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Potsdam Drama und Lovestory aus der Filmuni
Lokales Potsdam Drama und Lovestory aus der Filmuni
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16:29 17.01.2016
Schauspieler und filmuni-Student Max Hegewald ist mit zwei Filmen beim Saarbrücker Max-Ophüls-Festival vertreten. Quelle: Filmuni
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Potsdam

Fast hätte Simon Ostermann, Regiestudent an der Potsdam-Babelsberger Filmuniversität „Konrad Wolf“, dem kürzlich verstorbenen Entertainer Achim Mentzel ein kleines filmisches Denkmal gesetzt. In der Tragikomödie „Route B 96“ sollte Mentzel einen aufgedrehten Moderator spielen, sagte aber aus Zeitgründen ab, berichtet Ostermann. Die Mini-Rolle übernahm – bravourös – Regie-Kollege Axel Ranisch.

In „Route B 96“ erzählt Ostermann (27) von Heimkehr: Clemens (schön brandenburgisch-stoisch: Albrecht Schuch) macht während der Tourpause seiner Band einen Abstecher in seinen Heimatort Klarow. Dort hält man ihn für einen tollen Rockstar. Clemens fügt sich in die ihm übergestülpte Rolle – auch wenn sein Selbstbild ein anderes ist. Die Filmuni-RBB-Koproduktion „Route B 96“ läuft im mittellangen Wettbewerb des am heutigen Montag startenden 37. Filmfestivals Max Ophüls Preis.

Klassenfahrt-Atmosphäre made in Babelsberg: Neun Nachwuchsregisseure aus der Filmuni tummeln sich beim Festival, fünf allein im mittellangen Wettbewerb. Dramaturgie-Student und Schauspieler Max Hegewald (24) ist zweimal dabei. In „Schnee essen“ hat er nach einer wahren Begebenheit die Geschichte dreier Mädchen verfilmt, die sich im Internet zum gemeinsamen Selbstmord verabreden. Im 39-Minüter „Nachtschattengewächse“ erzählt Hegewald von einer mehr als ungelenken Liebe zweier gegensätzlicher Charaktere.

Gekonnt auf Krimi-Terrain begibt sich Felix Ahrens in der Filmuni-MDR-Koproduktion „Am Ende der Wald“. Polizistin Elke (stark: Henrike von Kuick) verfolgt einen mutmaßlichen Drogendealer, erschießt ihn versehentlich auf der Flucht. Um nicht an ihren Schuldgefühlen zu zerbrechen, trifft sie sich mit der Familie des Getöteten – und bringt sich in immer größere Schwierigkeiten... Drehbuchautor Lucas Flasch und Ahrens „wollten testen, ob wir Bestand in der deutschen Krimi-Kultur hätten“. Dabei sei es wichtig gewesen, „dem männlichen Polizisten-Stereotypen aus dem Weg zu gehen“, eine starke und emotionale Frau zu zeigen, so Ahrens.

Eine berührende Geschichte alter Eheleute – sie rüstig, er dement (wunderbar gespielt von Liana Düsterhöft und Dietmar Obst) – erzählt Regie-Master-Student Clemens Beier in seinem mittellangen „Für dich bei mir“, ebenfalls eine Koproduktion von Filmuni und MDR. Die Frage: Was wird aus einem Paar, wenn der eine „früher ausscheidet“? Den gebürtigen Görlitzer haben in seinen Filmen bislang vor allem ältere Menschen interessiert: „Sie haben Geschichten zu erzählen.“ Ans Ende der Welt schickt Regiestudent Dieu Hao Do (29) die Koreanerin Lucianne (Kim Kkobbi) und den Deutschen Oswald (Christian Novopavlovski). In „The End of the World“ erleben sie – in Hong Kong – eine Liebe auf Zeit. Das Gefühl, die Grenzenlosigkeit der Welt und dabei die eigenen Grenzen zu erfahren, haben den Sohn chinesischer Einwanderer inspiriert. In den Hauptfiguren vereinen sich die „zwei Pole meiner Identität, die asiatische und die deutsche – ein bisschen wie Ying-Yang. Ich brauche sie beide als Repräsentanten meiner Ideen und Gedanken. Erst dann fühle ich mich komplett“, sagt Dieu Hao Do.

Im Kurzfilmwettbewerb startet Sophie Linnenbaum mit ihrem originellen 19-Minüter „Out of Frame“. Ihre Regie-Kolleginnen Bernadette Knoller und Leonie Krippendorf konkurrieren bei den abendfüllenden Spielfilmen um den Max-Ophüls-Preis. Bernadette Knoller porträtiert eine junge, ausgebrannte Staatsanwältin, die dringend „Ferien“ braucht. In einer Gastrolle: Ihr Vater, Regisseur Detlev Buck („Bibi und Tina“). Dramatisch geht es bei Leonie Krippendorfs „Looping“ zu: Drei Frauen verlieben sich ineinander – in der Psychiatrie. Toll besetzt mit Jella Haase, Lana Cooper und Marie-Lou Sellem. Filmuni-Elevin Anna Levinson zeigt zwei Animationsfilme im Rahmenprogramm für Kinder.

Vergeben werden 13 Preise, dotiert mit 110 000 Euro. Das Saaarbrücker Festival ist benannt nach dem deutsch-französischen Theater- und Filmregisseur Max Ophüls (1902-1957). Sein Sohn, Regisseur Marcel Ophüls, und Schauspielerin Maria Schrader („Deutschland ’83) sind Ehrengäste des Festivals.

Von Ricarda Nowak

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