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Ein Dorf für Waisen-Kinder

Brandenburger helfen in Kenia Ein Dorf für Waisen-Kinder

Seitdem Zahnärztin Steffi Schatz aus Bergholz-Rehbrücke (Potsdam-Mittelmark) 2011 das erste Mal in Kenia für die Hilfsorganisation „Dentists for Africa“ tätig wurde, lassen das ostafrikanische Land und seine Bewohner die 49-Jährige nicht mehr los. Mit dem Verein Nord-Süd-Partner baut sie nun ein Dorf für Waisenkinder.

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Zahnärztin Steffi Schatz mit Helfern. Vier Rundhütten sind inzwischen fertig.

Quelle: Verein

Bergholz-Rehbrücke. Victor, Gloria, Cornell und Benjamin haben ein neues Zuhause gefunden. Endlich. Zwischen sechs und 18 Jahre alt sind die Geschwister – Waisenkinder. Ihre Eltern erlagen der Immunschwächekrankheit Aids, mit der es sich in reichen Ländern inzwischen lange leben lässt, die in Kenia dagegen nach wie vor ein frühes Todesurteil bedeutet.

Sich um Waisen wie Victor, Gloria, Cornell und Benjamin zu kümmern, ihnen eine Zukunft zu verschaffen, hat sich der in Bergholz-Rehbrücke ansässige Verein Nord-Süd-Partner um deren Vorsitzende Steffi Schatz auf die Fahnen geschrieben. Was mit ihnen sonst passiert wäre? Nachdem auch die Großmutter der Geschwister gestorben war, wären sie auf die „restliche“ Verwandtschaft aufgeteilt worden. Ob sie dann regelmäßig zur weit entfernten Schule gegangen wären. Wer weiß.

Die Waisen leben bei einer Pflegemutter

Nun leben die Waisen bei einer (vom Verein bezahlte) Pflegemutter in einer neu errichteten, gefliesten, mit Strom ausgestatteten Rundhütte. Die Schule ist nur wenige Gehminuten, vorbei an Mangrovenbäumen und Erdnussfeldern, entfernt. Die Lebensverhältnisse zuvor – katastrophal: „Mitten in der Hütte der Oma befand sich ein Termitenhügel“, erzählt Steffi Schatz. Für die Kinder gehe es „ums Überleben“. Seitdem die promovierte Zahnärztin 2011 das erste Mal in Kenia für die humanitäre Hilfsorganisation „Dentists for Africa“ die zahnmedizinische Versorgung in Kenia unterstützte, lassen das ostafrikanische Land und seine Bewohner die 49-Jährige nicht mehr los. Weitere Einsätze für „Dentists for Africa“ brachten sie in die westkenianische Region Teso, dort lernte sie kenianische Kollegen kennen und gründete zunächst einen Verein vor Ort, um ein Kinderheim aufzubauen.

Vier Rundhütten werden gebaut

Irgendwann erzählte Steffi Schatz ihrer Freundin und Patientin Silke Mross (52) von ihrem Vorhaben, in Teso ein Kinderheim aufzubauen. Deren spontane Reaktion: „Ich mache mit!“ Also übernahmen die beiden Frauen den Verein Nord-Süd-Partner von den einstigen Vordermännern Jürgen Leskin und Hans Schröder, bewahrten ihn vor der drohenden Auflösung. Um Fördergelder beantragen zu können, braucht es Vereinsstrukturen. So bewilligte die Stiftung Nord-Süd-Brücken eine Anschubfinanzierung in Höhe von knapp 15 000 Euro. Weitere 5000 Euro musste der Verein als Eigenanteil aufbringen. Davon wurden vier Rundhütten in traditionellem Stil errichtet, die künftig 24 Kinder beherbergen sollen. Der Stil der kenianischen Helfer – manchmal gewöhnungsbedürftig. „Wenn ein Haus gebaut ist, dann wird ein Huhn als Opfergabe geschlachtet“, erzählt die in der Erwachsenenqualifizierung tätige Silke Mross. „Als wir das nicht wollten, wurde nicht weitergebaut. Im Dach wäre ein Loch geblieben.“ Letztlich wurde dann doch ein Huhn gekauft und die Hütte fertig.

Als Blondine in Kenia (ein bisschen fühlt man sich an den Bestseller „Die weiße Massai“ erinnert) fällt man auf. Hat sie sich dort jemals unwohl gefühlt? „Ich werde respektiert, – umso mehr, wenn man ein bisschen die Sprache spricht“, sagt Steffi Schatz, die Kisuaheli büffelt.

Sie möge die „Ursprünglichkeit, Leichtigkeit, dieses im-Moment-sein“ in Kenia. Auch ihre drei Kinder (12, 20, 23 Jahre) hat die Zahnärztin schon mitgenommen, mit ihrer Kenia-Leidenschaft angesteckt. Sohn Ludwig unterrichtete nach dem Abitur sogar einige Wochen Englisch an der Schule. Es gehe nicht allein darum, die Waisenkinder mit Essen und einem Zuhause zu versorgen. „Wir wollen auch Bildung gewährleisten.“, sagt Steffi Schatz.

Spenden wurden beim Weihnachtsmarkt in Bergholz-Rehbrücke gesammelt, in der Kirchengemeinde. Ein Berliner Rotary-Klub war spendabel. Die Neue Grundschule Potsdam startete zwei große Aktionen für das Projekt, bei denen mehr als 1000 Euro zusammenkamen. Nun wirbt der Verein um Patenschaften. Mit jährlich 500 Euro könne die „gesamte Grundversorgung“ eines Kindes abgedeckt werden, sagt Steffi Schatz. Auch weitere Mitstreiter werden gesucht: „Zeit, Ideen, Geld“ – alles sei willkommen. Denn das Projektdörflein ist noch längst nicht fertig. Geplant seien ein Küchen- und ein Gästehaus, erzählt Silke Mross. Außerdem sollen die Kinder einen gemeinsamen Treffpunkt bekommen. In knapp zwei Wochen reist Steffi Schatz wieder nach Kenia.

Möglich, dass dann schon weitere Kinder in die Rundhütten eingezogen sind.

Teso in Kenia

Das Gebiet Teso, in dem das Kinderheim aufgebaut wird, befindet sich im Westen Kenias. Bis das 2010 war Teso ein District. Dem Internetlexikon Wikipedia zufolge leben mehr als die Hälfte der rund 181 000 Einwohner unterhalb der Armutsgrenze und verdienten weniger als einen Dollar am Tag.

Die Säuglingssterblichkeit lag bei 7,5 Prozent. Etwa jeder vierte Einwohner war HIV-positiv oder an Aids erkrankt.

Angebaut werden vor allem Mais, Bohnen, Hiorse, Tabak, Kaffee, Baumwolle und Zuckerrohr.

Wer beim Verein Nord-Süd-Partner mitmachen möchte, kann sich bei der Vereinschefin Steffi Schatz per E-Mail unter steffi.schatz@t-online.de melden. Willkommen ist jede Art von Hilfe: Zeit, Geld, Ideen. Weitere Infos unter www.facebook.com/Childrens-Home-below-the-hills

 

Von Ricarda Nowak

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