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Potsdam Drohungen gegen Villenbesitzer
Lokales Potsdam Drohungen gegen Villenbesitzer
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00:31 23.04.2015
Das Eingangsportal der Villa Adlon in Neu Fahrland. Quelle: Kai Kiesewetter
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Neu Fahrland

Es könnte alles so idyllisch sein: Am Ufer des Lehnitzsees wird die berühmte Villa Adlon saniert zu einem privaten Familienwohnsitz nebst Gästehaus für Wissenschaftler. Doch der Schein trügt. Der Aufmarsch von sechs polizeibekannten Rockern am vergangenen Samstag (MAZ berichtete) ist das vorerst letzte Kapitel eines Konflikts, der seit zwei Jahren das Projekt an diesem geschichtsträchtigen Ort in Potsdams Norden lähmt.

Eigentlich soll das repräsentative Haus, das Hotelier Louis Adlon 1925 für sich und seine zweite Frau Hedda bauen ließ, zu einem gesellschaftlichen Zentrum im Ort werden. Die Gast-Wissenschaftler, die in diesem Boarding-House zeitweilig zur Miete wohnen sollen, würden Vorträge halten, die Öffentlichkeit könnte daran teilnehmen. Ein Theatersaal ist eingerichtet. „Das akademische Leben fehlt mir“, sagte zu Beginn der Arbeiten vor zwei Jahren die Hausherrin, die jahrelang auf dem Gebiet der experimentellen Psychologie geforscht hat. „Wenn ich nicht an die Uni kann, kommt die Uni eben zu mir“, sagte die junge Mutter. Neu Fahrlands Ortsbürgermeisterin Carmen Klockow (Bürgerbündnis) sagt, sie freut sich über diese Bereicherung.

Im Theatersaal. Quelle: Kai Kiesewetter

Warum aber fahren Rocker vor, muss die Polizei sechsmal binnen einer Woche anrücken, wenn es doch um Schöngeistiges geht?

Im Kern geht es bei den seit Jahren schwelenden Streitigkeiten vor Ort um zwei Nachbarschaftsprobleme, eines mit einem Immobilienmakler auf der Seite zur Kanalbrücke hin, eines mit dem Bewohner der benachbarten Villa, die auch den Adlon-Hausherren gehört. Mit deren Bewohner gibt es nach Angaben der Adlon-Villenbesitzer seit mehreren Jahren schwerwiegende Mietstreitigkeiten. Die Adlon-Leute haben eine gerichtliche Räumungsverfügung gegen den Mann erwirkt.

Seit das Paar im März 2011 die Villa Adlon kaufte, kam es immer wieder zu Zusammenstößen. Nun zogen Rocker vors Haus, gingen auf der Grundstücksgrenze spazieren und fuhren vor dem Haus hin und her – in Kenntnis der Rechtslage ohne Kutten.

Das Treppenhaus. Quelle: Kai Kiesewetter

Der Eigentümer, ein Jurist, sagt, seine Familie habe mehrmals Todesdrohungen erhalten. Nach dem Rockeraufmarsch vom Wochenende lebt die Familie in Sorge. Mancher Handwerker, der an der Villa Adlon und der Nachbarvilla arbeiten soll, fühlt sich bedroht. Die Arbeiten an der großen Villa drohen zu erliegen. Den Mietern im Gästeflügel der Villa Adlon hat das Paar den Auszug nahegelegt; eine groß angelegte Malereiausstellung ist abgesagt worden.

Der Kamin mit dem Adlon-Wappen. Quelle: Kai Kiesewetter

Zur anderen Seite des Adlon-Anwesens: Sie gehört einem Makler. Aus dem zweistöckigen DDR-Flachbau an der Bundesstraße sollte vor nicht allzu langer Zeit ein Bordell werden, heißt es im Ort, doch hat die Stadtverwaltung den Villensanierern gegenüber erklärt, für dergleichen niemals die Genehmigung zu geben. 2013 bot der heutige Besitzer das Gebäude der Stadt als Flüchtlingsheim an. Von dem Vorhaben nahm die Verwaltung aber Abstand, als die Asbestbelastung bekannt wurde.

Historischer Ort

Treffpunkt der Reichen und Schönen war die Villa Adlon in den 1920er Jahren. Die Hoteliersfamilie – ihnen gehörte das berühmte Haus am Brandenburger Tor in Berlin – feierte glanzvolle feste.

Louis Adlon, Sohn und Nachfolger des Hotelgründers, wurde auf dem Anwesen in den letzten Kriegstagen 1945 von Rotarmisten verhaftet. Er starb unter ungeklärten Umständen.

Das Verhältnis zwischen den Nachbarn ist auch deshalb angespannt, weil die junge Familie das Grundstück mit dem Asbest-Plattebau gern selbst gekauft hätte, um das frühere Militärobjekt nebst Garagen abzureißen. Diese stehen direkt neben der Villa, was die Wiederherstellung der historischen Adlon-Gartenanlage unmöglich macht. Der Immobilienmakler war schneller beim Kauf. „Er bot uns das Grundstück hinterher für den vierfachen Preis an“, sagt der Villen-Betreiber; das lehnte er ab.

Wer die Rocker letztlich geschickt hat, ist nicht geklärt. Vielleicht haben sie auch nur die Sonne genossen zu Beginn der Motorradsaison.

Von Kai Kiesewetter

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