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Drewitz geht das Wasser aus

Streit um Potsdamer Gartenstadt Drewitz geht das Wasser aus

Der Streit um den Zustand von Parkanlagen und Plätzen in der Gartenstadt Drewitz geht weiter. Nach besorgten Äußerungen von Kommunalpolitikern und Wohnungsbaugesellschaften weist das Rathaus nun auch kritische „Wahrnehmungen“ von Anwohnern als „unzutreffend“ zurück.

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Das Wasserspiel im Konrad-Wolf-Park ist überraschend aus. Eine Erklärung dazu gab es vom Rathaus erst nach einer MAZ-Anfrage.

Quelle: Fotos: Volker Oelschläger

Potsdam/Drewitz. Der Gartenstadt Drewitz geht das Wasser aus. Das Gras zwischen Liegesteinen und Trampolinen im Konrad-Wolf-Park verdorrt. Es dominiert das Graubraun der mongolischen Steppe. Eben tollte hier noch eine Kitagruppe in gelben Westen. Nun ist der Platz fast menschenleer. Unterm schütteren Rasen funkeln im Sonnenlicht die Scherben zerschlagener Bierflaschen. Im Sanierungswohnblock gegenüber rattern Presslufthämmer. Lautlos rollt eine Straßenbahn vorbei.

Der Umbau der DDR-Plattenbausiedlung im Südosten Potsdams zur Gartenstadt ist noch längst nicht vollendet. Doch im Viertel wächst die Sorge, dass der Stadt bei dem ehrgeizigen Projekt auf halber Strecke die Luft ausgeht. Eine gemeinsame Anfrage von Stadtverordneten von CDU/ANW, SPD, Linken und Grünen zur „Pflege der Parkanlage Konrad-Wolf-Allee“ blieb bislang unbeantwortet.

Eine Beobachtung der Kommunalpolitiker: Der Park erfahre „weniger gärtnerische Zuwendung“, werde „weniger oft gewässert und der Rasen gar nicht mehr gedüngt“. In ihrer Anfrage beriefen sie sich auch auf die in Drewitz aktiven Wohnungsbaugesellschaften. Auch die Drewitzer Bürgervertretung äußerte sich besorgt.

Das Rathaus hatte Kritik am Zustand des Parks schon in einer ersten Stellungnahme auf MAZ-Anfrage zurück gewiesen: „Nach Ansicht der Stadt und vieler Anwohner ist der Konrad-Wolf-Park in einem guten Zustand“, sagte Sprecherin Friederike Herold: „Eine Verschlechterung der Pflege des Konrad-Wolf-Parks können wir nicht bestätigen.“

Mario Schmidt, direkter Anwohner des Konrad-Wolf-Parks

Mario Schmidt, direkter Anwohner des Konrad-Wolf-Parks.

Quelle: Volker Oelschläger

Die MAZ befragte daraufhin vor Ort Anwohner und Passanten. Ergebnis: In diesem Jahr sei noch nicht einmal der Rasensprenger in Betrieb gewesen – anders als 2016. Das sagten etwa Mario Schmidt (51), direkter Anwohner des Parks, Rosemarie Spatz (67) aus der nahen Conrad-Veidt-Straße, die den Park täglich passiert, und ein Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte. Er saß auf einer Bank vor dem überraschend abgestellten Wasserspiel im Zentrum des Parks. „Der Rasen wird ganz schön belastet“, sagt Rosemarie Spatz: „Er kann aber nur wachsen, wenn er ordentlich bewässert wird.“

Rathaussprecherin Herold wies die, wie sie sagte, „Wahrnehmungen“ der Drewitzer am Freitag als „unzutreffend“ zurück: „Die letzte gründliche Wässerung von Bäumen und Solitärsträuchern sowie der sonstigen Pflanz- und Rasenflächen erfolgte im Mai. Die Wässerung erfolgte dabei über Standrohr und Schläuche sowie über Wasserwagen, da die Regner/Sprinkler zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus technischen Gründen noch nicht genutzt werden können“, erklärte sie.

Der Wasserspielplatz im Konrad-Wolf-Park zur Eröffnung im Mai 2014

Der Wasserspielplatz im Konrad-Wolf-Park zur Eröffnung im Mai 2014.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Dass die bei Kindern so beliebte Brunnenanlage im Konrad-Wolf-Park in diesem Jahr trotz sommerlicher Hitze trocken blieb, ist von der Stadt erst nach einer weiteren Anfrage der MAZ per Pressemitteilung begründet worden. Der entscheidende Hinweis war von MAZ-Leser Ingo Lohrmann (58) gekommen, einem „Urbewohner der heutigen Gartenstadt“, wie er sagt. Er hatte mit Verwunderung festgestellt, dass das Wasser Mitte Mai noch immer nicht angestellt war.

