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Potsdam Drewitz wird nur in Notfall mit Flüchtlingen belegt
Lokales Potsdam Drewitz wird nur in Notfall mit Flüchtlingen belegt
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18:47 09.02.2016
Die beiden Leichtbauhallen der Drewitzer Flüchtlingsunterkunft stehen mitsamt der kleineren Versorgungs- und Gemeinschaftshalle auf einem Parkplatz zwischen den Drewitzer Neubauten und dem Kirchsteigfeld. Quelle: Christel Köster
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Drewitz

„Gemütlich ist das nicht, aber Luxus gegen ’45“, sagt Rudolf Brasching (85). „Als wir damals weg mussten aus Schlesien, haben wir in Deutschland auf Stroh geschlafen, 30 Leute in einem Raum wie diesem“, nur fünf mal fünf Meter groß. Der Mann aus dem Kirchsteigfeld und seine Frau Johanna (81) sind an diesem regnerischen Dienstagnachmittag nach Drewitz gekommen, um sich die Flüchtlingshallen anzuschauen, über die jetzt alle reden, viele hitzig, an diesem Tage alle friedlich, einige auch zweifelnd.

Zwei Hallen für jeweils 48 Menschen stehen auf dem Parkplatz an der Slatan-Dudow-Straße zwischen den Naubauwohnblocks und dem großen Kinderspielplatz, der Drewitz trennt vom Kirchsteigfeld. Dazu eine Versorgungshalle zum Waschen, Kochen, Essen, reden, darin ein Fernseher für 100 Leute, WLAN-Anschlüsse, Büros für den Betreiber Internationaler Bund und den Wachschutz. Erreichbar ist die Gemeinschaftshalle über’n Hof, so wie auch die drei Sanitär-Container mit den Pissoires und Sitz-Toilettenbecken, Duschen, Waschbecken.

Der Wasch- und Duschcontainer. Quelle: Rainer Schüler

„In der Zweitaufnahmeunterkunft Schönwalde haben sie Stehbecken aufgestellt“, sagt IB-Objektbetreuer Reinhold Ehl: „Das wäre hier auch gut gewesen. Zu Hause in den Kriegsländern stehen die Leute über dem Loch des Beckens; hier steigen sie auf die Beckenbrille.“ Und weil in anderen Unterkünften die stählernen Herdplatten schon zum pfannenlosen Braten benutzt wurden, gibt es in Drewitz Ceran-Kochfelder.

Überhaupt ist alles nagelneu. An den Hallen kleben noch Verpackungsfolien; drinnen stehen fabrikfrische Doppelstockbetten, zwei pro Zimmer, eingeschweißte Matratzen darauf, unausgepackte Bettwäsche und Handtücher mit Lieferantenschildern. „Gebrauchte Sachen sind auf dem Markt schon lange nicht mehr zu bekommen“, sagt Jörg Bindheim aus der Stadtverwaltung.

Beim Tag der offenen Tür schauten sich die Potsdamer am Dienstag die Flüchtlingsunterkünfte an der Slatan-Dudow-Straße von Drewitz und besonders eingehend das Muster-“Zimmer“ an: Zwei Doppelstockbetten mit Bettwäsche und Handtüchern, vier Metallspinde, ein Tisch mit vier Stühlen und ein Kühlschrank, kein Teppich, keine Deko, keine Wohnlichkeit. Quelle: Christel Köster

Um diese Kosten also kommt man nicht herum, aber die Betriebskosten der leeren Hallen halten sich in Grenzen: „Bei Frost müssen wir heizen, sonst nicht“, sagt Bindheim. Eine Ölfeuerung bläst dann warme Luft in den Mittelgang der zeltartigen Drewitzer Hallen, in denen, anders als in der reinen Männerbelegung an der Sandscholle, auch Paare unterkommen können, nur keine mit Kindern; dann kommen die Familien anderswo unter. Die Zweifel der Braschings, ob man die heizungslosen Wohnräume warm bekommt bei schweren Minusgraden, kann Reinhold Ehl zerstreuen: „Die warme Luft gleitet am spitzen Hallendach nach unten in die Räume.“ Dass es hier öde werden könnte in bis zu zwei Jahren Aufenthalt, ist ihm bewusst. Nach dem Vorbild von Unterkünften in Regie der Arbeiterwohlfahrt möchte er mit der Stadt verhandeln, dass einer der Wohnräume frei bleibt als Gemeinschaftszimmer, mit einem Fernseher darin.

Flüchtlinge in Potsdam

Das Land Brandenburg stockt seine Erstaufnahmekapazitäten von 5500 Plätzen auf 10000 auf. Das verschafft den Kommunen Luft, macht aber auch eilig geschaffene Unterkünfte vorerst überflüssig.

Potsdam bekommt vom Land Investitionspauschalen pro neu geschaffenem und besetztem Platz und will diese Pauschale auch für die Leichtbauhallen Neu Fahrland und Drewitz haben (knapp 200 Plätze), die derzeit nicht genutzt und als Notfallreserve vorgehalten werden.

Vergangenes Jahr sollte Potsdam 2254 Flüchtlinge aufnehmen, ein Teil davon stammt rechnerisch aus dem Jahr 2014, als die Stadt nicht alle zugewiesenen Menschen aufnehmen konnte. Doch es kamen nur 1496.

Die beiden Hallen neben dem Freiland-Gelände an der Friedrich-Engels-Straße werden nicht mehr aufgestellt, obwohl die Fundamente und die Erschließungsleitungen bereits fertig sind.

An der Sandscholle neben dem Filmpark Babelsberg sind die beiden Hallen voll und rein männlich belegt, sollen aber wieder freigezogen werden, wenn es feste Unterkünfte für die Menschen gibt.

In der Zeppelinstraße soll Ende Februar ein früheres Bundeswehrheim bezugsfertig sein. Im März will man ein ehemaliges Bürogebäude am Konsumhof in Babelsberg umgebaut haben. Im Sommer gehen die beiden Gebäude in der Berliner Straße ans Netz, in der zweiten Jahreshälfte ein vom Bund kostenlos übernommenes Bürohaus im Verkehrshof Drewitz.

Von Rainer Schüler

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