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Ein Stück New York in Potsdam West

Die „Platte“ in der Haeckelstraße Ein Stück New York in Potsdam West

Auf der „Platte“ im Neubaugebiet in der Haeckelstraße wird urbanes Lebensgefühl auf Asphalt ausgelebt. Breakdancer und Parkour-Sportler treffen sich dort. Auch für Flüchtlinge ist der Platz ein wichtiger Treffpunkt geworden, um mit den Nachbarn in Kontakt zu kommen.

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Tanztrainer und Breakdancer Robert Segner ist Erfinder des „Plattenspielers“.

Quelle: Foto: Christel Köster

Potsdam West. Keiner soll die Platte putzen. Den Müll wegräumen nach dem Grillen und Chillen, klar, das schon. Aber die Farbkleckse auf dem Beton müssen bleiben. Sie sind das, was die „Platte“ ausmacht: kreative Spuren im öffentlichen Raum. „Das muss nicht jeder schön finden“, sagt Robert Segner. Aber tolerieren sollte es jeder, sonst ist er auf der Freifläche an der Ecke Haeckelstraße/Knobelsdorffstraße falsch.

Die „Platte“ ist kein akkurat angelegter Park mit geharkten Wegen und gepflegten Beeten. Die Fläche neben der Grundschule in der Haeckelstraße, die zeitweise als Schulhof genutzt wurde, besteht aus rohem Asphalt und Betonelementen, die mit Graffiti besprüht sind. Daneben lädt eine kleine Wiese unter Bäumen zum Ausruhen ein. Die Landschaftsgärtnerin und langjährige Mitarbeiterin des Potsdamer Grünflächenamts Hiltrud Berndt, die auch den Staudenhof an der alten Fachhochschule anlegte, hat das Jahren konzipiert.

Ein Stück New York in Potsdam

Optisch hat sich die „Platte“ seither nicht sehr verändert. Robert Segner (30) hat als Kind viel Zeit auf dem Gelände verbracht. Mehrere Jahre wohnte er woanders. Als er 2010 nach Potsdam West zurückkam und wieder über den Asphalt spazierte, seien Erinnerungen hochgekommen – und der Wunsch, den „Ort für Halbstarke“ zu beleben. „Die Platte war für mich der newyorkigste Ort Potsdams“, sagt der freiberufliche Tanzpädagoge und Kulturarbeiter. Eine Stelle , die in ihrer Morbidität Großstadtflair atmete. Segner ging zum Stadtteilnetzwerk Potsdam West – und hatte mit diesem schnell einen Partner gefunden. 2011 initiierte er den ersten „Plattenspieler“, ein Kiezfest, das die „Platte“ aus ihrem Dornröschenschlaf weckte.

Flüchtlingsjunge Vule ist Held der Breakdance-Szene

Robert Segner kommt noch immer regelmäßig zum Training mit Breakdance-Gruppen hierher. Einer der Stars der Szene ist der sechs Jahre alte serbische Flüchtlingsjunge Vukasin „Vule“ Brkic. Seit Juli 2014 leben die Brkics im Wohnungsverbund in der Haeckelstraße, einem Vorzeige-Integrationsprojekt, das bald wegen Sanierungsarbeiten endet. Beim „Plattenspieler“ 2014 hatte Vule die Breakdancer um Robert Segner gesehen – und machte einfach mit. Der Junge sei ein Riesentalent, sagt Segner. Das Magazin „Stern“ war unlängst auf der „Platte“, um Vule zu begleiten. Diesen Montag endet die Duldung der Familie. Das Stadtteilnetzwerk hat sich in einem Brief an Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) dafür stark gemacht, dass sie bleiben kann – Ausgang ungewiss.

Die „Platte“ ist Toleranztraining und Treff mit Integrationswirkung zugleich, meint auch Stevie Koglin (27), der die Betreuung der „Platte“ von Robert Segner übernommen hat. Vergangenes Wochenende traf sich dort die internationale Parkour-Szene. Student Steven trainiert und unterrichtet Parkour, die Kunst, sich nur mit der Kraft des eigenen Körpers durch den urbanen Raum zu bewegen. Da wird über Mauern geklettert, an Gerüsten gehangelt und über Hindernisse gesprungen. Aber auch ohne Programm ist die„Platte“ in Bewegung. Ein Vater und seine Tochter machen auf dem Asphalt neben dem Klettergerüst Liegestütze. Mütter mit Kinderwagen, Rentner und Gassigeher laufen über den Platz. Der Treff für Halbstarke ist längst ein Ort für alle.

Von Marion Kaufmann

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