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Ein Leben in der Backstube

Babelsberg Ein Leben in der Backstube

Mit Brötchen verdient er sein Geld. Das Herz schlägt mehr für Kuchen und Torten. Michael Schmidtke ist Bäcker aus Leidenschaft und das schon sein ganzes Leben lang. Am Dienstag feiert er 45-jähriges Meisterjubiläum. Mit der MAZ erinnert er sich an Höhen und Tiefen der letzten 50 Jahre und verrät, was in seiner Backstube heute besonders gefragt ist.

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Michael (68) und Sohn Christian (37) Schmidtke vor ihrer Bäckerei in der Babelsberger Anhaltstraße.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Sein Leben könnte sich Michael Schmidtke ohne das Backen gar nicht vorstellen. Brötchenteig, Kuchenstreusel und heiße Ofen gehörten von Kindesbeinen an zu seinem Alltag. „Ich bin in der Backstube groß geworden“, sagt der Bäcker, der am Dienstag sein 45. Meistejubiläum feiert. Dabei wollte er früher wie die meisten kleinen Jungs eigentlich Feuerwehrmann werden. Irgendwann in der Schulzeit siegte dann aber doch die offenbar angeborene Leidenschaft.

Viele gute Gründe fürs Bäckerhandwerk

Die Liebe fürs Backen war aber nicht die einzige Motivation für Michael Schmidtke. Er kennt auch vernünftige Gründe, die für seinen Traumberuf als Bäcker sprechen. „Im Winter ist es immer schön warm. Im Sommer hat man zeitig Feierabend und kann das Wetter genießen“, erklärt der Jubilar, „außerdem begeistert mich das kreative Arbeiten.“

Deshalb war schon nach dem Abschluss der 8. Klasse klar, dass Schmidtke irgendwann den Betrieb seines Vaters und Großvaters übernehmen sollte. Die Ausbildung absolvierte er allerdings nicht im Betrieb der Familie. „Woanders lernt man einfach mehr“, erklärt er. Die Ausbildung und einige Jahre Berufserfahrung waren jedoch erst die halbe Miete für die Übernahme der Traditionsbackstube. Um an der Meisterschule 1971 teilnehmen zu können, musste der Potsdamer den Abschluss der 10. Klasse in der Abendschule nachholen. 1975 übernahm Schmidtke schließlich – nach zwei Jahren harten Kampf um die Zulassung seiner Selbstständigkeit – den Betrieb.

Früher war nicht alles schlecht – aber auch nicht alles besser

In seiner ersten Ära als Backstubenchef zu DDR-Zeiten lernte er dann die Höhen und Tiefen im Beruf schnell kennen. „Damals konnten wir backen soviel wir wollten, abends waren die Regale immer leer“, erinnert er sich. 700 verkaufte Brote waren zum Wochenende keine Seltenheit. Heute ist das anders: inzwischen könne man mit 150 verkauften Broten am Tag zufrieden sein, sagt er.

Dafür hat die Gegenwart aber auch einige Vorteile. Zutaten satt zum Beispiel. Die Zeiten, in denen die Backstube in der Weihnachtszeit ohne Mandeln und Rosinen auskommen musste, sind ebenso lange vorbei wie der Einsatz von grünen Tomaten als Zitronatersatz oder von Erbsen als Notbehelf für fehlendes Persipan.

Die Wende sorgte für Überraschungen

Die Zeit nach der Wende brachte dann noch einmal andere Überraschungen für den Bäckermeister mit sich. „Auf einmal wollten alle große Brötchen, weil sie das in Berlin so gesehen hatten“, erzählt der 68-Jährige, der deshalb extra Seminare zu neuen Teigarten und Knettechniken in der Bundeshauptstadt besuchen musste. Schon nach wenigen Monaten hatten sich die Kunden wieder umentschieden und wollten die DDR-Schrippen zurück.

Lieber Kuchen und Torten als Brot und Brötchen

Im Jahr 2017 muss die Bäckerei Schmidtke nun vor allem vielseitig sein, denn der Kunde kennt inzwischen alles und verlangt eine bunte Mischung im Sortiment. Zwei Semmelsorten wo früher eine reichte, muss der Meisterjubilar nun backen und täglich zehn verschiedene Brotsorten genauso wie ein ständig wechselndes Kuchenangebot hinter der Glasscheibe. Darum kümmert sich der Meister übrigens persönlich. Denn: „Am liebsten backe ich Kuchen, weil man da viel mehr spielen kann als bei Brot und Brötchen“, erklärt er und fügt schmunzelnd an, „außerdem bin ich ein leidenschaftlicher Kuchenesser.“ Tipps holt er sich beispielsweise auf Geburtstagen von den Hausfrauen, die noch selbst backen, oder in alten Rezeptbüchern seiner Familie.

Von Victoria Barnack

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