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Ein Landesvater im Volkspark

Matthias Michel bittet in Potsdam in die Jurte Ein Landesvater im Volkspark

Diese Behausung aus Schafwollfilz, Weidenholzgerüst, Baumwolldecken und groben Stricken hat es Matthias Michel angetan. Seit seinem Besuch in Kirgisien vor acht Jahren stand für den gebürtigen Lausitzer fest, so eine Jurte muss er haben. Nur zwei Jahre später konnte er das Haus der Steppen-Nomaden aufstellen – im Winter steht sie im vorderen Teil des Volksparks.

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Matthias Michel, der „Landesvater des Nomadenlandes“, bringt ein traditionelles Schmuckband an seiner Jurte – hier noch am Winterstandort vor der Biosphäre – an.

Quelle: Marcel Kirf

Bornstedt. Die Geschichte des „Nomadenlandes“ im Volkspark Potsdam beginnt in den Weiten Kirgisiens. Im August 2008 bereiste Matthias Michel den zentralasiatischen Binnenstaat, der auch Kirgistan oder Kirgisistan genannt wird. Inmitten der grünen Ewigkeit der kirgisischen Steppe fand ein kleiner Junge Gefallen an Michels Stirnlampe und wollte sie kaufen. Michel schenkte sie ihm. Und bekam im Gegenzug eine traditionelle Wollfilzmütze – sowie eine Einladung in die elterliche Jurte.

Eine Jurte als Ort der Entspannung

Die traditionellen Zeltbauten der Steppen-Nomaden hatten es ihm sofort angetan. Zwar kann man die urtümliche Atmosphäre des Herkunftsortes, die beeindruckende Natur und die herzliche Gastfreundschaft der Menschen nicht mitnehmen, doch sein Plan stand schnell fest: Michel wollte eine Jurte in Potsdam aufstellen. Als „Ort der Entspannung, als Rückzugsort, für eine Auszeit vom Alltag“, wie er noch heute schwärmt.

Über ein paar Ecken gelangt das Original nach Potsdam

In seinem damaligen Job war der gebürtige Lausitzer schon länger nicht mehr zufrieden, nach dreizehn Jahren als angestellter Systemelektroniker stieg er aus. Und konzentrierte sich – neben Reisen in die von ihm so geliebten Berge – auf die Anschaffung einer original kirgisischen Jurte. Das war im Jahre 2010. Die auch international in die Schlagzeilen geratenen Unruhen und der Regierungssturz im selben Jahr schienen ihm zunächst einen Strich durch die Rechnung zu machen. Eine Reise ins Krisengebiet kam nicht in Frage. Doch über ein paar Ecken kam er schließlich doch noch an eine authentische Jurte aus der Region, traditionell gefertigt aus Naturmaterialien: Ein Gerüst aus Weidenholz und Birke, abgedichtet mit Schafwollfilz, Baumwolldecken und zusammengehalten mit groben Stricken. Im Herbst 2010 hatte Michel auch einen idealen Platz gefunden. In der Nähe der Biosphäre steht seine Jurte während der Wintersaison nun im Großer Wiesenpark genannten, im von der Innenstadt aus gesehen vorderen Teil des Volksparks.

Während der Sommermonate zieht er etwas weiter in den Norden. Gerade hieß es wieder: umziehen! Seit Ostern steht die Jurte im hinteren Teil des Volksparks, der nach der Vierecksremise benannt Remisenpark heißt.

Demnächst im Nomadenland

Geöffnet hat das Nomadenland samstags und sonntags 13 bis 18 Uhr. Zu diesen Zeiten sind im Angebot: Baumklettern, Slacklinen und die beliebten Märchenstunden. Für Durstige und Hungrige gibt’s ein kleines, feines Getränke- und Snackangebot. Termine nach Vereinbarung sind auch möglich.

Am 2. und 3. April verlässt das Nomadenland seinen Winterstandort an der Biosphäre und zieht zurück auf die Sommeralm im Remisenpark. Von 10 bis 17 Uhr können Interessierte beim Aufbau der Jurten zuschauen. Matthias Michel gibt auch gern Auskunft über die traditionelle Bauweise. Achtung: Der Umzug findet nur statt, wenn es nicht regnet!

Zur letzten Märchenstunde am Winterstandort bittet das Nomadenland am 3. April. Um 16 Uhr ist dann „Das Mädchen aus dem Lorbeerbaum“ kennenzulernen (für Kinder ab 6 Jahre). Der Eintritt kostet für Kinder 4 Euro (zuzüglich Parkeintritt) für Erwachsene 6 Euro. Weitere Infos gibt’s direkt bei Matthias Michel 0176/30005151.

Im Inneren des sechs Meter im Durchmesser großen Rundbaus hat Michel, der sich scherzhaft als „Landesvater des Nomadenlandes“ bezeichnet, flache Bänke aufgestellt. „Weil viele nicht auf dem Boden sitzen wollen“, begründet er das Abrücken von der Originaleinrichtung, „hier haben ja alle Rücken.“ 27 Menschen haben so Platz in der Jurte, ohne Tische und Bänke wäre Raum für 40. Mit Märchenlesungen und Berichten über die nomadische Steppen-Kultur Zentralasiens hat Matthias Michel sein „Nomadenland“ zu einer Attraktion des Volksparks gemacht. Am 16. April wird in der Jurte wieder Nouruz gefeiert, das traditionelle Neujahrsfest der Region. „Das ist immer wie ein kleiner Staatsbesuch“, erzählt Michel aus den Vorjahren, „auch für dieses Mal hat sich der Botschafter bereits wieder angekündigt.“

Eine Sonderanfertigung aus der Steppe

In den sechs Jahren, die es das „Nomadenland“ nun gibt, ist die Zahl der Vermietungen für alle Arten von Festen kontinuierlich gestiegen. „Besonders die wissenschaftlichen Institute haben oft einen Bezug zum Land oder wollen einfach in dieser einmalig anderen Atmosphäre feiern“, so der „Landesvater“. Derzeit lässt er in Kirgisien eine weitere, größere Jurte bauen: neun Meter Durchmesser, 63 Quadratmeter, Platz für rund 60 Personen. Gemeinsam mit den beiden Kinderjurten in seinem Besitz kann Matthias Michel dann wirklich bald seine eigene kleine Jurten-Republik ausrufen.

Von Marcel Kirf

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