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Potsdam Drogen bei Schülern am Humboldt-Gymnasium gefunden
Lokales Potsdam Drogen bei Schülern am Humboldt-Gymnasium gefunden
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01:16 30.11.2018
Das Humboldt-Gymnasium gilt als eine der renommiertesten Schulen in Potsdam. Quelle: Bernd Gartenschläger
Teltower Vorstadt

Drogenfund am renommierten Humboldt-Gymnasium an der Heinrich-Mann-Allee: Wie Schulleiterin Carola Gnadt in einem internen Rundschreiben an die Eltern der 740 Humboldtianer mitteilt, haben Polizisten sieben Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 und 11 auf Grundlage entsprechender richterlicher Beschlüsse durchsucht und bei zweien Drogen gefunden. Der Einsatz hat demnach bereits am 15. November stattgefunden. Das Rundschreiben datiert auf den 23. November.

In dem Schreiben, das der MAZ vorliegt, teilt die Schulleiterin mit: „Wir möchten, dass die Schulgemeinschaft im Bilde ist und Klarheit über unser Vorgehen herrscht.“ Der MAZ gegenüber bekräftigte Gnadt: „Es ist für uns die einzig denkbare Handlungsweise, gemeinsam über das Vorgefallene zu reden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Solch einen Vorfall haben wir noch nie gehabt.“

Im Frühjahr erreichte die Schulleitung ein anonymer Brief

Vorausgegangen war dem Polizeieinsatz ein anonymer Brief im Frühjahr, in dem der Schreiber „auf verstärkten Drogenkonsum“ durch sieben Schülerinnen und Schüler hinwies. Bei wiederholten Rundgängen habe die Schulleitung aber nichts feststellen können.

Nun, acht Monate später, der Einsatz: Bei fünf der im anonymen Brief benannten Jugendlichen stellten die Polizisten nichts fest, bei zweien wurden sie fündig. Die Beamten begleiteten diese nach Hause, um dort weiteren Ermittlungen nachzugehen. „Bei diesen beiden Schülern muss davon ausgegangen werden, dass die gefundenen Rauschmittel nicht nur für den Eigenbedarf bestimmt waren“, heißt es in Gnadts Rundschreiben. Und weiter: „Nach Aussage der Befragten kam es an der Schule nicht zur Weitergabe von Cannabis-Tütchen. Der Umschlagort scheint am Hauptbahnhof zu sein“.

Welche Konsequenzen die Schüler erwarten, ist noch unklar

Die Staatsanwaltschaft Potsdam bestätigte der MAZ, dass sie gegen sieben Schüler des Humboldt-Gymnasiums zum Verdacht des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt – die Verfahren seien noch nicht abgeschlossen. Ob und welche Konsequenzen die Betroffenen zu erwarten haben, ist noch nicht klar. Dass die Staatsanwaltschaft bei hinreichendem Tatverdacht auch Klage erhebt, ist kein Automatismus. So hat sie – selbst wenn die Schuld eines Beschuldigten erwiesen ist – mehrere Möglichkeiten, ein Verfahren einzustellen, etwa gegen Auflagen, Weisungen oder Geldbuße.

Das Humboldt-Gymnasium. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Wir haben in Potsdam keine einzige Schule, die ein Drogen-Problem hat“, sagt der Vorsitzende des Kreiselternrats, Markus Kobler. Der Kreiselternrat beschäftige sich regelmäßig mit dem Thema Drogenprävention und halte Kontakt zur Polizei. „Ich möchte das Thema nicht herunterspielen oder gar verharmlosen. Aber wir haben es in Potsdam – etwa im Vergleich zum benachbarten Berlin – verhältnismäßig wenig mit Drogen zu tun“, so Kobler. Er lobt den „vernünftigen und offensiven Umgang“ des Humboldt-Gymnasiums mit dem Vorfall. An Gymnasien, schätzt Kobler, sei Cannabis allerdings häufiger vertreten als an anderen weiterführenden Schulen – Gymnasiasten hätten eher das Geld, sich die Droge zu leisten.

Chill-out fordert ein Umdenken in der Suchtprävention an Schulen

„Prinzipiell gehen wir davon aus, dass Cannabis an jeder Schule mit einer Klassenstufe 7plus ein Thema ist“, sagt Lysander Laubvogel vom Chill-out-Verein, der sich in der Landeshauptstadt um die Suchtprävention für Kinder und Jugendliche bemüht. Regelmäßig kiffen laut Chill-out aber nur wenige Schülerinnen und Schüler. „Die Schule ist in der Pflicht, die Eltern über eventuellen Handel mit illegalisierten Substanzen zu informieren“, so Laubvogel. „Unserer Meinung nach wäre ein Umdenken bezüglich der Suchtprävention an Schulen nötig. Das heißt konkret, diesem Bereich mehr Fokus zu verleihen, Zeit für langfristige und ganzheitliche Prävention zu schaffen und nicht lediglich auf Vorfälle zu reagieren.“

„Wir waren und sind ziemlich geschockt über den Fund der Polizei“, heißt es in dem Schreiben. „Wir nehmen den Fall sehr ernst, wollen aber nicht in Aktionismus verfallen.“ Mit den betroffenen Schülern habe man bereits intensive Gespräche geführt. Zudem waren für den gestrigen Dienstag zwei Jahrgangskonferenzen anberaumt, um die beiden Schüler, bei denen Drogen gefunden wurden, anzuhören und über „adäquate Ordnungsmaßnahmen“ zu entscheiden.

Jugendliche qualmen weniger, kiffen aber mehr

Alle vier Jahre analysiert das brandenburgische Gesundheitsministerium seit 2005 auf Anregung der Landessuchtkonferenz das Suchtverhalten von Schülern und befragt dabei auch Potsdamer.

Zusammengefasst lässt sich für die jüngste Befragungswelle 2016/17 sagen, dass Potsdamer Jugendliche weniger Nikotin, weniger Alkohol, aber mehr Cannabis konsumieren; ein steter Anstieg ist zu erkennen.

In Potsdam wurden von 1390 Zehntklässlern 828 befragt: 417 Jungen und 411 Mädchen. Jeder 14. dieser Schüler gab an, regelmäßig zu kiffen. Zu Beginn der Befragung im Jahr 2005 sagte das noch jeder 25. Schüler. nf

Von Nadine Fabian

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