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Ein Glaspalast mitten im Lokzirkus

Babelsberger Industriedenkmal Ein Glaspalast mitten im Lokzirkus

Das Industriedenkmal an der Wetzlarer Straße hatte seine großen Hollywood-Momente. Für den Politthriller„The International“ verwandelte sich die Halle 2009 in den Nachbau des New Yorker Guggenheim-Museums. Irgendwie passend, dass sich jetzt Kreative aus der Medien- beziehungsweise IT-Branche dort ansiedeln soll. Ihr Arbeitsplatz wird außergewöhnlich.

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OB Jann Jakobs (SPD) und Investor Jürgen Wowra (l.).

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Frohbotschaft für eines der wichtigsten Industriedenkmale in Potsdam: Im nächsten Frühjahr kann die etwa zweijährige Sanierung des Lokzirkus an der Wetzlarer Straße beginnen, der 1899/1900 vom Industrielokomotiv-Fabrikanten Benno Orenstein erbaut wurde. Wo einst die Lokomotiven von „Orenstein & Koppel“ produziert wurden, sollen künftig hauptsächlich Kreative aus der Medien- oder IT-Branche an neuen Projekten tüfteln. Eine Art „Glaspalast“ für die Büroräume soll im Inneren der riesigen Halle gebaut werden.

Für Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) kommt das Vorhaben „genau zur rechten Zeit“, wie er am Mittwoch erklärte: „Wir brauchen dringend räumliche Kapazitäten, damit uns Firmen nicht verloren gehen und nach Berlin abwandern.“

Die Planzeichnungen für das Projekt

Die Planzeichnungen für das Projekt. Unten mit dem Neubau.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Geplant ist zudem ein Bed & Bike-Hotel für Radtouristen. Und: Gleich neben dem Denkmal soll ein Neubau mit weiteren Büroräumen und einer Tiefgarage für 160 Autos entstehen, die beide Gebäude verbindet. Auch der klangvolle neue Name für den altehrwürdigen Lokzirkus ist schon gefunden: „Paradome“.

Jahrelang hatte der Bau mit dem riesigen Kuppeldach als extremer Ladenhüter im Gewerbe im Park (GiP) an der Wetzlarer Straße gegolten, bis sich im Herbst 2016 endlich ein Käufer fand. Jürgen Wowra ist der Inhaber und Geschäftsführer des Traglufthallen-Produzenten Paranet-Deutschland mit Hauptsitz in Berlin. Gemeinsam mit Jakobs präsentierte er am Mittwoch die konkreten Ausbau- und Gestaltungspläne.

Bei der ersten Vorstellung der Pläne im Herbst 2016

Bei der ersten Vorstellung der Pläne im Herbst 2016.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Das markante Bauwerk samt den anliegenden Shedhallen mit ihren kleinen Satteldächern wird ein Mix aus Alt und Modern. Höhepunkt der Halle ist das Kuppeldach mit einer Spannweite von 48 Metern, das weit und breit seinesgleichen sucht. Bei der Vorstellung der ersten Pläne im Herbst wollte die Paranet das Wahrzeichen noch mit einer Membrankonstruktion schließen.

Industriedenkmal mit Hollywood-Flair

Der Lokzirkus an der Wetzlarer Straße hatte auch seine großen Hollywood-Momente. Für den Politthriller„The International“ verwandelte sich die Halle 2009 in den Nachbau des New Yorker Guggenheim-Museums. In den 1990er Jahren machte die TV-Sendung „Bios Bahnhof“ hier Station.

Im Oktober 2016 wurden die ersten Pläne zur Sanierung des Baus vorgestellt. Mittlerweile sind die Unterlagen für die Bauanträge bei der Bauaufsicht abgegeben worden, erklärte Investor Jürgen Wowra gestern.

Die Sanierung wird in zwei Abschnitten erfolgen. Allein die runde Halle des Lokzirkus hat 2000 Quadratmeter. Die Glas-Stahl-Konstruktion in der Mitte des Raumes wird im zweiten Abschnitt gebaut.

Nach neuesten Planungen soll das Kuppeldach nun offen bleiben, so dass sich nur noch die Stahlstreben wie ein filigranes Korsett über dem Lokzirkus wölben. „Von oben sieht das aus wie ein indisches Mandala“, erklärte Paranet-Mitarbeiter Raphael Hock zur Veranschaulichung. In die Mitte der Halle wird ein riesiger zylindrischer Stahl-Glas-Bau – Bruttogeschoßfläche 1800 Quadratmeter – gesetzt. Er reicht vier Geschosse hoch bis hin­auf zum Kuppeldach. Die oberen Etagen sind dann von draußen durch das Stahlgerippe hindurch sichtbar.

Auch die zwei Rolltreppen und sechs Fahrstühle, die von der rundumlaufenden Begegnungsfläche hinaufführen, werden in dem gläsernen Look gehalten sein.

Der futuristisch anmutende Büroturm soll aber erst in einem zweiten Bauabschnitt entstehen. Im ersten Abschnitt geht es zunächst um die Sanierung und den Ausbau der Halle, die für alle Potsdamer offen stehen soll. „Sie wird eine Begegnungsstätte mit Restaurant und Cafeteria und anderen Angeboten sein“, verspricht Wowra.

Die Decke im Lokzirkus

Die Decke im Lokzirkus.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Wellness-Oase und Sauna sind für jene Reisenden gedacht, die im Hotel im zweiten Stockwerk der umlaufenden Shedhallen absteigen. Zu einem möglichen Betreiber für das Hotel mit etwa hundert Zimmern wollte sich Wowra gestern nicht äußern – derzeit würden Gespräche mit mehreren Interessenten laufen.

Im Erdgeschoss der Shedhallen sollen weitere Büroräume untergebracht werden. Ab Herbst will Wowra auf Mietersuche gehen, sobald klar ist, wie die Raumaufteilung aussieht. Bis zu 200 Mieter sind theoretisch möglich.

Den Neubau westlich des Lokzirkus wird Paranet – Experte für die Überdachung von Sportplätzen und Schwimmhallen – zum Teil selbst nutzen, um hier den firmeneigenen Modellbau, die Entwicklungsabteilung und Teile des Ingenieurwesens anzusiedeln.

Beim Finanzvolumen hat das Projekt Lokzirkus einen kräftigen Sprung nach oben gemacht. Sollten ursprünglich nur zehn Millionen Euro investiert werden, sind nun 45 Millionen veranschlagt – Eigenkapital plus Bankkredite. Als Grund für die satte Steigerung nennt Wowra zusätzliche Vorhaben: So waren anfangs weder das Stahl-Glas-Gebäude in der Halle noch die Tiefgarage und der Neubau eingeplant.

Von Ildiko Röd

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