Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Ein Fest für Büchernarren
Lokales Potsdam Ein Fest für Büchernarren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:27 18.03.2018
Von den HOT-Brettern auf die Bühne im Bildungsforum: Schauspieler René Schwittay war erstmals zu Gast beim Lunchpaket. Quelle: Bernd Gartenschläger
Anzeige
Innenstadt

Eine Bibliothekarin wie allzu oft sie im Buche steht – genau, streng, argusäugig – wacht über die Stadtbibliothek Mönchengladbach, als Burkhard Spinnen dort zum ersten Mal durch die Regalreihen streift. Neun Jahre ist er damals alt – und auf einen Schlag schwer verliebt. Heute ist Burkhard Spinnen einundsechzig. Er hat Stipendien und Literaturpreise gewonnen, hat Studenten unterrichtet, war Juryvorsitzender beim berühmten und auch berüchtigten Ingeborg-Bachmann-Preis – und es kribbelt noch immer. „Das Buch“ heißt Spinnens Liebeserklärung an, nun ja: das Buch. Der schmale Band ist eine Hommage ans Schreiben und Lesen und auch an „das Dach über dem Kopf der Bücher“. Dass nun einer kommt und in einer Bibliothek daraus vorliest, ist nicht nur logisch, sondern auch richtig schön.

Die Bibliothek seiner Kindheit steht tief im Westen

René Schwittay – 1978 ebenfalls im Rheinland geboren, Anfang der 2000er in Potsdam zum Schauspieler ausgebildet, seit 2009 fest im Ensemble des Hans-Otto-Theaters – weiß nicht mehr, wie alt er war, als er sich das erste Mal im Labyrinth der Bücher verlor. Die Bibliothek seiner Kindheit steht tief im Westen, in Langenfeld. Dorthin nahm ihn die Mutter, eine glühende Krimi-Leserin, mit. „So richtig büchernärrisch bin ich aber erst viel später geworden, mit Mitte zwanzig ging’s los“, sagt René Schwittay. In der Reihe „Lunchpaket“ im Bildungsforum teilte er am Mittwoch mit gut sechzig Zuhörern seine Begeisterung für den Lese- und Lebensort Bibliothek. Eine halbe Stunde innehalten, zurücklehnen und lauschen – dazu lädt das klügste Haus der Stadt seit beinahe fünf Jahren ein. Mit leisem, aber stetem Erfolg.

René Schwittay nimmt zum ersten – gemessen am Applaus vermutlich nicht zum letzten – Mal auf der Bühne im kargen Veranstaltungsraum Platz. Nebenan im Café klappern die Teller. „Ich freu mich schon auf die Nudeln“, sagt René Schwittay. Vor die Mittagspause hat Nadja Hess, Dramaturgin am Hans-Otto-Theater, allerdings fünf literarischen Kostproben gesetzt. Eine kurze, kurzweilige und anregende Lesung, an deren Anfang und Ende Burkhard Spinnens „Das Buch“ steht, dazu gibt’s einige Zeilen aus „Der Name der Rose“ von Umberto Eco, einige aus Jorge Luis Borges’ „Die Bibliothek von Babel“ und einige aus Matthew Battles’ „Die Welt der Bücher. Eine Geschichte der Bibliothek“. In letztem heißt es, dass eine Bibliothek mehr sei, als ein reines Kuriositätenkabinett: „Sie ist eine Welt für sich, vollständig, aber nie vollendet und immer voller Geheimnisse. Wie eine Welt unterliegt sie dem Wandel der Zeiten, der die Beständigkeit, die die Reihen wohl geordneter Bücher vortäuschen, ins Wanken bringt. Gesteuert vom Willen des Lesers fließen die Bücher aus der Bibliothek heraus und wieder in sie hinein wie Ebbe und Flut.“

Sehr oft zu Gast zwischen den Regalen

An den Gezeiten der Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek dreht René Schwittay selbst munter mit. Der Schauspieler, der dem HOT über den im Sommer anstehenden Intendantenwechsel hinaus treu bleibt, ist laut Bibliotheksdirektorin Marion Mattekat sehr oft zu Gast zwischen den Regalen – „als Nutzer“, wie es im Fachjargon heißt. Aber auch daheim umgibt sich René Schwittay gern mit Büchern. Kniehoch ist gerade der Stapel der Exemplare, die er in der nächsten Zeit unbedingt lesen möchte. Obenauf: „Die Gesellschaft der Singularitäten“ von Andreas Reckwitz, Suhrkamp-Verlag, 480 Seiten. „Aber das wird wohl erst einmal nichts“, sagt René Schwittay: „Ich muss Text lernen!“ Mit „Europa“, dem Soeren- Voima-Stück auf Grundlage der großen Tragödien von Sophokles und Euripides, feiert er am 7. April als König Ödipus Premiere.

Kulturelle und kulinarische Häppchen

Immer am zweiten Mittwoch im Monat präsentieren die Stadt- und Landesbibliothek, die Volkshochschule und die Wissenschaftsetage um 12.30 Uhr das Lunchpaket – eine Veranstaltungsreihe mit kulturellen und kulinarischen Häppchen aus den Bereichen Musik, Lesung, Bewegung, Digitales und Wissenschaft.

Das nächste Lunchpaket am 11. April widmet sich der Frage: „Was macht der Wolf in Brandenburg?“ Ina Pokorny vom Naturkundemuseum Potsdam erläutert in einem Kurzvortrag, wo und wie Wölfe bei uns leben, und gibt einen Einblick in die aktuelle Forschung zum Thema.

Am 9. Mai geht es um Max Baur, den Fotografen der Potsdam-Sehnsucht. Am 13. Juni stehen Geschichten vom Abschied auf dem Programm: Dann verabschieden sich Mitglieder des HOT-Schauspiel-Ensemble nicht nur in die Sommerpause, sondern manche auch aus dem Hans-Otto-Theater oder sogar ganz aus Potsdam.

Der Einlass zum Lunchpaket erfolgt jeweils über das Café „Et cetera“ im Erdgeschoss des Bildungsforums Am Kanal 47. Der Eintritt inklusive Mittagsimbiss beträgt 5 Euro. nf

Von Nadine Fabian

Heute ist in Potsdam einiges drin: Man kann zusammen singen, in kulinarischer Erinnerung schwelgen oder quizzen. Dann gibt es hier noch eine Lesung, dort einen Vortrag und da ein Gespräch mit einer Zeitzeugin, die Bedrückendes über einen Knastaufenthalt in der DDR zu erzählen weiß. Ach ja: Zur Sonne kann man auch reisen. Nur Schwimmen im blu geht nicht.

15.03.2018

Sonntagnacht um 3 Uhr hat die Polizei in Potsdam-West einen Fahrrad auf frischer Tat ertappt. Als er die Beamten sah, ließ er das Rad stehen und wollte so tun, als wäre nichts gewesen. Doch die Beamten waren schneller. Nun sucht due Polizei den Besitzer des grauen Herrenrads.

14.03.2018

In die Suche nach den Tierquälern, die in Potsdam mehreren Tauben schwer verletzt haben, hat sich die Tierrechtsorganisation Peta eingeschalten. Die AG Potsdamer Stadttauben, der Verein „Animals care“ und Peta setzen 1600 Euro für Hinweise auf den oder die Täter aus.

14.03.2018
Anzeige