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Ein Baum mit QR-Code

Potsdam Ein Baum mit QR-Code

Die Bittschriftenlinde am Stadtschloss existiert als Institution schon seit den Zeiten des Großen Kurfürsten. Doch erst sein Urenkel Friedrich II. machte sie in Preußen bekannt. Die „neue“ Linde – sie ist auch schon 50 Jahre alt – steht nicht nur wieder am alten Platz, sie verweist auch direkt auf den Petitionsausschuss des Landtages.

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Enthüller: Britta Stark (r.), Henryk Wichmann (v.r.) und Jann Jakobs (3.v.l.).

Innenstadt. Der Zeitpunkt hätte besser kaum gewählt sein können: Nur alle 32 Jahre treffen sich die Chefs der Petitionsausschüsse des Bundes und der Bundesländer in Brandenburg. Am Montag war es soweit, und genau auf diesen Tag hatte die Stadt die Enthüllung einer Informationstafel an der Bittschriftenlinde gelegt. An (Fach-)Publikum herrschte deshalb kein Mangel, als in einer Tagungspause Brandenburgs Petitionsausschuss-Chef Henryk Wichmann (CDU), Landtagspräsidentin Britta Stark und Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) die tiefrote (!) schützende Papierhaut von der Edelstahl-Stele rissen. Das Besondere: Dort sind nicht nur Informationen zur historischen und aktuellen Bittschriftenlinde zu lesen, mittels eines QR-Codes gelangen Leser per Smartphone direkt zur Internetseite des Ausschusses und können ihre Petition sofort online einlegen.

Um den Text und die Größe der Tafel wurde lange verhandelt

Um den Text und die Größe der Tafel wurde lange verhandelt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Keiner der drei Redner verpasste es, auf die Unterschiede zwischen einst und heute hinzuweisen: Noch unter Friedrich II. wurden zwar viele Wünsche der Bürger gegen den Verwaltungswillen vom König entschieden, der die Linde von seinem Arbeitszimmer im Schloss stets im Blick hatte und manchen Petenten auch von den Kammerdienern direkt zur Audienz bat. Dennoch war dies noch von „absolutistischen Grundsätzen“ geprägt, so Jann Jakobs, dem gerüchtehalber der Rummel um den Baum deshalb auch nur mäßig gefällt. „Heute ist einen Petition kein Gnadenakt mehr“, sagte Jakobs, und knüpfte damit direkt an Britta Stark an, die bereits betont hatte, heute würde nicht nach Gutdünken über Eingaben und Vorschläge entschieden, jeder Bürger träte mit dem selben Recht an den Petitionsausschuss heran. „Das ist der direkte Draht vom Bürger zum Parlament“, so die Präsidenten desselben.

Henryk Wichmann, der den Wunsch nach der Tafel geäußert hatte, zeigte sich dann auch begeistert und danke der Stadt, dass sie „nicht nur Text und Tafel mit uns abgestimmt hat“, sondern schließlich „das Ganze auch noch bezahlt“. Am Rande war zu hören, es habe durchaus ein zähes Ringen um die Gestaltung und den kurzen Text auf der Tafel einerseits und um deren Größe andererseits gegeben. Selbst Jann Jakobs bekannte, die im A3-Format gehaltene Tafel sei „das Maximum dessen gewesen,“ das bei seiner eigenen „Verwaltung herauszuholen war“. Die meisten dieser historischen Tafeln, die es im gesamten Stadtgebiet gibt, sind nämlich nur halb so groß – etwa am Rathaus – und werden daher von Besuchern oft übersehen.

Die alte Linde um 1910

Die alte Linde um 1910.

Quelle: Archiv

Ein Stadtsprecher konkretisierte später, streng genommen habe der Sanierungsträger der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam das Schild bezahlt. Der Sanierungsträger ist maßgeblich für den Umbau der Alten Mitte zuständig. Die Gäste aus den anderen Bundesländern waren an diesem Mittag vor allem eine schöne Kulisse, kaum war die Tafel enthüllt, zogen sie sich zum Mittagessen zurück – nicht ohne vorab noch den QR-Code auszuprobieren. Siehe da: Er funktionierte, neben dem echten Herrn Wichmann hinter der Stele tauchte sein digitales Antlitz auf dem Handybildschirm auf.

Landtagspräsidentin Britta Stark hatte die Linde im übrigen zuvor als „Potsdams berühmtesten Baum“ geadelt, Jann Jakobs hielt sich lieber ans Umfeld und sagte, man stünde im „Herzen der Stadt“, das erst zu schlagen begonnen habe, als der Landtag vom Berg herunter in die Mitte der Stadt gezogen sei. Er sah in der Alten Mitte schon jetzt einen „lebendigen Stadtteil“, eine Symbiose aus alter und moderner Architektur.

Dass zum historischen Stadtbild auch die Linde gehört, daran zweifelte zumindest an diesem Vormittag niemand.

Eine Linde mit langer Historie

Schon zur Zeit des Großen Kurfürsten (1620–1688) soll der Originalbaum – eine holländische Linde – gepflanzt worden sein.

Doch erst unter seinem Ur-Enkel, Friedrich II., bekam die Bittschriftenlinde eine zunächst landesweite und später auch über Preußen hinausreichende Bedeutung und Bekanntheit.

Die vom Amtszimmer aus gut sichtbare Linde – die Bitten wurden an die Zweige gehängt, nicht an den Stamm – überdauerte verschiedenste Herrscher, Regierungsformen und Kriege.

Erst im Jahr 1949 wurde sie auf Geheiß der DDR-Verwaltung gefällt.

Kurz nach der Wende, exakt zur 1000-Jahr-Feier der Stadt Potsdam 1993, wurde am alten Standort eine neue Linde gepflanz, gestiftet von einer Baumschule. Die Linde war damals 25 Jahre alt.

Nach nur 15 Jahren indes musste sie noch einmal umziehen, da sie große Gefahr lief, bei den Umbauten im Landtagsumfeld, am Havelufer, in der Humboldtstraße und der Langen Brücke beschädigt zu werden.

Der Baum verbrachte gut sieben Jahre bei „Baum und Park Landschaftsbau“ in Nuthethal, bevor er im November 2015 ins nunmehr sanierte Landtagsumfeld zurückkehrte.

Obgleich noch immer recht dünnstämmig und mit nur mittlerer Krone, ist die Linde mittlerweile ein 50 Jahre alter Baum.

Von Jan Bosschaart

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