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Druckerei Rüss baut an

Zuhause in ... der Jägervorstadt Druckerei Rüss baut an

Seit mehr als zehn Jahren ist die Alte Waffenmeisterei der kaiserlichen Garde-Ulanen an der Jägerallee in Potsdam als Niederlassung der Buchbinderei und Druckerei Rüss ein Ort friedlicher und kreativer Arbeit. Nun soll angebaut werden.

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Christian Rüss mit einer Falzmaschine in der Druckerei.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Jägervorstadt. Die Druckerei Rüss erweitert ihre Niederlassung in der Alten Waffenmeisterei am Ulanenweg. Mit der Zustimmung zur Änderung des Bebauungsplans Nr. 64 haben die Stadtverordneten auf ihrer jüngsten Sitzung den Weg dafür frei gemacht.

Geplant sei ein rund 120 Quadratmeter großer Anbau mit der Anmutung eines Wintergartens, so Christian Rüss (57), der das 1980 gegründete Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Cornelius Rüss (51) führt. Glas und feines Stahlprofil sollen den Blick auf die Backsteinfassade des denkmalgeschützten Hauses frei halten. Nötig sei der Anbau für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Begleitend sollen diverse Geräte, darunter Falz-, Heft- und Stanzmaschinen, durch effizientere und schnellere Modelle ersetzt werden.

Bis zur Jahrtausendwende hatte die Druckerei und Buchbinderei Rüss ihren Hauptsitz in der Lindenstraße. 1980 hatte Christian Rüss dort das Geschäft der früheren Druckerei Schröder übernommen. Sein jüngerer Bruder kam später zunächst als Lehrling, dann als Teilhaber dazu. Bis heute arbeitet der Betrieb konstant mit bis zu zehn Angestellten. Mit Regine Rüss (Graphik) und Sabine Rüss (Buchhaltung) sind auch die Ehefrauen der Inhaber dabei.

Auf das Gelände der einstigen Garde-Ulanen-Kaserne an der Jägerallee kamen Christian und Cornelius Rüss nach jahrelanger Suche. Die Räume in der Lindenstraße waren längst zu klein. Doch „wir wollten nicht auf der grünen Wiese bauen“, sagt Christian Rüss.

Das 1991 von der Roten Armee verlassene Kasernengelände wurde noch im selben Jahr unter Denkmalschutz gestellt. Entwickelt wurde es im Sog der Bundesgartenschau 2001. Die Alte Waffenmeisterei der Garde-Ulanen war von der Wehrmacht, die das Gelände 1933 übernahm, zur Lkw-Werkstatt umgebaut worden. Davon blieb ein ins offene Obergeschoss montierter Brückenkran, der in der Werkstatt bis heute gute Dienste leistet.

Als die Rüss-Brüder sich des Gebäudes annahmen, war es nach zehn Jahren Leerstand eine Ruine. An den Wänden gibt es Fotografien davon. Unten am Eingang begrüßt den Gast die im Herbst 2002 verliehene Ehrenurkunde im Wettbewerb „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ für die „denkmalgerechte Vorgehensweise bei der Erhaltung und Nutzung der Alten Waffenmeisterei“.

Das helle Haus mit der langen Geschichte ist nicht nur bei der Kundschaft beliebt: „Wir werden oft gefragt, ob Leute hier lesen können“, sagt Christian Rüss. Über Jahre waren Lesungen von Autoren wie Sigrid Damm, Volker Schlöndorff oder Christoph Ransmayr in der Druckerei eine gute Tradition. Doch seit die Stadt die Förderung dafür gestrichen habe, sei das vorbei. „Das ist nicht unser Hauptgeschäft, aber es ist doch mit einem hohen Aufwand verbunden“, sagt Christian Rüss.

 

Kreativquartier in der Garde-Ulanen-Kaserne

Das Karree der früheren Garde-Ulanen-Kaserne an der Jägerallee ist mit seinen Nutzern eines der namhaften Kreativquartiere der Landeshauptstadt.

So zählen zur Nachbarschaft der Druckerei Rüss die auf innovative neurochirurgische Implantate spezialisierte Christoph Miethke GmbH sowie das von Hubertus von der Goltz und Frank Michael Zeidler gegründete Kunsthaus Potsdam, das neben hochkarätigen Ausstellungen in der Galerie des gleichnamigen Vereins über mehrere Ateliers in bester Lage verfügt.

Unter den ständigen Nutzern eines der Kunsthaus-Ateliers ist der Holländer Armando, dessen Werke aktuell in einer gemeinsam mit dem Chabot Museum Rotterdam ausgerichtete Sonderausstellung „Bruchstücke – Brokstukken“ im Potsdam-Museum am Alten Markt zu sehen sind.

Größter Nachbar ist das Oberstufenzentrum I – Technik, zu dessen Ausbildungsgängen anderem Baugewerke sowie Foto- und Medientechnik gehören. In den 1990er Jahren diskutierte man auch den Umzug des Potsdam-Museums in die frühere Kaserne.

Errichtet wurde die Kaserne im normannischen Burgensti l 1861/62 für das 3. Garde-Ulanen-Regiment. Ab 1920 war die Kaserne Polizei-Unterkunft, 1933 zog die Wehrmacht ein. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1991 wurde die Kaserne von sowjetischen Truppen genutzt.

Gelegentlich öffnet die Druckerei aber dennoch für Kulturveranstaltungen, so wie vor wenigen Wochen für eine Kulturpatenpräsentation des Neuen Globe-Theaters, oder im Herbst wieder für ein Jazzkonzert im Programm des Dreiklang-Festivals.

Zu den aktuellen Produkten des Familienbetriebes zählen ein Hochglanzband der Marquardter Baumschule Lorberg, die unter anderem Tannen für die Kremlmauer in Moskau züchtete, ein Katalog für die Ausstellung „Mittelland“ des Potsdamer Fotografen Göran Gnaudschun in Hannover und ein reich illustriertes Büchlein „Unterm goldenen Atlas“ zur Sonderausstellung des Potsdam-Museums zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Kulturhauses Hans Marchwitza, das am 22. Mai zum Internationalen Museumstag präsentiert werden soll.

Von Volker Oelschläger

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