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Ein Bunker im Keller

MAZ-Weihnachtsaktion Ein Bunker im Keller

Das Kinderheim Am Stern kann seine Herkunft nicht verleugnen: Das Gebäude war Ende der 1970er als Krippe errichtet worden. An dem Zweigeschosser hat sich rein äußerlich kaum etwas verändert und trotz einiger Umbauten blieb der Charme im Inneren eher spröde. Im Keller ist gar ein Bunker zu finden – laut Bauunterlagen ein „Schutzraum für 60 Personen mit Schleuse“.

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Das Kinderheim Am Stern kann seine Herkunft nicht verleugnen: Das zweigeschossige Gebäude war zunächst als Krippe errichtet worden.

Quelle: Friedrich Bungert

Am Stern. Wer genau hinsieht, mag es erahnen: Mit dem Hügel, auf dem das Kinderheim Am Stern thront, stimmt etwas nicht. Der grüne, ans einen Rändern zum Teil mit Beton bewehrte Buckel im Delta von Pietschker- und Katharinastraße ist nicht etwa eine Laune der Natur im ansonsten platten Gelände – er ist von Menschenhand geplant und von Baggern aufgeschüttet. Ein Relikt aus dem Kalten Krieg. Ein Konstrukt gegen die Apokalypse, angelegt in einer Zeit, da die Staaten in West wie in Ost gegen den Atomschlag anbuddelten. Ende der 1970er Jahre als Krippe geplant und gebaut, beherbergt das Gebäude bis heute einen Bunker. Die Bauunterlagen aus dem Jahr 1978 weisen ihn als „Schutzraum für 60 Personen mit Schleuse“ auf. Im Alltag, so ist zu lesen, sollte er allerdings als Kinderwagenraum genutzt werden.

Die zweigeschossige vollunterkellerte Kinderkrippe war auf der Grundlage der Richtlinie „Vorschuleinrichtung, Planung und Projektierung“ vom Mai 1975 entwickelt worden. Die Kapazität lag bei 54 Plätzen. Man habe eine äußere Form gewählt, die architektonisch den Charakter und die Funktion einer Krippe „besonders unterstreichen soll“, heißt es in den Papieren. Das Gebäude wurde vom Hochbaukombinat Potsdam als Montagebau aus vorgefertigten Raumelementen errichtet, der Keller aus Stahlbetonfertigteilen.

Milchküche und Speiseaufzug

Im Erdgeschoss war laut den Plänen nicht nur Platz für 18 Jungen und Mädchen von null bis einem Jahr, dort waren unter anderem auch die Milchküche und der Speiseaufzug untergebracht, zudem ein Arztraum, eine Umkleide und ein Aufenthaltsraum für das Personal, ein Raum für die Schmutz- und einer für die Schrankwäsche. Das Obergeschoss sollte 18 Kinder von einem bis zwei Jahren und 18 Kinder von zwei bis drei Jahren beherbergen und der Keller – neben dem Bunker – einen Lagerraum und eine komplette Küche.

Im Januar 1986 berichtete die Märkische Volksstimme – Vorgängerin der MAZ – über die Eröffnung des Kinderheims Am Stern

Im Januar 1986 berichtete die Märkische Volksstimme – Vorgängerin der MAZ – über die Eröffnung des Kinderheims Am Stern.

Quelle: Maz

Seit das Gebäude 1980 als „Kinderkrippe Stern VI“ eröffnet wurde, hat sich rein äußerlich kaum etwas verändert. Hinter der Fassade sind aber bereits 1985 einige Umbauten erfolgt, immerhin wurde nach nicht allzu langer Zeit aus der Krippe ein „Dauerheim für Säuglinge und Kleinstkinder“, wie die Märkische Volksstimme damals auf den Potsdamer Lokalseiten berichtete – „das erste seiner Art in unserer Stadt“. 65000 Mark habe der Staatshaushalt dafür bereitgestellt. „Von der Windel bis zur gemütlichen Couchgarnitur haben wir unser Haus völlig neu eingerichtet“, erzählte die damalige Leiterin Renate Lumpe.

„Ein schönes Zuhause“, lobte einst die Märkische Volksstimme

„In vier Monaten umprofiliert, finden hier seit dem zweiten Tag des neuen Jahres familiengelöste oder elternlose Kinder wieder ein Zuhause“, berichtet die MV. Zu den pädagogischen Aufgaben gehöre auch der Familienalltag „mit Kochen, Schnitten machen, Einkaufen, der morgendlichen Tasse Kakao im Bettchen oder dem Erlebnis, zu zweit in der großen Badewanne zu planschen“. Behaglichkeit spüre man überall in dem großen Haus. Das „25 Mitglieder zählende Kollektiv“ habe nicht nur „guten Geschmack und Phantasie bei der Einrichtung bewiesen, sondern investierte in diesen wichtigen Auftrag auch viel Liebe“. Es sei darum gegangen, die bestmöglichen Bedingungen für die Kinder zu schaffen. „Das ist hervorragend gelungen! Das Heim ist ein schönes Zuhause für die Kleinen, wo sie gut behütet aufwachsen.“

Zunächst war das Kinderheim in Obhut der Stadt Potsdam. Das änderte sich wie auch bei den Kindertagesstätten nach der Wende. Im Frühjahr 1992 übergab die Landeshauptstadt das Kinderheim Am Stern in die Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Über 18 Monate zog sich damals die Übernahmeprozedur hin. Am Weltrotkreuztag am 8. Mai 1992 wurde gefeiert: „Als Starthilfe gab’s vom DRK-Kreisvorstand einen Waschvollautomaten und von der Allianz eine Sitzgruppe und einen Fernseher“, berichtete die MAZ.

So können Sie spenden

Die MAZ bittet Sie, liebe Leser, weiterhin um Spenden für das Projekt „Heimatstern“, den Neubau des DRK-Kinderheims Am Stern. Wir möchten den Kindern und Jugendlichen eine Wohnwand mit gepolsterten Höhlen stiften – ein Platz zum Chillen, Lesen, Musikhören, Quatschen. Wie wichtig ein gemütliches Zuhause ist, erzählt Heimleiter Thorsten Häcker im Interview. Wie das Leben im Kinderheim aussieht, berichtet Nick (17).

Gespendet haben in den vergangenen Tagen auch: Hans-Dieter und Bärbel Müller 20 Euro, Edith Kulisch 20 Euro, Renate Pfohl 50 Euro, Anita Vogel 50 Euro, Dr. Detlev Kruger 40 Euro, Wolfgang und Margitta Sticker 30 Euro, Kathrin Biste 25 Euro sowie Jürgen und Gudrun Faustmann 25 Euro. Wir bedanken uns herzlich!

Das Spendenkonto:

Deutsches Rotes Kreuz

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE46 1002 0500 0003 3597 00

BIC: BFS WDE 33 BER

Verwendungszweck: MAZ-Heimatstern

Haben Sie Anregungen zur MAZ-Weihnachtsaktion oder eine Geschichte zum Thema Kinderheim? Kontaktieren Sie uns: 0331/2 84 02 80 und potsdam-stadt@ MAZ-online.de

 

Von Nadine Fabian

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