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Potsdam Ein Besuch in der Stalin-Villa in Potsdam
Lokales Potsdam Ein Besuch in der Stalin-Villa in Potsdam
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12:37 23.08.2017
Die 1910/11 errichtete Villa Herpich ist ein typisches Beispiel für den Übergang von der Villa zum Landhaus. Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Opossum, Skunk und Fuchs. Waschbär, Hermelin und Ozelot. Wem auch immer der Berliner Kürschner Carl August Herpich das Fell über die Ohren zieht, seine Pelze sind bei den Damen und Herren der feinen Gesellschaft der letzte Schrei. Schnell erlangt das 1835 gegründete Unternehmen Weltruf – und die Familie Reichtum. Der Laden brummt für Carl August Herpich. Brummt für seine drei Söhne. Und auch für die Enkel Julius und Paul, die das Modehaus „C.A. Herpich Söhne“ noch größer und bedeutender machen und es über die Jahrhundertwende und durch den Ersten Weltkrieg manövrieren.

Dem älteren, Paul, ist es zu verdanken, dass der Name Herpich nicht nur mit den Flaniermeilen in Berlin und Düsseldorf, in New York, London und Paris verbunden ist, sondern auch mit Potsdam. Denn als das schöne und reiche Berlin über seine Grenzen hinweg ins Grüne drängt, zieht es auch Paul Herpich (1869-1923) hinaus. 1910/11 lässt er sich vom schwedischen Architekten Alfred Grenander – er hat sich vor allem mit den Berliner U- und Hochbahnbauten wie Wittenberg-, Hermann- und Alexanderplatz, Krumme Lanke, Onkel Toms Hütte und Olympiastadtion verewigt – ein malerisch am Ufer des Griebnitzsees gelegenes Landhaus bauen, das der Moderne verpflichtet ist, aber noch traditionelle Züge einer Villa trägt.

Als Villa ist das Anwesen, das am Tag des offenen Denkmals am 10.September von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen ist, denn auch in die Geschichte eingegangen: als Stalin-Villa. Der sowjetische Diktator residiert in der Kaiserstraße 27 (heute Karl-Marx-Straße) im Sommer 1945 während der Potsdamer Konferenz. Die Männer, mit denen er in Schloss Cecilienhof über die Zukunft Nachkriegsdeutschlands verhandelte, wohnten in der Nachbarschaft: der britische Premier Churchill in der Ringstraße 23 (Virchowstraße) und US-Präsident Truman in der Kaiserstraße 2.

Potsdamer Konferenz: (v.l.n.r.:) Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin. Quelle: imago

Als die beiden am 15. Juli 1945 anreisen, ist von Stalin weit und breit noch nichts zu sehen: Der Generalissimus hat kurz zuvor eine Herzattacke erlitten, die Ärzte verordnen Schonung. Geschwächt und obendrein von Flugangst geplagt, besteigt Stalin in Moskau den Zug: drei Salon- und acht Schlafwagen – vier stammen aus dem einstigen Hofzug des Zaren und werden extra aus dem Museum geholt – bei so viel Luxus versteht es sich offenbar von selbst, dass die Schienen für die Fahrt nach Potsdam ab der polnisch-weißrussischen Grenze von europäischer Normal- auf russische Breitspur umgenagelt werden.

Am 17. Juli erreicht Stalin Potsdam. Mit der großzügigen Villa Herpich ist er zufrieden, nicht aber mit den Möbeln. Die lässt er entfernen. Nur das wuchtige Buffet im Speisezimmer bleibt – vermutlich, weil es mit der Vertäfelung verbunden ist. Hier hat wohl das Bankett stattgefunden, das Stalin am 21. Juli 1945 für die Kollegen Staatschefs gibt: Der Generalissimus, so ist es überliefert, lässt sich nicht lumpen. Es gibt Kaviar und Wodka, geräucherten Fisch, Wild, Huhn, Ente und Gemüse, Wassermelone und Champagner. Etwa 25 Mal erheben sich die Teilnehmer und prosten sich zu.

Unverrückbar steht das Buffet, dieser stumme Zeuge des Gelages der Großen Drei, noch heute in der Welt. Außer Stalin hat es die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften überdauert und die Stalin-Gedenkstätte. Vor der Wende war in der Villa ein Teil der Hochschule für Film und Fernsehen untergebracht. Seit 1994 ist sie Sitz des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg, der das Haus von den Herpich-Nachfahren erworbenen, es saniert und mit gängigem Büro-Chic ausgestattet hat.

Von den originalen Möbeln der Villa Herpich ist nur noch das schwere, in die Wandvertäfelung des Speisezimmers eingelassene Buffet erhalten geblieben – alles andere ließ Stalin abräumen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wie reizvoll Pragmatismus indes sein kann, verrät ein Detail, auf das es sich in der Diele zu achten lohnt: Den Eingang im Rücken, ist linker Hand auf Kniehöhe ein Messing-Stöpsel zu entdecken: Es ist die Anschlussbuchse an die im Keller verborgene, zentrale Staubsaugeranlage, die vom Fortschrittsglauben der Villen-Erbauer kündet: ein Kaufhaus von Star-Architekt Erich Mendelsohn, eine Kühlkammer für Pelze, auf dass die kostspieligen Stücke vor Ungeziefer sicher den Sommer überstehen, Edelputz aus dem Hause Terranova für die Villa in Neubabelsberg... Das Neuste und Modernste – Herpichs waren dabei.

Wohin am Tag des offenen Denkmals?

Vom 8. bis 10. September findet der Potsdamer Dreiklang aus Potsdamer Jazztagen, der Kunst-Genuss-Tour und dem Tag des offenen Denkmals statt.

Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, dem 10. September, steht bundesweit unter dem Motto „Macht und Pracht“. In Potsdam können 59 Denkmale besichtigt werden, darunter das Leibniz-Institut für Astrophysik, das Jagdschloss am Stern, der Alte Friedhof und die Kleine Kapelle Klein-Glienicke, die Hofgärtnerei im Park Babelsberg, die Nowaweser Weberstube, der Backofen Babelsberg, der optische Telegraf auf dem Telegrafenberg, das Große Waisenhaus, die Große Stadtschule, die Arnim’sche Villa und die Arnim’sche Kapelle, der Winzerberg, das Museum Alexandrowka, die Gedenkstätte Leistikowstraße, der Musikpavillon am Regattahaus, der Park der Villa Jacobs und diverse Kirchen.

Schwerpunkt ist die Villenkolonie Neubabelsberg, wo 22 Villen und Landhäuser besichtigt werden können, darunter das Landhaus Gugenheim und die Villa Vorberg.

Im Angebot sind auch thematische Führungen, etwa zu den Bahnhöfen am Park Sanssouci.

Weitere Informationen unter: www.potsdamer-dreiklang.de nf

Von Nadine Fabian

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