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Drei Prozent sind nicht genug

Weltblutspendetag in Potsdam Drei Prozent sind nicht genug

Der Bedarf an Blutspenden ist bundesweit über das Jahr gesehen zwar gedeckt, die Spendedienste stehen aber vor allem in den Sommermonaten vor großen Herausforderungen. Zum Weltblutspendetag am 14. Juni machten die Potsdamer Einrichtungen auf die bevorstehenden Engpässe aufmerksam und ehrten gleichzeitig ihre Stammspender.

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Daniel Gruschwitz (2.v.r.) wurde von Haema-Zentrumsleiterin Petra Leonhardt, Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) und Haema-Mitarbeiterin Verena Klier (v.r.) für seine 485. Blutspende geehrt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die Landeshauptstadt hat Nachholbedarf was die Blutspendebereitschaft angeht.„Etwa 30 Prozent aller Deutschen dürfen Blut spenden“, sagt Marion Junghans, Pressesprecherin des Haema-Blutspendedienstes, „aber nur drei Prozent tun es.“ In Potsdam dürften es noch weniger sein. Denn in Großstädten und Ballungsräumen sei die Spendebereitschaft im Vergleich zu den ländlichen Gebieten geringer, erklärt Kerstin Schweiger vom Blutspendedienst des DRK. „ In den kleineren Städten und ländlichen Regionen ist die Blutspende oftmals ein soziales Event“, sagt sie. Zum Weltblutspendetag am Mittwoch war es dem Haema-Blutspendedienst im Potsdamer Stern-Center und dem DRK im Institut für Transfusionsmedizin deshalb besonders wichtig, auf ihr Thema aufmerksam zu machen.

Die beiden Einrichtungen arbeiten zwar nicht miteinander, haben aber dasselbe Ziel: den Bedarf an benötigtem Blut zu decken. „Deutschland ist eines der wenigen Länder Europas, in denen wir das mit freiwilligen Spenden tatsächlich schaffen“, sagt Junghans. Ein Grund sich auf die faule Haut zu legen, ist das für die knapp 130 festen Blutspendeeinrichtungen bundesweit – zwei davon in Potsdam – allerdings nicht. „Generell kann man die Bereitschaft als gut bezeichnen, sie könnte aber noch besser sein“, sagt Schweiger. Ihre Kollegin von der Haema spricht sogar von rückläufigen Spenderzahlen.

Beim DRK wurden im Jahr 2016 über vier Millionen Blutspenden entnommen

Beim DRK wurden im Jahr 2016 über vier Millionen Blutspenden entnommen.

Quelle: dpa

Als Grund für den negativen Trend nennen beide den demografischen Wandel. „Langjährige Spender scheiden aus Altersgründen aus, aber es kommen keine jungen nach“, sagt Marion Junghans. Vor allem in den Sommermonaten macht sich das schnell bemerkbar, wenn regelmäßige Spender im Urlaub sind und die Reserven knapp werden. Denn Blut ist nur begrenzt lange haltbar. Spätestens nach sieben Wochen sei es gesetzlich verboten, das Spenderblut noch zu verwenden, erklärt die Haema-Sprecherin. Gleichzeitig steige im Sommer durch das erhöhte Verkehrsaufkommen auch die Unfallgefahr, ergänzt Schweiger vom DRK.

Dabei machen Unfallopfer nur einen Teil jener aus, die regelmäßig Spenderblut benötigen. Vor allem in der Krebstherapie und bei anderen Operationen werden Konserven benötigt. Außerdem werden aus bestimmten Teilen des Blutes Medikamente für Bluter und Menschen mit Immundefekten hergestellt. „Diese Patienten bemerken die Engpässe schnell“, sagt Junghans, „sie müssen ihre Dosierung dann auf einen längeren Zeitraum strecken.“

Fleißiger Potsdamer am Weltblutspendetag geehrt

Damit die Blutspendedienste gut über die schwere Sommerzeit kommen, veranstalten sie regelmäßig Aktionen oder rufen gezielt in sozialen Netzwerken zum Spenden auf. Dabei informieren sie über die Vorteile einer Blutspende. „Man wird kostenlos untersucht, hat ein wenig Ruhe und tut so auch noch etwas für sich selbst“, sagt beispielsweise Daniel Gruschwitz. Der Potsdamer wurde zum Weltblutspendetag und anlässlich des 15. Geburtstages der Haema im Stern-Center in dieser Woche für sein langjähriges Engagement als Blut- und Plasmaspender geehrt. 485 Mal war er bereits bei dem Blutspendedienst zu Gast.

Blutspende in Zahlen

Täglich werden bundesweit 15 000 Blutspenden benötigt. Das ergibt etwa 5,5 Millionen Spenden pro Jahr. Jeder zweite Deutsche ist einmal im Leben auf Blut oder Medikamente angewiesen, die aus Blutbestandteilen hergestellt werden. Über 90 Prozent der Deutschen halten das Blutspenden für wichtig.

Mit einer Blutspende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden. Männer dürfen sechsmal im Jahr eine Vollblutspende leisten, Frauen maximal viermal. Plasmaspenden sind häufiger möglich: theoretisch jeden vierten Tag. Dabei wird dem Blut nur der flüssige, gelbliche Plasmaanteil entnommen.

Ein Leukämiepatient benötigt beispielsweise bis zu 2000 Plasmaspenden. Bei Unfallopfern sind es bis 800. Einen besonders hohen Bedarf haben Patienten verschiedener Genkrankheiten. Immundefiziente benötigen in ihrem Leben bis zu 100 000 und Bluter bis zu 180 000 Plasmaspenden.

Von Victoria Barnack

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