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Ein Mann, auf den Potsdam bauen kann

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Ein Mann, auf den Potsdam bauen kann

Roland Schulze hatte einen Traum: Kirchen retten. Als er 1989 seine Firma gründete, gab es in Potsdam nur drei private Betriebe. Dann fiel die Mauer, niemand interessierte sich mehr fürs Restaurieren. Doch Schulze blieb sich treu. Heute ist er der gefragteste Baudenkmalpfleger der Region. Für sein Engagement ehrt ihn Potsdam mit dem Eintrag ins Goldene Buch.

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Roland Schulze (59) hat seinen Betrieb für Baudenkmalpflege im November 1989 gegründet. In Potsdam gibt es kaum ein historisches Gemäuer, an das er nicht Hand angelegt hat.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Es gibt sicher nur wenige Ehepaare in und um Potsdam, die einen Pakt über Putz und Fugen geschlossen haben. Einen Pakt, der Ruhe und Frieden im Urlaub und nach Feierabend garantiert. Roland und Regine Schulze sind so eine Abmachung eingegangen. Denn Roland Schulze kann es sonst nicht lassen. Ob in der Heimat oder auf Reisen. Ob Backstein, Marmor oder Stuck. Ohne Unterlass sucht sein Blick nicht nur das Schöne, sondern immer auch die Schäden und Schwachstellen – sucht das, was zu reparieren und rekonstruieren ist.

Roland Schulze – 59 Jahre alt, Vater zweier Söhne, bald zweifacher Großvater – ist der erfolgreichste und gefragteste Baudenkmalpfleger in Potsdam und darüber hinaus. Er bewahrt historische Gemäuer für kommende Generationen. „Schreiben Sie bloß nicht ,retten’ – das klingt so pathetisch“, sagt Roland Schulze. Kirchen, Villen, Brunnen, Treppen, prächtig verzierte Fassaden und Balkone: Wohin auch immer man in Potsdam schaut, man wird dabei immer auch einen „Schulze“ erwischen.

Beispiel gefällig? Roland Schulze und seine Leute haben den Pomonatempel auf dem Pfingstberg rekonstruiert, das Fortunaportal aufgebaut, die Gotische Bibliothek abgetragen und gerade gerückt. Sie haben die Villen Jacobs, Henckel und Schöningen und die Meierei wieder erstehen lassen, haben die Stadtmauer und den Einsteinturm gesichert und warten alle öffentlichen Denkmäler in der Landeshauptstadt. Im Ehrenamt hat Roland Schulze zudem den Wiederaufbau der Kirche am Neuendorfer Anger und des Winzerberges vorangetrieben – viele sagen, überhaupt erst möglich gemacht.

Die Kirche am Neuendorfer Anger ist ein leuchtendes Beispiel für Roland Schulzes Engagement, für sein Geschick und seine Geduld

Die Kirche am Neuendorfer Anger ist ein leuchtendes Beispiel für Roland Schulzes Engagement, für sein Geschick und seine Geduld.

Quelle: Friedrich Bungert

Für sein Geschick, seine Geduld und sein großes Engagement, das über das Geschäftliche hinausgeht, wird Roland Schulze am heutigen Samstag eine besondere Ehre zuteil: Er darf sich ins Goldene Buch der Stadt einschreiben. „Ich glaube, ich bin nur symbolisch ausgewählt worden“, sagt Roland Schulze: „Das wäre doch eine schöne Variante für die Unterschrift: Roland Schulze, stellvertretend für hunderte ehrenamtliche, begeisterte Mitstreiter beim Aufbau der Angerkirche und des Winzerbergs.“

Der Rummel um seine Person ist ihm nichts. Schnell schwenkt er vom Ich zum Wir, lenkt das Gespräch von sich auf die Firma. „Wir machen nur unsere Arbeit“, sagt er zum Beispiel, wenn es um die Bauten geht, an die er – mit oder ohne Auftrag – Hand angelegt hat. Bauten wie die Marienquelle bei Caputh, die zum Hobby geworden ist, weil man so etwas Bezauberndes doch nicht dem Verfall preigeben dürfe.

