – links in den Wald einbiegen – zu erreichen.

Am 29.  und 30.  Oktober begrüßt der MC Groß Glienicke die „5. Cross-Days“, organisiert von den Berliner SCC Events, auf seinem Gelände. An diesem Wochenende stehen für die Hobbysportler dann Läufe durch tiefen Sand und über große Hindernisse sowie Schlammbäder auf dem Programm.

Weitere Informationen finden sich auf den Internetseiten des Vereins
unter www.mc-grossglienicke.de

Mit dem Abzug der russischen Armee 1994 wurde das Truppenübungsgelände an der Döberitzer Heide – samt Bunkeranlage – frei. Der Verein hat das Areal vom Land gepachtet. Doch Motocross – zusammengesetzt aus Motorrad und Cross Country (Geländefahrt) – hat nicht überall Freunde. So gehört das Landesumweltamt nicht unbedingt zu den Fans der benzingetriebenen Sportart. Man verlangte vom Verein ein Lärmschutzgutachten. „Wir mussten beweisen, dass wir nicht zu laut sind“, erzählt Zeidler. Am Haus, das dem Gelände am nächsten liege, dürfen 68 Dezibel nicht überschritten werden. „Der Lärm von der L 2 ist größer.“ Das habe die Behörde nicht gelten lassen. Der Zwist sei inzwischen beigelegt. Die Nachbarn sind glücklicherweise auch Freunde des Motorsports. In eben jenem Domizil leben dem Motocross zugewandte Leute. Zuvor lebte in dem Haus am Clubgelände ein älteres Paar, das wenig kooperativ war. Die Ehefrau habe die Einladung des Vereins angenommen und die geselligen Zusammenkünfte besucht, „und danach die Polizei angerufen“, erzählt Zeidler.

Der Verein lädt donnerstags von 16 bis 18 Uhr zum „Clubtag“ ein. Dann drehen die Fahrer ihre Runden, außerdem wird jeden zweiten Sonnabend im Monat trainiert. Darüber sei man „im Moment recht froh – aber wir würden trotzdem gern öfter fahren“, sagt der Vereinschef. Der 64-Jährige ist selbst nur auf herkömmliche Motorräder gestiegen „und auf der Straße gefahren“. Wie kommt man dann zum Motocross? Ganz einfach: Der Sachse zog mit seiner Frau 1989 in deren Heimat – nach Groß Glienicke. Die Auswahl der Vereine, in denen man sich engagieren konnte, sei überschaubar gewesen. Zeidler tanzte eine zeitlang im Männerballett des Karnevalsclubs. Doch seine Leidenschaft galt und gilt dem Motorsport. Schon seit zehn Jahren knattert Leon Peise (15) auf seiner Maschine durch den Sand. „Mein Vater ist auch Motocross gefahren, so bin ich dazu gekommen.“ Von einer Profikarriere träumt der Teenager nicht, „auch wenn ich ganz gut bin“. Im September erfuhr er bei der Landesmeisterschaft im Motorrad-Biathlon einen ersten Platz unter den Ab-14-Jährigen. Der Traum des Berliners: „Einmal in den USA Motocross fahren.“

Von Ricarda Nowak

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