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Ein Wohlfühlort ohne bunten Quatsch

Neuer Spielplatz in Potsdam Ein Wohlfühlort ohne bunten Quatsch

Sein Wohlfühlort besteht aus Dreierlei: aus Holz, jeder Menge Sand und etwas Beton – der Potsdamer Bildhauer Jörg Schlinke hat für die Wohnungsbaugenossenschaft 1903 einen Spielplatz entworfen und gebaut. Pünktlich zum Kindertag wird das kleine Schmuckstück eröffnet.

Potsdam, Friedrich-Ebert-Straße 38 52.4054663 13.0586454
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Der Bildhauer Jörg Schlinke beim Testschaukeln auf dem Spielplatz, den er für die WBG 1903 gestaltet hat.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Nauener Vorstadt. Jörg Schlinke hat die Schlappen von den nackten Füßen gestreift und sich der Länge nach in den gelben Sand geworfen. Eine Mutter noch, dann sitzt der Granitbrocken bombenfest – so fest, dass der Herr vom Tüv zufrieden nickt und Schlinke sich wieder aufrappeln kann. Der Kontrolleur gibt der Federwippe einen Schubs. So ein Modell hat er noch nie gesehen, sagt er. Aber der ganze Spielplatz sei ja etwas Besonderes. Wer sich davon überzeugen möchte, ist heute Nachmittag im Quartier Friedrich-Ebert-Straße 38 gern gesehen: Pünktlich zum Internationalen Kindertag wird der Spielplatz um 15 Uhr mit einem kleinen Fest und mit einem Ständchen von den Steppkes aus der Kita des Babelsberger Oberlinhauses eröffnet.

Ein Platz wie aus der Erde gewachsen

Gut einen Monat hat der Potsdamer Künstler Jörg Schlinke im Auftrag der Wohnungsbaugenossenschaft 1903 hinter der dichten Hainbuchenhecke gewerkelt und aus einem versteppten Stück Rasen, das kaum mehr bot als eine in die Tage gekommene Drehscheibe und einen kleinen Sandkasten, einen Spielplatz gemacht, wie man in der Stadt so schnell keinen zweiten findet. Ein Platz wie aus der Erde gewachsen, auf den eine große Linde und ein noch größerer Ahorn ihren kühlenden Schatten werfen.

„Ich habe versucht, das Potenzial des Ortes zu erkennen“, sagt Jörg Schlinke, der schon einige Spielplätze gestaltet und mitgestaltet hat, darunter den Wasserspielplatz in Karls Erlebnis-Dorf in Elstal (Havelland), den Wasserspielplatz auf der Freundschaftsinsel und den Spielplatz am Treffpunkt Freizeit. Zum Potenzial und Geist des Ortes gehören für den Bildhauer nicht nur die Hecke und die Bäume, sondern auch die Ornamente des Gründerzeit-Karrees.

Die Kinder aus der Nachbarschaft haben schon vorbeigeschaut

Er hat die Formen aufs Wesentliche reduziert – sie drängen sich nicht auf, der aufmerksame Beobachter vermag sie aber hier und da zu entdecken. Vor allem aber habe er einen schönen Ort im Sinn gehabt, sagt Jörg Schlinke. „Einen Ort, an dem man gern ist – einen ohne den bunten Quatsch.“ Sein Platz besteht aus Dreierlei: aus Holz, jeder Menge Sand und etwas Beton. 90 laufende Meter Eichenbalken hat Schlinke verbaut. Das Holz fasst das gesamte Areal ein und ist eine rundum bequeme Sitzgelegenheit. Im Sand thronen drei Elemente: die Federwippe, eine Schaukel und ein zweiter, ebenfalls in Eiche gefasster Sandkasten – eine kleine Burg, die die Kinder aus der Nachbarschaft schon das ein oder andere Mal erobert haben. Immer wieder, erzählt Schlinke, habe er beim Arbeiten Besuch bekommen: „Das hat schon sehr viel Spaß gemacht.“ Jetzt gehe es endlich auch offiziell los.

Der Mann vom Tüv rüttelt schnell noch einmal an der Schaukel. Ein paar Kanten muss Jörg Schlinke noch entschärfen, damit hat’s auch die Schaukel durch die Kontrolle geschafft. Sie hängt an einem mächtigen Balken – ebenfalls Eiche –, der auf zwei längs halbierten Betonsäulen ruht. Die beiden übermannshohen Elemente hat Jörg Schlinke von eigener Hand gegossen – eine seiner Spezialitäten. Er gräbt die Negativform in die Wiese hinter dem Atelier und füllt sie mit Beton. Die Oberfläche seiner Werkstücke ist so uneben wie die Scholle, der sie entsprungen sind, und wirkt warm und organisch, in bestem Sinne urtümlich.

Ein Künstler im Auftrag der WBG 1903

Jörg Schlinke wurde 1964 in Potsdam geboren. Er ist in der Innenstadt aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach einer Gärtnerlehre und dem Abitur hat Schlinke Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studiert und ist vor allem für seine Betonskulpturen bekannt. Er lebt und arbeitet in Potsdam und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Wohnungsbaugenossenschaft 1903 ist aus dem 1903 gegründeten Beamten-Wohnungsverein zu Potsdam hervorgegangen. Die WBG 1903 zählt heute mehr als 2600 Mitglieder und nennt 1500 Immobilien ihr eigen, vor allem Wohnungen, Gewerbeeinrichtungen, Garagen. nf

Von Nadine Fabian

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