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Potsdam Ein Blick hinter das Kosmos-Mosaik
Lokales Potsdam Ein Blick hinter das Kosmos-Mosaik
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13:34 26.02.2018
Martin Schmitt forscht am Zentrum für Zeithistorische Forschung zur digitalen Gesellschaft und der Geschichte der Datenverarbeitung in Ost und West. Das Potsdamer Rechenzentrum hat er dabei stets im Blick. Quelle: Peter Degener
Innenstadt

Bald wird das Potsdamer Rechenzentrum seinem Namen nicht mehr gerecht sein. Der Brandenburgische IT-Dienstleister zieht nach und nach aus dem einstigen Datenverarbeitungszentrum in der Innenstadt aus. Fast ein halbes Jahrhundert stand das Gebäude für den Eintritt der Menschheit in das digitale Zeitalter, was mit dem Kosmos-Mosaik auf der Fassade zum Ausdruck gebracht wird. Nun wird es zum Fall für die Historiker.

Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen an diesem Donnerstag

Am Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) am Neuen Markt gibt es eine ganze Arbeitsgruppe, die sich mit dem „Aufbruch in die Digitale Gesellschaft“ beschäftigt. Am heutigen Donnerstag um 18 Uhr lädt das ZZF gemeinsam mit dem Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum und der Stiftung SPI in das Rechenzentrum ein, um anhand des Gebäudes mit Zeitzeugen über die Computernutzung in der DDR zu sprechen.

Das digitale Zeitalter begann um 1970, als das Rechenzentrum im Bau war

Martin Schmitt nennt sich selbst Digitalhistoriker. „Ich arbeite an der Schnittstelle zwischen Zeitgeschichte, Medientechnik und Informatik“, sagt der 33-Jährige. Seit 2014 ist er als Doktorand am ZZF tätig, wo der Blick aus seinem Büro stets auf die Rückseite des Rechenzentrums fällt. Das Innenleben interessiert ihn jedoch am meisten.

„Die Geschichte des digitalen Zeitalters ist mein Thema“, sagt er und datiert dessen Beginn auf 1970. „Spätestens zu diesem Zeitpunkt war Computertechnik unabdingbar für unsere Gesellschaft, gerade in der Wirtschaft“, sagt Schmitt. 1970 war auch das Potsdamer Datenverarbeitungszentrum DVZ, das im Volksmund schnell zum „Rechenzentrum“ wurde, gerade im Bau.

Im Dezember 1969 war die Bohrpfahlgründung für das Rechenzentrum im schwierigen Potsdamer Baugrund abgeschlossen. Im August 1971 war das Gebäude bis auf das Fassadenmosaik fertiggestellt . Quelle: MAZ/MV/Annelies Jentsch

Jede DDR-Bezirksstadt hatte ein Datenverarbeitungszentrum

„Es gab mindestens in jeder Bezirksstadt im Osten so ein Gebäude und manche sind auch heute noch in Betrieb und es ist einiges darüber bekannt. Über das Potsdamer Rechenzentrum wissen wir viel über die Architektur, aber wenig darüber, was hier eigentlich berechnet wurde. Wir konnten nicht einmal ausfindig machen, wer es zu irgendeinem Zeitpunkt geleitet hat“, sagt Schmitt. Statistiken, Meldedaten, Lohnabrechnungen oder Kataster-Informationen wurden in anderen Rechenzentren verarbeitet.

Das Rechenzentrum im Jahr 1992. Quelle: Bernd Gartenschläger

Zwei Zeitzeugen berichten aus dem Alltag als „Operatoren“

Immerhin zwei Zeitzeugen konnte der Historiker für die Podiumsdiskussion ausfindig machen. Randolf Kaeske war 16 Jahre lang in der „Produktion“ des Rechenzentrums tätig. Dahinter steckt der Prozess, die auf Lochstreifen gespeicherten Daten auf Magnetbänder zu übertragen, die Programme durchlaufen zu lassen – oder sie gar erst zu schreiben – und nach der Berechnung der Daten schließlich die Ergebnisse in Listen auszudrucken.

Neben ihm wird Reiner Wichmann zu Gast sein. Er wurde im Rechenzentrum als „Operator“ ausgebildet, hat also am eigentlichen Rechenbetrieb teilgenommen – und arbeitet noch immer für den Brandenburgischen IT-Dienstleister, der gerade dabei ist, das Rechenzentrum freizuräumen. „Es ist spannend, die Alltagsdimensionen zu erfassen. Wie lief der Betrieb ab und welche persönlichen Erfahrungen machte ein Mitarbeiter?“, schildert Schmitt, welche Erkenntnisse er sich von den Zeitzeugen erhofft.

Das Kosmos-Mosaik am Rechenzentrum wurde von Fritz Eisel geschaffen. Das digitale Zeitalter hatte begonnen und wurde in den Mosaikbildern gefeiert. Quelle: Christel Köster

„Dort fand quasi Unternehmensberatung statt“

Eine wichtige Aufgabe der ostdeutschen Rechenzentren war die Ausbildung von Programmierern, Operatoren und ab den 1980er Jahren ging es auch darum Leitungskader „in der schlichten Benutzung von Bürotechnik zu schulen“, sagt Schmitt. „Viele Betriebe mussten erst an die Nutzung digitaler Daten herangeführt werden. Das DVZ war Datendienstleister. Dort fand quasi Unternehmensberatung statt“, sagt Martin Schmitt.

Zeitzeugen erzählen im Rechenzentrum

Das Zentrum für Zeithistorische Forschung, die Stiftung SPI und das Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum laden gemeinsam am Donnerstag, 22. Februar, um 18 Uhr zu einer Podiumsdiskussion in das Rechenzentrum in der Dortustraße 46.

Zum Thema „Computernutzung in der DDR. Das Potsdamer Rechenzentrum und die Digitalisierung in Ostdeutschland“ sprechen die Digitalhistoriker Martin Schmitt und Thomas Kasper.

Von ihrer Arbeit im Potsdamer Rechenzentrum erzählen mehrere frühere Mitarbeiter.

Von Peter Degener

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