Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Druckerei Rüss baut an
Lokales Potsdam Druckerei Rüss baut an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:57 28.04.2016
Christian Rüss mit einer Falzmaschine in der Druckerei. Quelle: Bernd Gartenschläger
Anzeige
Jägervorstadt

Die Druckerei Rüss erweitert ihre Niederlassung in der Alten Waffenmeisterei am Ulanenweg. Mit der Zustimmung zur Änderung des Bebauungsplans Nr. 64 haben die Stadtverordneten auf ihrer jüngsten Sitzung den Weg dafür frei gemacht.

Geplant sei ein rund 120 Quadratmeter großer Anbau mit der Anmutung eines Wintergartens, so Christian Rüss (57), der das 1980 gegründete Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Cornelius Rüss (51) führt. Glas und feines Stahlprofil sollen den Blick auf die Backsteinfassade des denkmalgeschützten Hauses frei halten. Nötig sei der Anbau für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Begleitend sollen diverse Geräte, darunter Falz-, Heft- und Stanzmaschinen, durch effizientere und schnellere Modelle ersetzt werden.

Bis zur Jahrtausendwende hatte die Druckerei und Buchbinderei Rüss ihren Hauptsitz in der Lindenstraße. 1980 hatte Christian Rüss dort das Geschäft der früheren Druckerei Schröder übernommen. Sein jüngerer Bruder kam später zunächst als Lehrling, dann als Teilhaber dazu. Bis heute arbeitet der Betrieb konstant mit bis zu zehn Angestellten. Mit Regine Rüss (Graphik) und Sabine Rüss (Buchhaltung) sind auch die Ehefrauen der Inhaber dabei.

Auf das Gelände der einstigen Garde-Ulanen-Kaserne an der Jägerallee kamen Christian und Cornelius Rüss nach jahrelanger Suche. Die Räume in der Lindenstraße waren längst zu klein. Doch „wir wollten nicht auf der grünen Wiese bauen“, sagt Christian Rüss.

Das 1991 von der Roten Armee verlassene Kasernengelände wurde noch im selben Jahr unter Denkmalschutz gestellt. Entwickelt wurde es im Sog der Bundesgartenschau 2001. Die Alte Waffenmeisterei der Garde-Ulanen war von der Wehrmacht, die das Gelände 1933 übernahm, zur Lkw-Werkstatt umgebaut worden. Davon blieb ein ins offene Obergeschoss montierter Brückenkran, der in der Werkstatt bis heute gute Dienste leistet.

Als die Rüss-Brüder sich des Gebäudes annahmen, war es nach zehn Jahren Leerstand eine Ruine. An den Wänden gibt es Fotografien davon. Unten am Eingang begrüßt den Gast die im Herbst 2002 verliehene Ehrenurkunde im Wettbewerb „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ für die „denkmalgerechte Vorgehensweise bei der Erhaltung und Nutzung der Alten Waffenmeisterei“.

Das helle Haus mit der langen Geschichte ist nicht nur bei der Kundschaft beliebt: „Wir werden oft gefragt, ob Leute hier lesen können“, sagt Christian Rüss. Über Jahre waren Lesungen von Autoren wie Sigrid Damm, Volker Schlöndorff oder Christoph Ransmayr in der Druckerei eine gute Tradition. Doch seit die Stadt die Förderung dafür gestrichen habe, sei das vorbei. „Das ist nicht unser Hauptgeschäft, aber es ist doch mit einem hohen Aufwand verbunden“, sagt Christian Rüss.

Kreativquartier in der Garde-Ulanen-Kaserne

Das Karree der früheren Garde-Ulanen-Kaserne an der Jägerallee ist mit seinen Nutzern eines der namhaften Kreativquartiere der Landeshauptstadt.

So zählen zur Nachbarschaft der Druckerei Rüss die auf innovative neurochirurgische Implantate spezialisierte Christoph Miethke GmbH sowie das von Hubertus von der Goltz und Frank Michael Zeidler gegründete Kunsthaus Potsdam, das neben hochkarätigen Ausstellungen in der Galerie des gleichnamigen Vereins über mehrere Ateliers in bester Lage verfügt.

Unter den ständigen Nutzern eines der Kunsthaus-Ateliers ist der Holländer Armando, dessen Werke aktuell in einer gemeinsam mit dem Chabot Museum Rotterdam ausgerichtete Sonderausstellung „Bruchstücke – Brokstukken“ im Potsdam-Museum am Alten Markt zu sehen sind.

Größter Nachbar ist das Oberstufenzentrum I – Technik, zu dessen Ausbildungsgängen anderem Baugewerke sowie Foto- und Medientechnik gehören. In den 1990er Jahren diskutierte man auch den Umzug des Potsdam-Museums in die frühere Kaserne.

Errichtet wurde die Kaserne im normannischen Burgenstil 1861/62 für das 3. Garde-Ulanen-Regiment. Ab 1920 war die Kaserne Polizei-Unterkunft, 1933 zog die Wehrmacht ein. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1991 wurde die Kaserne von sowjetischen Truppen genutzt.

Gelegentlich öffnet die Druckerei aber dennoch für Kulturveranstaltungen, so wie vor wenigen Wochen für eine Kulturpatenpräsentation des Neuen Globe-Theaters, oder im Herbst wieder für ein Jazzkonzert im Programm des Dreiklang-Festivals.

Zu den aktuellen Produkten des Familienbetriebes zählen ein Hochglanzband der Marquardter Baumschule Lorberg, die unter anderem Tannen für die Kremlmauer in Moskau züchtete, ein Katalog für die Ausstellung „Mittelland“ des Potsdamer Fotografen Göran Gnaudschun in Hannover und ein reich illustriertes Büchlein „Unterm goldenen Atlas“ zur Sonderausstellung des Potsdam-Museums zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Kulturhauses Hans Marchwitza, das am 22. Mai zum Internationalen Museumstag präsentiert werden soll.

Von Volker Oelschläger

Potsdam Potsdams Politiker bestätigen Kompromiss - Einigung im Pfingstbergstreit

Im Streit um die Sanierung des Parks am Pfingstberg ist es zu einer Einigung gekommen. Potsdams Hauptausschuss bestätigte am Mittwoch einen zwischen der Schlösserstiftung, der Privatfirma MDB von Springer-Konzernchef Mathias Döpfner und dem Rathaus ausgehandelte Kompromiss. Kritik kam von den Linken, der Fraktion Die Andere und die Pfingstberg-Initiative.

28.04.2016

Na? Erkennen Sie auf dem Öl-Gemälde Ihre Stadt wieder? Ja, das ist wirklich Potsdam! Festgehalten hat diese Impression der Alten Fahrt der Künstler Max Koch. Der ist schon lange vergessen – zu Unrecht. Ganz in der Nähe der Alten Fahrt wird heute an ihn erinnert. Andere Veranstaltungen widmen sich derweil Tierversuchen, Kulturpflanzen und der Sicherheit im Internet.

28.04.2016
Potsdam Disziplinarverfahren gegen Potsdams Ex-Baudezernent - Hausbau-Affäre hat Nachspiel für Klipp

Sein zu groß gebautes Haus am Bertiniweg kostete Matthias Klipp den Job. Dass er im Rahmen der Affäre auch seinen Chef – OB Jakobs (SPD) – belogen und außerdem gegenüber den ihm unterstellten Mitarbeitern „eigennützig“ gehandelt haben soll, könnte den Ex- Bauverwaltungschef jetzt teuer zu stehen kommen: Das Disziplinarverfahren gegen ihn ist jetzt abgeschlossen.

27.04.2016
Anzeige