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Ein „Prost“ auf die neuen Profs

Wissenschaftsstadt Potsdam Ein „Prost“ auf die neuen Profs

Seit 2009 gibt es den Neuberufenen-Empfang der Landeshauptstadt – eine Gelegenheit für die neuen Professorinen und Professoren von der Universität, der Fachhochschule und der Film-Universität „Konrad Wolf“ zwanglos miteinander ins Gespräch zu kommen. Drei „Neue“ erzählten der MAZ am Rande des Empfangs über ihren bisherigen Werdegang.

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Kanzlerin Gerlinde Reich, Dekan Günther Neher, Professor Holger Jahn und Professor Peter Heisig (v.l.) von der Fachhochschule.

Quelle: Ildiko Röd

Potsdam. Willkommen für Wissenschaftler: Am Dienstagabend empfing Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die neu berufene Professorinnen und Professoren in der Wissenschaftsetage im Bildungsforum in der Innenstadt am Platz der Einheit. Die FH Potsdam, die Filmuniversität „Konrad Wolf“ und die Universität Potsdam hatten insgesamt 38 neu berufene Professorinnen und Professoren gemeldet. Den Neuberufenen-Empfang gibt es seit 2009.

Drei Professoren erzählten am Rand des Empfangs über ihren Werdegang und was ihnen an Potsdam besonders gefällt.

Peter Heisig, Professor am Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam

Peter Heisig, Professor am Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam.

Quelle: Röd

Peter Heisig, Professor am Fachbereich Informationswissenschaften an der Fachhochschule Potsdam:

„Ich bin seit fünf Wochen in Potsdam und ein Deutschland-Rückkehrer. Vorher habe ich in England gearbeitet, in Cambridge und Leeds. Der Unterschied zwischen den beiden Ländern: In Großbritannien ist eine viel größere Distanz zwischen Wirtschaft und Wissenschaft vorhanden. Die Wissenschaft produziert Ergebnisse für wissenschaftliche Fachzeitschriften. Wenn man nicht genug publiziert, kann man nur sehr schwer Karriere machen. In Deutschland ist der Vorteil, dass wir viel enger mit der Wirtschaft kooperieren.

Meine neue Arbeitsstelle an der FH Potsdam bietet mir die Chance, dass ich das Thema, zu dem ich seit 1989 forsche, jetzt lehren darf: Informations- und Wissensmanagement. „Welche Information und welches Wissen ist wirklich relevant und wichtig, um Entscheidungen zu treffen auf der Arbeit aber auch im Privatleben. Oder wie können wir Erfahrungen und aus Firmenprojekten Wissen effizient weitergeben und sichern, um Fehler zu vermeiden oder das ‚Rad nicht zweimal zu erfinden‘? Mit solchen Aufgabenstellungen setzen wir uns als Informationswissenschaftler hier auseinander. Dabei arbeite ich in einem globalen Netzwerk mit mehr als 20 Partnern von Japan bis Canada, Finnland und Brasilien, Kenia und Chile, Italien und Irland zusammen.

Für meine Familie ist der Umzug nach Potsdam ein sehr schöner Wechsel. Ich hätte auch nach London gehen können, aber meine Frau mag keine Großstädte – insofern ist Potsdam ideal. Meine Frau stammt aus Nigeria. In Berlin, wo wir bis 2007 lebten, hat sie auch ihre Kirchengemeinde. Als wir neulich am Flughafen Tegel waren, hat sie dort zufällig ihren Pastor getroffen. Diese Nähe zu Berlin ist toll. Und wenn man Lust auf Natur hat, bekommt man hier als Schreibtischsitzender den idealen Ausgleich. Obwohl ich erst seit kurzem in Potsdam bin, gehört Jogging im Neuen Garten doch schon zu meiner Routine. Nur unsere Tochter wird wohl in England bleiben und arbeiten.“

Das persönliche Gespräch stand im Mittelpunkt des Abends. „Als Oberbürgermeister und zugleich Vorsitzender des Vereins ,proWissen’ ist es mir ein wichtiges Anliegen, die ,Neuen’ in der Landeshauptstadt Potsdam persönlich zu begrüßen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie sollen sich in Potsdam gut aufgehoben und willkommen fühlen“, sagte Jakobs bei der Begrüßung. Unter den Gästen waren auch Gerline Reich, Kanzlerin der Fachhochschule, sowie Helmut Elsenbeer, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät an der Uni Potsdam, und Günther Neher, Dekan am Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam.

Max Wilke, Professor für Mineralogie am Institut für Erd- und  Umweltwissenschaften der Universität Potsdam

Max Wilke, Professor für Mineralogie am Institut für Erd- und Umweltwissenschaften der Universität Potsdam.

