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Potsdam Ein Restaurant im Altenheim
Lokales Potsdam Ein Restaurant im Altenheim
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20:30 15.03.2016
Armin Vogler ist der Küchenchef in der Seniorenresidenz Havelpalais. Er setzt auf Hausmannskost und selbst gebackenen Kuchen. Quelle: Christel Köster
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Brandenburger Vorstadt

Immer wieder donnerstags wird Armin Voglers Küche zum Hochrisikogebiet. Denn Donnerstag ist Kuchentag. Da krempelt Armin Vogler die Ärmel der Kochjacke bis an die Ellenbogen auf und langt zu. Er vermengt Mehl, Hefe und Milch, Butter, Zucker, Eier und Salz zu einem Hefeteig nach Großmutters Art – nach genau der Art, die seine Gäste quasi erfunden und perfektioniert haben. Armin Vogler ist Küchenchef im Pflegeheim.

In der Seniorenresidenz „Havelpalais“ auf dem Kiewitt schwärmt man von seinem Händchen für das, was leichthin Hausmannskost genannt wird, aber einer großen Portion Liebe und einiger Finesse bedarf. Und es soll ja nicht nur den Bewohnern schmecken! Das Restaurant in der untersten Etage des Hauses ist öffentlich – wer gut und günstig essen und dabei einen umwerfenden Blick über die Neustädter Havelbucht genießen möchte, ist eingeladen.

Vor allem bei Spaziergängern und Ausflüglern – der Radweg nach Caputh und eine Haltestelle des Wassertaxis liegen direkt vor der Tür – ist das Restaurant beliebt, sagt Martin van Dongen, der Leiter der Seniorenresidenz. Im Sommer müsse man schon mal Glück haben, um ein sonniges Plätzchen auf der Terrasse zu ergattern.

Das Seniorenheim besticht durch seine Lage direkt am Wasser. Die Terrasse ist im Sommer stets gut besucht Quelle: Christel Köster

Durch die 1-a-Lage zeichnet sich das Havelpalais besonders aus. Das Haus ist modern, es steht noch keine fünf Jahre, und verfügt über 110 Einzelzimmer in der Pflege und 38 Apartments im Servicewohnen. Die Warteliste ist lang. „Wir haben über 300 Anfragen“, so Martin van Dongen. „Viele Interessenten verbinden unser Haus mit der Ufergaststätte, die zuvor hier stand und an die sie sich gern als Tanzlokal erinnern.“

Scheint so, als sei der Ort dazu bestimmt, eine flotte Sohle aufs – gerade neu verlegte und frisch geölte – Parkett zu legen. Alle drei Wochen bittet man im Restaurant, das den muckeligen Namen „Grammophon“ trägt, zum Tanz. Dann baut ein Alleinunterhalter die Musikanlage auf. Besucher aus dem Kiewitt-Kiez mit seinen Hochhäusern kommen besonders gern und wiegen sich im Eins-zwei-tipp-Discofox. „Das müssen Sie erleben!“, sagt van Dongen. „Alle ziehen sich schick an und tanzen bis in den Flur hinein.“

Wohnen und essen in 1-a-Lage

Die Seniorenresidenz „Havelpalais“, Auf dem Kiewitt 39, wurde im Sommer 2011 eröffnet. Träger ist Pro Curand. Das Unternehmen betreibt 24 Seniorenheime, darunter auch das am Werner-Alfred-Bad in der Hegelallee.

Einst befand sich am Standort die 1984 eröffnete Ufergaststätte. Sie schloss 1997 ihre Türen und stand bis zum Abriss im Jahr 2009 leer.

Schon als das Haus geplant wurde, war klar, dass es mehr als einen Speisesaal bekommen soll. Dennoch musste Pro Curand als Betreiber Abstriche machen. Das Restaurant à la carte zu führen, setzte sich nicht durch. Deshalb wählen die Gäste aus den drei Mittagsmenüs der Bewohner. Gestern, am Dienstag, standen etwa Königsberger Klopse hoch im Kurs. Wer’s deftiger mag, ließ sich Geschnetzeltes vom Jungschwein mit Blumenkohl auftun. Für Süßmäulchen gab’s Arme-Ritter-Auflauf mit Zucker, Zimt und Apfelmus. Die Preise für ein Menü, zu dem auch eine Suppe und ein Dessert gehören, rangieren an Werktagen zwischen 4,50 und 5,80 Euro. Am Wochenende ist es teurer. Da kredenzt Armin Voglers Team etwas Besonderes. Spargel zum Beispiel. Oder Zander. Dann ist auch die Karte vielfältiger.

Martin van Dongen leitet die Pro-Curand-Seniorenresidenz „Havelpalais“ Quelle: Christel Köster

Voglers Koordinaten im Reich des leiblichen Wohls sind Vollkost, Schonkost, Eintöpfe und Süßspeise. „Mit moderner, internationaler Küche komme ich hier nicht weit“, sagt der 63-Jährige. „Die Bewohner essen am liebsten, was sie kennen, was sie früher selbst gekocht haben.“ Also spickt er Rouladen und rührt Gulasch, zupft Frikassee und bäckt donnerstags Blechkuchen. Rund 300 Portionen bereitet das Team täglich zu, kocht auch fürs Pro-Curand-Heim an der Hegelallee. Hinzu kommen Frühstück, Abendbrot und etwas Kleines für Zwischendurch.

Seit drei Jahren ist Armin Vogler nun Chefkoch im Altenheim. Er, der einst in den Nobelküchen der DDR gelernt und gearbeitet hat, im Interhotel „Chemnitzer Hof“ in Karl-Marx-Stadt und im Interhotel Potsdam, musste sich völlig umstellen. Das Gemüse kocht er nicht mehr al dente, sondern gart es länger. In die Gewürzkiste greift er tiefer, denn der Geschmackssinn nimmt im Alter ab. „Grundsätzlich gilt: Es muss allen schmecken“, sagt Vogler. „Deshalb kostet jeder im Team auch jedes Essen, bevor es diese Küche verlässt. Hinter der Tür wartet eine harte Jury.“

Von Nadine Fabian

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