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Ein Handy aus Beton

Treffpunkt Freizeit in Potsdam Ein Handy aus Beton

Ein mannshohes Handy und eine abgenagte Fischgräte aus Beton sind die ersten Objekte eines Unterwasserspielplatzes im Garten des Treffpunkts Freizeit in Potsdam. Im Laufe der Zeit sollen weitere fiktive Funde vom Grund des benachbarten Heiligen Sees hinzu kommen, die einen historischen Bogen vom Barock bis in die Gegenwart spannen.

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Der Unterwasserspielplatz im Garten des Treffpunkts Freizeit soll wachsen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Ein riesiges Handy mit leerem Display steht im Garten des Treffpunkts Freizeit neben auf dem Boden ausgebreiteten knorrigen Stämmen aus Eichenholz. Weiter vorn, dicht bei der Gartenbank, liegt eine gewaltige abgenagte Fischgräte mit Schwanzflosse, die wie das Handy aus massivem Beton gefertigt ist. Dieser bei Kindern und Jugendlichen als Treff beliebte Abenteuerspielplatz ist der Anfang einer Unterwasserwelt, deren Vollendung allerdings noch völlig offen ist.

Eröffnet wurde das Projekt 2011 nach der Übernahme des Treffpunkts durch das Bürgerhaus am Schlaatz, das die traditionsreiche Einrichtung gemeinsam mit dem Verein Potsdamer Betreuungshilfe und den Potsdamer Kunstgenossen betreibt, mit einem Workshop mit jungen Nutzern zur Gestaltung der Grünanlagen. Vor dem Haus errichtete die Künstlerin Annette Messig schließlich einen Planetengarten. Neben dem Gebäudetrakt legten sie einen Bolzplatz an. Auf der großen Freifläche zwischen dem Treffpunkt und dem Heiligen See aber sollte im Laufe der Jahre eine Landschaft mit fiktiven Funden vom Grund des Sees wachsen.

Die Idee hatten der neue Pädagogische Leiter des Hauses, Uwe Rühling, und der Potsdamer Künstler Jörg Schlinke entwickelt. Schlinke spricht von einer Zeitreise durch die Potsdamer Geschichte, die sich erzählt „über die Dinge,

Jörg Schlinke (l) und Uwe Rühling im Display des Handys

Jörg Schlinke (l.) und Uwe Rühling im Display des Handys.

Quelle: Volker Oelschläger

die da unten liegen“ – vom Barock über Klassizismus und Biedermeier bis zum Nationalsozialismus, zur DDR und schließlich zur Gegenwart: „Über die Gebrauchsgegenstände lernst du die einzelnen Epochen kennen.“ In Werkstattrunden mit Kindern sollten Dinge ausgesucht werden, „die da unten liegen könnten“. Und dann „entwickeln wir Spielgeräte daraus“.

In einem ersten Schritt wurde 2012 Eichenholz angeliefert, das entrindet, geglättet und als Spiel-, Sitz- und Klettergerät ausgebreitet wurde. Nebenbei gab es den ersten Workshop, so Schlinke: „Wir haben die Kids gefragt, was da auf dem Grund liegen soll. Sie wollten ein Handy haben. Deshalb steht da nun ein Handy.“ Das Display wurde zum Klettern freigelassen, komplettiert wird die tief in den Boden gesetzte Konstruktion mit einem Stützgerüst aus Eiche.

Zweiter Unterwasserfund ist die abgenagte Fischgräte mit der großen Schwanzflosse. Finanziert wurde der Auftakt aus „Restmitteln“, so Rühling. Er hofft, dass der Unterwasserspielplatz im kommenden Jahr weiter wachsen kann. Dafür werden nun Sponsoren gesucht.

„Ideen gibt es viele“, sagt der Clubchef, der Bedarf sei „enorm.“ Vorstellbar seien selbst Schaukeln und Rutschen. Die Materialkombination mit Holz und Beton sei auch mit Blick auf den Neuen Garten gleich nebenan „charmant, weil sie nicht so aufdringlich ist“. Das Tor vom Unterwasserspielplatz zum Uferwanderweg am Heiligen See sei immer geöffnet.

Info www.treffpunktfreizeit.de,Tel.
Tel. Tel. 0331/50 58 600

Geschichte des Treffpunkts Freizeit

Der Treffpunkt Freizeit am Neuen Garten 64 wurde von 1950 bis 1953 nach Entwürfen des Bauhausschülers Thomas Flake errichtet. Ursprünglich als Clubhaus für die Freie Deutsche Jugend (FDJ) geplant, wurde in dem Gebäudekomplex im März 1953 das “Haus der Jungen Pioniere“ eröffnet.

Nach dem Mauerfall wurde das Haus von den Mitarbeitern unter dem neuen Namen Treffpunkt Freizeit zunächst als kommunale Einrichtung weiter geführt.

Wegen hoher Betriebskosten und erheblichen Sanierungsbedarfs sollte der Treffpunkt 1998 geschlossen werden. Bei einem Bürgerbegehren für den Erhalt kamen mehr als 18 500 Unterschriften zusammen – 17,9 Prozent der Stimmberechtigten.

Nach der Sanierung wurde der Treffpunkt zunächst von den Malteser Werken übernommen. Im Januar 2011 übernahm die Kubus GmbH, die auch das Bürgerhaus am Schlaatz betreibt, den Treffpunkt gemeinsam mit dem Verein Betreuungshilfe Potsdam und den Potsdamer Kunstgenossen.

Der Treffpunkt Freizeit hat bei sechs festen Mitarbeitern und rund 60 ehrenamtlichen Helfern jährlich rund 90 000 Gäste. Zu den namhaftesten Nutzern zählen der Fanfarenzug Potsdam und das Kindermusiktheater Buntspecht.

Von Volker Oelschläger

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