Quelle: Röd

Max Wilke, Professor für Mineralogie am Institut für Erd- und Umweltwissenschaften, erzählte im MAZ-Gespräch, warum Potsdam für ihn die ideale Heimat ist:

„Ich bin zwar ein neuberufener Professor, aber kein neuberufener Potsdamer. Ich lebe schon seit 15 Jahren in der Stadt, zuvor war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent am Geoforschungszentrum. Ich wäre auch in Potsdam geblieben, wenn ich den Ruf nicht bekommen hätte. Die Stadt hat eine schöne Größe und es gibt ein reiches kulturelles Angebot. Die 18 Millionen Tagesbesucher pro Jahr, die der Oberbürgermeister vorhin in seiner Rede erwähnt hat, sind vielleicht ein bisschen zuviel an Trubel - andererseits sind sie natürlich wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung.

Beruflich beschäftige ich mich unter anderem mit der Entstehung von magmatischen Gesteinen. Ich mache Experimente im Labor, um die Eigenschaften von Schmelzen in der Natur und ihren Einfluss auf geologische Prozesse nachvollziehen zu können.

Im Scherz sage ich immer, dass mir Potsdam aus beruflicher Sicht wenig bietet. Hier gibt es ja fast nur Sand, was für mich eher langweilig ist und da es wenig Aufschlüsse z.B. für magmatische Gesteine bietet. Aber im Ernst: die Landschaft ist natürlich ein ganz großes Plus und auch ein Grund, hier bleiben zu wollen.“

Holger Jahn, Professor für Produktdesign, Mobilität und Gestaltung am Fachbereich Design der FH Potsdam

Holger Jahn, Professor für Produktdesign, Mobilität und Gestaltung am Fachbereich Design der FH Potsdam.

Quelle: Röd

Auch Holger Jahn, Professor für Produktdesign, Mobilität und Gestaltung am Fachbereich Design der FH Potsdam, forscht auf einem extrem spannenden, innovativen Gebiet:

„Ich hatte zehn Jahre an der HTW Dresden mit ein halbe Professorenstelle und habe 25 Jahre Designpraxis hinter mir. In Potsdam bin ich erstmalig Vollzeitprofessor mit Schwerpunkt Mobilität und Gestaltung. Hier interessiert mich der Fokus auf Mobilität als attraktiver Service, weniger das Produkt Auto. Vom Luxusauto zur Luxusmobilität sozusagen: Das heißt, dass man irgendwann per App ein selbstfahrendes Auto bestellen kann, das durchaus schon mit einem anderen Fahrgast besetzt ist. Das Auto fährt dann mein Kind zum Reitunterricht ohne dass ich mit muss.

Aber das ist nur ein Ausschnitt meiner Arbeit. Generell geht es darum, mit weniger Ressourcen ein gutes Leben zu ermöglichen - das heißt: ein ökologisches Leben sehr attraktiv zu machen.

Die Arbeit in Potsdam ist nicht nur sehr vielfältig, sondern auch vom Umfeld her sehr angenehm. Ich wohne in Berlin-Zehlendorf und fahre fast immer mit dem Rad zu unserem Fachbereich an der Kiepenheuerallee nahe der Pappelallee im Bornstedter Feld. Die Route ist landschaftlich sehr attraktiv und führt über die Glienicker Brücke, vorbei am Wasser, dann den Pfingstberg hoch. Als ich meine Eltern kurz nach meiner Ankunft in Potsdam anrief, sagte ich: „Ich habe den schönsten Weg zur Arbeit!“ Das Schöne ist, dass wir kaum ein halbes Jahr später dann die Kommunion meiner Tochter an denselben Orten - zum Beispiel in der Meierei - gefeiert haben. Das hat uns allen sehr gut gefallen.“

Im angeregten Gespräch in der Wissenschaftsetage im Bildungsforum am Platz der Einheit

Im angeregten Gespräch in der Wissenschaftsetage im Bildungsforum am Platz der Einheit: Helmut Elsenbeer (l.), Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät an der Uni Potsdam, Kerstin de Wall und Professor Max Wilke.

Quelle: Röd

Oberbürgermeister Jakobs nutzte die Gelegenheit, die Wissenschaftsetage und die Ausstellung Forschungsfenster als „Schaufenster der Wissenschaft“ in der Stadtmitte zu präsentieren. Hier finden zahlreiche Veranstaltungen, Tagungen und Kongresse statt.

Von 2010 bis 2013 war der Neuberufenen-Empfang in die Festveranstaltung zur Verleihung des Potsdamer Kongresspreises integriert. 2014 fand er erstmals in der Wissenschaftsetage im Bildungsforum statt.

Von Ildiko Röd

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