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Potsdam Ein Museum für Karl Hagemeister
Lokales Potsdam Ein Museum für Karl Hagemeister
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16:01 07.06.2016
Hendrikje Warmt mit dem Buch „Karl Hagemeister – In Reflexion der Stille“ im Hagemeister-Salon. Quelle: Gartenschläger
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Schiffbauergasse

Das 1899 entstandene Ölgemälde „Herbstwald“ steht nicht nur beispielhaft für das Werk des großen havelländischen Impressionisten Karl Hagemeister (1848-1933), der kurz zuvor Mitgründer der Berliner Sezession war. Der „Herbstwald“ ist ebenso ein wichtiges Zeitzeugnis der Potsdamer Kunstlandschaft – beginnend mit dem 1926 errichteten expressionistischen Regattahaus am Luftschiffhafen, in dem er als erstes Bild einer rasch wachsenden Gemäldesammlung Platz fand, über Ausstellungen unter anderem 1930 im Marstall, 1948 im Kulturbundhaus und 2009 im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte bis zur ständigen Ausstellung des Potsdam-Museums, in der er aktuell als einziger Hagemeister zu sehen ist. Dabei verfügt das Potsdam-Museum mit 14 Ölgemälden, dazu Pastellen und Zeichnungen, über eine der größten Hagemeister-Sammlungen in der Region.

„Karl Hagemeister wird geliebt und gesammelt“, sagt Hendrikje Warmt, die Ende des vergangenen Jahres mit dem Buch „Karl Hagemeister – Reflexionen der Stille“ ein erstes umfassendes Werkverzeichnis vorlegte. Trotzdem fehle dem für Potsdam und die Umgebung überaus wichtigen Künstler noch immer die öffentliche Präsenz, die ihm ihrer Ansicht nach zukommt. Vision und Fernziel der Kunsthistorikerin ist ein Museum für Hagemeister. Beispielhaft verweist sie auf das Claude Monet gewidmete Musée Marmottan in Paris oder auf die Max-Liebermann-Villa am Wannsee. Wie wichtig für ein solches Projekt private Enthusiasten und Investoren sind, zeigt die Villa am Wannsee, deren Arbeit von einem Freundeskreis mit mehr als 1200 Mitgliedern unterstützt wird.

Das vom Förderverein des Potsdam-Museums geförderte Werkverzeichnis mit dem Überblick über 575 Gemälde Hagemeisters und einer umfassenden Künstlerbiografie war ein erster Schritt für das Projekt Hagemeister. In einem zweiten Schritt folgte kürzlich die Gründung eines Hagemeister-Salons, der sich künftig in regelmäßigen Treffen zu unterschiedlichen Themen austauschen will, in denen es um Projektförderung und Projektvermittlung, immer aber auch um Hagemeister gehen soll. Der Ort des Salons im Turmzimmer der alten Zichorienmühle am Ufer des Tiefen Sees hat einen historischen Vorgänger: Im 19. Jahrhundert hatte ein Dachpappenfabrikant die stillgelegte Mühle erworben und die erste Etage zum Salon ausbauen lassen.

Die Zichorienmühle in der Schiffbauergasse. Quelle: Bernd Gartenschläger

Hier wurde Muckefuck gemahlen

Die Zichorienmühle am Ufer des Tiefen Sees wurde um 1800 für die Herstellung von Ersatzkaffee – „Mocca Faux“, falscher Mokka, auch bekannt als Muckefuck – errichtet. In der Windmühle wurde aus getrockneten Wurzeln der „Blauen Wegwarte“ (Chicorée) Kaffeeersatz gemahlen.

Gemahlen wurde allerdings nicht sehr lange. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Turm funktions- und flügellos. König Friedrich Wilhelm IV., der „Romantiker auf dem Thron“, ließ den Turm mit einem Zinnenkranz verschönern. Ein Dachpappenfabrikant kaufte die Mühle, baute ein gleichfalls mit Zinnen verziertes Wohnhaus an und baute die erste Etage des Turms zum Salon aus.

Mit dem 2006 errichteten Neubau des Hans-Otto-Theaters wurde die Zichorienmühle zum Restaurant umgebaut und ebenso wie der denkmalgeschützte Gasometerturm in das neue Ensemble integriert.

Zwischen den Turmfenstern mit ihrem Blick auf den Tiefen See, den Park Babelsberg und die Dachmuscheln des Hans-Otto-Theaters gibt es nun in seltener Fülle als private Leihgaben sechs originale Arbeiten von Karl Hagemeister in Öl und Pastell – Märkische Landschaften, ein „Waldstück“, eine „Steilküste auf Rügen“, „Kühe auf dem Wasser“. Der vom Ristorante „Il Teatro“ bewirtschaftete Hagemeister-Salon steht auch privaten Gesellschaften offen, denen passend zur Kunst an den Wänden Hagemeister-Menüs angeboten werden.

In Warmts Biografie lässt sich nachlesen, dass der Obstbauernsohn Hagemeister nicht nur ein leidenschaftlicher Fischer und Jäger war. Als ebenso begnadeter Koch erwies er sich, als sein Freund und Förderer Carl Schuch (1846-1903) nach gemeinsamen Aufenthalten etwa in Wien, Venedig und Paris für Landschaftsstudien nach Ferch und Kähnsdorf kam.

Info Mehr auf www.hagemeister-werkverzeichnis.de

„Herbstwald“, Ölgemälde von Karl Hagemeister, 1899 Quelle: Sammlung Potsdam-Museum

Von Volker Oelschläger

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