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Potsdam Ein Kosmopolit zwischen Marmite und Whisky
Lokales Potsdam Ein Kosmopolit zwischen Marmite und Whisky
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18:27 14.12.2016
Keith Peckham hat keine Scheu vor britischen Klischees – solange sie den Verkauf fördern. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Keith Peckham lebt nicht nur im Paradies, er verwaltet es gleichermaßen. Ein Paradies, das vielleicht nur für eine ganz bestimmte Zielgruppe eines ist, aber damit können beide Seiten offenbar gut leben: Peckham verkauft mit seinem Geschäftspartner Michael Hitchmann in der Dortustraße 53 vorwiegend britische, aber auch einige amerikanische Lebensmittel. All die Dinge, auf die der England-Fan in Deutschland verzichten muss, will er nicht dauernd Freunde auf der Insel um Care-Pakete anbetteln, stehen bei Keith Peckham im Regal, als seien sie ganz selbstverständliche Supermarktware hier in Deutschland.

Dabei ist das meiste davon nur im Laden zu erwerben – selbst das Berliner KaDeWe hat ein kleineres Sortiment britischer Delikatessen: den guten Colman’s Senf mit der Extraportion Essigsaaten, der ihn so viel kräftiger macht; Marmalade, die typisch britische Orangenmarmelade mit den Schalenstückchen, die so unnachahmlich bitter-süß schmeckt (machen Sie nie den Fehler, in England Erdbeermarmelade zu bestellen, warnt Peckham, „marmalade“ ist immer mit Orangen, der Rest ist „jam“); oder Marmite, jener dunkelbraune Brotaufstrich aus Hefen, der seit seiner Erfindung 1902 selbst die Briten durch seinen starken, beißenden Geschmack spaltet: „Love it or hate it“ – Liebe es oder hasse es, ist der Verkaufsslogan seit Jahren.

Wer nun annimmt, hier versorgten sich hauptsächlich „Expats“, also im Ausland lebende Briten mit den heimischen Produkten, der irrt: „Expats“ bildeten die Minderheit unter den Käufern, die meisten seien Deutsche, die die Speisen und Getränke im Urlaub kennen und lieben gelernt haben. „Doch, doch, das gibt es“, sagt Peckham lächelnd. Man könne sich in britische Produkte auch abseits von Whisky oder Tee verlieben. Das Klischee vom „schlechten Geschmack“ der Briten hält er für falsch, der Brite habe nur eine andere Tradition, er bevorzuge kräftige Geschmäcker und reichhaltige Mahlzeiten. „Doch auch unsere Küche ist ja von anderen Kulturen, insbesondere der indischen, mitgeformt“, betont er. Allgemein gelte, so Peckham: kräftig, würzig, schwer oder auch scharf verzücke die britische Zunge.

Mit Ausnahme der berühmten Plum Puddings, Fruchtkuchen im Pastetenteig, gebe es kaum adventstypische Produkte, obwohl die „German Weihnachtsmarkt“-Tradition gerade die Insel erobere und viel Zulauf erhalte, weiß der Ladeninhaber, dem die Anekdoten nie auszugehen scheinen. Peckham selbst ist gebürtiger Londoner, verließ die Heimat aber schon früh, um nach einem Umweg über Afrika 1977 in Deutschland zu landen. Das Geschäft ist für ihn – „ick bin längst Rentner“ – eher ein liebes Hobby, für seinen Kompagnon indes der „Brotberuf“. Seit zwölf Jahren existiert der Laden, seit sechs Jahren in der Dortustraße – Zeit, einen festen, unverzichtbaren Stammkundenstamm aufzubauen. Da es 80 Prozent seiner Produkte nirgendwo sonst in Deutschland gebe, pendelten auch viele Berliner zum Großeinkauf dorthin. Seit einigen Jahren verkaufen die Briten auch im Internet, der Umsatz aus dem Shop ist aber nach wie vor höher oder etwa gleich. Peckham selbst wohnt übrigens in Teltow, hat eine ungarische Frau, die in der singapurischen Botschaft arbeitet. „Sie sehen, ich bin Kosmopolit“, sagt er und lächelt schon wieder. Seine liebsten Produkte sind das herbe Hobgoblin-Bier, Scones aus Cornwall mit „Clotted Cream“, ein Gebäck mit leckerer klumpiger Milch und natürlich Minzsoße, die der Brite zu fast allem essen kann.

Vor der Tür prangt ein Gemälde mit einer Szene aus „Dinner for one“, das bekanntlich in Großbritannien weithin unbekannt ist. „Solange die Besucher das nicht wissen, passt es doch hervorragend zum britischen Flair hier“, sagt Peckham, der längst Fan des Sketches ist, und bringt schon wieder dieses sanfte Lächeln, das nur Briten können: „Es entspricht unserem Dasein hier.“ Wenn’s dem paradiesischen Gefühl hilft, ist alles willkommen.

Von Jan Bosschaart

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