Wie berichtet, soll die Anlage umgebaut werden, weil der „eigentlich als Wasserspiel geplante Brunnen sich zunehmend zu einem Planschbecken mit starkem Nutzungsdruck entwickelt“ habe, so die Stadt in der Mitteilung: „Vor allem Kinder des Stadtteils nutzten bei hohen Temperaturen die Brunnenanlage zur Abkühlung.“

Dieser Sperrmüllhaufen liegt schon seit Tagen am Guido-Seeber-Weg, einer Achse des „Grünen Kreuzes“ im Zentrum der Gartenstadt

Dieser Sperrmüllhaufen liegt schon seit Tagen am Guido-Seeber-Weg, einer Achse des „Grünen Kreuzes“ im Zentrum der Gartenstadt.

Quelle: Volker Oelschläger

Tatsächlich hätten dort oft Dutzende Kinder getollt, berichtet Rosemarie Spatz, die allerdings von der Überraschung der Stadt überrascht ist: „Das muss man doch wissen, dass Kinder so einen Ort annehmen.“ Auch Mario Schmidt ist erstaunt: „Kinder im Planschbecken – da kann man nicht mit rechnen?“ Überraschenderweise sprach auch die Stadt selbst früher von einem „Wasserspielplatz“: „Der Wasserspielplatz war eine wesentliche Forderung der Anwohner und flog wegen der Finanzierung fast raus“, hieß es bei einem Vor-Ort-Termin im November 2013, ein halbes Jahre vor der Eröffnung des Konrad-Wolf-Parks.

Nun aber gab es hygienische Bedenken. Der Mann auf der Bank hatte das kommen sehen: „Ich hätte meine Kinder nicht drin baden lassen.“ Künftig sollen die Becken bei gutem Wetter täglich entleert und das Wasser zur Rasenbewässerung genutzt werden. Mit dem Umbau soll im Juni begonnen werden. Am Freitag wurden Handwerker und Vertreter des Grünflächenamtes bei einem Vor-Ort-Termin am Brunnen gesichtet. „Ziel ist es, die Anlage rechtzeitig vor Beginn der Sommerferien fertigzustellen“, hieß es in der Pressemitteilung der Stadt. Ferienbeginn ist am 20. Juli.

Entree zum Konrad-Wolf-Park

Entree zum Konrad-Wolf-Park.

Quelle: Volker Oelschläger

Eine weitere von Anwohnern geortete Problemzone des Konrad-Wolf-Parks ist der Nordteil mit dem angrenzenden Ernst-Busch-Platz. Prekär ist schon der Zugang zum Park mit den Graffiti-übersäten Betonelementen und dem seit Tagen präsenten Hakenkreuz an einem Trafokasten, an dem jeder vorbei muss, der zur Tramhaltestelle Hans-Albers-Straße will. „Urbewohner“ Ingo Lohrmann kritisiert, dass „der vor langer Zeit bereits recht trist angelegte und direkt angrenzende Platz mit der Teilüberdachung sich seit längerem in einem verwahrlosten Zustand befindet“.

Rathaussprecherin Herold weist auch das zurück: „Der Ernst-Busch-Platz kann nicht als verwahrlost bezeichnet werden“, sagt sie: „Vielmehr ist es eine derzeitige Gemengelage, die zu der Wahrnehmung führt.“ Durch Bauarbeiten in der Umgebung „und verschiedene Nutzungen“ bestünde eine „gewisse Anfälligkeit für Unordnung und Unsauberkeit“, so die Sprecherin, die Verbesserungen ankündigte.

Die Mülltonnenbatterie vom Ernst-Busch-Platz soll einen dezenteren Platz bekommen

Die Mülltonnenbatterie vom Ernst-Busch-Platz soll einen dezenteren Platz bekommen.

Quelle: Volker Oelschläger

So soll die aktuell wegen Bauarbeiten gesperrte Sitztreppe am Giebel der „Rolle“ noch in diesem Sommer gereinigt und mit einem Schutzanstrich versehen werden. Nach Fertigstellung des „Grünen Kreuzes“ werde auch die zwischen Ernst-Busch-Platz und „Rolle“ platzierte Reihe von Mülltonnen einen neuen Platz bekommen.

Unter Kontrolle scheint das Rattenproblem, das der Stadt im vergangenen Jahr zu schaffen machte. Mario Schmidt berichtet, dass ihm im Park manchmal vier, fünf Ratten auf einmal über den Weg liefen. Laut Herold gab es im vergangenen Jahr „insgesamt sechs gezielte Rattenbekämpfungsaktionen“ und eine weitere „aufgrund einer gezielten Rattenbefallskontrolle“ im März/April „im nördlichen Bereich des Konrad-Wolf-Parks“.

Das Plattenbauviertel Drewitz mit seinen 3000 Wohnungen wird seit 2009 zur Gartenstadt umgebaut. Ein zentrales Projekt war die Umgestaltung der quer durch das Wohngebiet führenden Magistrale zum Konrad-Wolf-Park, der mit den beidseits abgehenden Hertha-Thiele- und Guido-Seeber-Wegen zum Grünen Kreuz erweitert wird. Für die Pflege des Konrad-Wolf-Parks stehen laut Herold in diesem Jahr rund 36 000 Euro zur Verfügung. Bis 2025/26 soll der Stadtteil komplett saniert worden sein.

Von Volker Oelschläger

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