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Ein Leben für die Kirchenmusik

Zur Erinnerung an die Potsdamer Organistin Johanna Schell Ein Leben für die Kirchenmusik

Johanna Schell ist tot. Die weit über die Grenzen der Stadt bekannte Organistin und Chorleiterin der Gemeinde St. Peter und Paul verstarb – wie erst jetzt bekannt wurde – am 12. Februar in Potsdam. Sie wurde 89 Jahre alt. Für die Kirchenmusik im Erzbistum Berlin hat sie sich auch als Leiterin der C-Organistenausbildung und Orgelsachverständige größte Verdienste erworben.

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Johanna Schell

Quelle: Foto: privat

Potsdam. Geboren und aufgewachsen in Erfurt, erhielt Johanna Schell ihren ersten Orgelunterricht beim damaligen Domorganisten Heinrich Stockhorst. Nach ihrem Abitur trat sie 1947 ein Studium der Kirchenmusik an der Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg an, das sie 1951 mit dem Staatsexamen abschloss. Bereits während des Studiums wirkte Johanna Schell als Organistin in der Gemeinde St. Canisius in Berlin-Charlottenburg. 1950 wurde ihr die Stelle als Organistin und Chorleiterin an der Gemeinde St. Peter und Paul in Potsdam angeboten. Sie blieb diesem Amt 37 Jahre lang bis zu ihrer Pensionierung treu. Ihren Wohnsitz in West-Berlin gab sie auf und zog in die DDR, da es für sie selbstverständlich war, in der Gemeinde zu leben, in der sie arbeitete.

1954 begann Johanna Schell ein Studium der Musikwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Im Juli 1961 – nur wenige Tage vor dem Bau der Mauer – verteidigte sie ihre Promotion mit dem Thema „Ästhetische Probleme der Kirchenmusik im Lichte der Enzyklika Papst Pius XII“. Da durch die Teilung der Stadt im Ostteil des Bistums Berlin plötzlich keine kirchenmusikalische Ausbildung mehr möglich war, wurde Johanna Schell gebeten, die C-Ausbildung für Organisten zu übernehmen. Sie übte auch dieses für die katholische Kirchenmusik in Berlin so wichtige Amt bis 1998 zuverlässig und souverän aus. Rund 150 Schüler sind im Laufe der Jahre durch diese Ausbildung gegangen, viele davon spielen heute regelmäßig Gottesdienste. In der gleichen Zeitspanne von 1961 bis 1998 war Johanna Schell als Orgelsachverständige des Bistums tätig. Auch organisierte sie zahlreiche Tagungen für katholische Kirchenmusiker in der DDR.

Nicht vergessen werden dürfen die großen künstlerischen Leistungen Johanna Schells als Organistin. Sie erarbeitete sich ein sehr großes Repertoire, das sie in den Gottesdiensten und in zahlreichen Konzerten darbot. Für ihr Lebenswerk wurde sie sowohl von der Kirche als auch vom Staat geehrt, so mit dem päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ und der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Von MAZ-online

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