„Ich erwarte keinen Dank – ich mache so etwas, weil’s für Potsdam gut ist“, sagt Roland Schulze, wird er auf sein soziales Engagement angesprochen. Seit Jahren unterstützt er den Potsdamer Laufclub, die Preußenmeile und den Frauenlauf, er beschert die MAZ-Weihnachtsaktion und fördert ein Schulbauprojekt in Bolivien. Roland Schulze winkt ab. „Ach“, sagt er. Mehr nicht.

Viel lieber spricht er übers Bauen und darüber, dass er und seine Leute es lieben, wenn ein altes Haus es ihnen so richtig schwer macht. „Wir lieben Herausforderungen“, sagt Roland Schulze. „Wenn man nachdenken muss – das hat Charme. Kapituliert wird nicht. Darin besteht ja der Sinn der Firma. Tausend Quadratmeter Glattputz kann jeder.“

Roland Schulze hat das Handwerk des Maurers gelernt und Bauingenieurwesen studiert. Sein großer Traum war immer die Selbständigkeit – um Kirchen zu retten, pardon, zu bewahren. In einer Zeit, in der es in ganz Potsdam nur drei private Betriebe gab, bemühte er sich darum, ein Unternehmen zu gründen. Ein paar Mal blitzte er bei den Behörden ab. Am 1. November 1989 war es dann doch soweit: Er erhielt die Zulassung. Drei Mann hatte er verpflichtet – und stand am 10. November schon wieder alleine da. Die Arbeiter suchten ihr Glück im Westen und Schulze grübelte, ob er es auf einem Terrain, über das im aufbrechenden Osten alle lächelten, weiter versuchen sollte. Restaurieren? Rekonstruieren? Fehlanzeige! „Wer damals nicht für die Telekom buddelte, zog Neubauten hoch oder baute Dachgeschosse aus.“ Schulze blieb er seiner Linie treu. „Ich wollte das durchziehen und hatte die Idee, die besten Handwerker einzustellen, die die DDR übrig gelassen hatte, die Stuckateurgeschichte geschrieben hatten und nun die Betriebshöfe fegten.“ Er suchte, fand und trommelte eine Truppe zusammen, die für ihn bis heute „die perfekte Mischung“ ist: Ein Drittel junge Leute bis 30, ein Drittel Eingearbeitete bis 45, ein Drittel Erfahrene. „Es funktioniert nur, wenn der Junggeselle neben dem Altgesellen steht und ihm auf die Finger guckt“, sagt Roland Schulze. So hält er es bis heute. „Das, worauf es ankommt, steht in keinem Lehrbuch. Das gibt man von Mann zu Mann weiter.“

Festakt in der Angerkirche

Am heutigen Samstag findet in Potsdam der Tag der Städtebauförderung statt.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) eröffnet die Veranstaltung um 14 Uhr in der Kirche am Neuendorfer Anger.

Für ihre Verdienste um die Landeshauptstadt Potsdam tragen sich anschließend Roland Schulze, Andreas Kitschke und Hermann Kremer ins Goldene Buch der Stadt ein.

Andreas Kitschke (62) ist studierter Bauingenieur und engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für Denkmalpflege, baugeschichtliche Forschung und Wissensvermittlung. 2005 berief ihn die evangelische Kirche zum Orgelsachverständigen.

Hermann Kremer (75) stammt aus dem Münsterland. Der ehemalige Gynäkologe hat vor 15 Jahren die „Potsdam-Stiftung Kremer“ gegründet und legte so unter anderem den Grundstein für das Museum in der russischen Kolonie Alexandrowka. Kremer kaufte nach der Wende mehrere desolate Immobilien und gilt heute als Denkmalretter.

Von Nadine Fabian

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