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„Ein bisschen die Welt verbessern“

Bundestagswahlkreis 61 „Ein bisschen die Welt verbessern“

Annalena Baerbock, einzige Grüne aus Brandenburg im Bundestag, kann Ungerechtigkeit nur schwer ertragen. Die 36-jährige Potsdamerin steht für eine bessere Qualität der Kitabetreuung, mehr Ganzstagsschulen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Bürgerversicherung. Und sie kämpft als Grüne für den Ausstieg aus der Kohle bis 2030.

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Annalena Baerbock (Grüne) auf dem Spielplatz der Freundschaftsinsel.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Annalena Baerbock mag Spielplätze mit viel Wasser. „Das sind die Orte, wo ich neben dem Job sehr viel Zeit verbringe“, erzählt die Bundestagsabgeordnete und Spitzenkandidatin der Brandenburger Grünen, die mit ihrer Familie im Potsdamer Norden lebt. Wann immer es also möglich ist, zieht sie mit ihren Töchtern Luna (5) und Mila (2) los in den Buga-Park oder auf die Freundschaftsinsel.

In diesen Tagen ist die 36-jährige Politikerin allerdings sehr viel häufiger allein unterwegs. Der Wahlkampf fordert seinen Tribut. Da sie als einzige Grüne aus Brandenburg im Bundestag sitzt, betrachtet Annalena Baerbock auch das ganze Land als ihren Wahlkreis: „Mir ist wichtig, ansprechbar vor Ort zu sein. Ich ziehe daraus meine Infos.“ Den einen Tag ist sie im Windpark „Nauener Platte“, den nächsten im Lausitzer Braunkohlerevier. Sie gibt Interviews, wirbt für den Ausbau sauberer Energien, kämpft mit Verve um den schrittweisen Ausstieg aus der (Braun-)kohle. Das soll bis zum Jahr 2030 geschehen.

Baerbock: „Wir Grünen polarisieren nach wie vor“

Es gibt Menschen, denen das Angst macht. Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze oder stören sich an den riesigen Windrädern in der märkischen Landschaft. Doch für Annalena Baerbock gibt es keinen anderen Weg in die Zukunft. „Wir Grünen polarisieren nach wie vor. Aber man muss manche Dinge offen ansprechen, Partner suchen“, erklärt die klimapolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion selbstbewusst.

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf bei Hannover, zog es Annalena Baerbock nach dem Abitur schnell in die große weite Welt hinaus: Sie studierte in Hamburg und London Politikwissenschaft, öffentliches Recht und Völkerrecht. Es folgte ein Praktikum bei der Brandenburger Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter, später leitete Baerbock das Büro in Brüssel. Von 2009 bis zu ihrem Einzug in den Bundestag im Jahr 2013 war sie Landesvorsitzende der Brandenburger Grünen. Eine eindrucksvolle Karriere.

„Gemeinsam ein bisschen die Welt verbessern“ steht als Leitmotto auf der Baerbocks Homepage. „Ich kann Ungerechtigkeit schwer ertragen“, fügt die Abgeordnete hinzu. Die Mutter von zwei kleinen Kindern fordert soziale Gerechtigkeit, eine bessere Qualität der Kitabetreuung, mehr Ganzstagsschulen. Es geht ihr um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Um Elternzeit. Ja, auch um Wickeltische im Bundestag. Baerbock kämpft gegen die „Zwei-Klassen-Medizin, die wir in Deutschland haben“ und wirbt für die „Bürgerversicherung für alle“. „Die größte Stärke Deutschlands ist das soziale Sicherungssystem“, sagt die Politikerin. Wichtig ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht immer weiter auseinandergeht.

Ihren Mann lernte sie in Frankfurt (Oder) beim Wahlkampf kennen

In Frankfurt (Oder) – der Stadt, in der sie 2004 beim Europawahlkampf ihren heutigen Mann kennenlernte – rief Baerbock vor dreieinhalb Jahren gemeinsam mit den Politikern Thomas Nord (Linke) und Martin Patzelt (CDU) ein Demokratieobjekt ins Leben. Das Trio wollte parteiübergreifend gegen die geringe Wahlbeteiligung und den hohen Stimmenanteil für die AfD ankämpfen. Seither unterrichtet sie in der Grenzstadt zu Polen Schüler im Fach Politik. Baerbock sagt: „Da trete ich nicht als Grüne auf, ich trete als Demokratin auf.“ Und sie kriegt Dinge zu hören, „wo man erstmal schlucken muss“ – beispielsweise beim Thema Flüchtlinge. Die einstige Trampolinspringerin sieht das als Herausforderung. „Schwarz-Weiß-Schubladen sind nicht mein Ansatz von Politik“, sagt sie. „Ich weiß, in unterschiedlichen Lebenslagen haben unterschiedliche Dinge Priorität.“

2016 übernahm Baerbock die Bürgschaft für die legale Einreise eines syrischen Kriegsflüchtlings. Sie gründete in Potsdam den Verein Hand in Hand, in dem sich Menschen ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Sie kochte ein „Welcome Dinner“ für eine syrische Familie, half bei der Wohnungssuche. Nicht alle finden das gut, es gibt Ängste vor Überfremdung. Baerbock kann diese nicht teilen, verweist auf positive Erfahrungen, die sie beispielsweise in London gemacht hat. Sie zitiert ein afrikanisches Sprichwort: „1000 kleine Menschen an 1000 kleinen Orten können das Gesicht dieser Welt verändern.“

Elf Kandidaten im Wahlkreis 61

Im Bundestagswahlkreis 61 , der neben Potsdam noch sieben Gemeinden aus Potsdam-Mittelmark und eine Gemeinde aus dem Kreis Teltow-Fläming umfasst, kandidieren elf Kandidaten für das Direktmandat.

Die Kandidaten:

– Saskia Ludwig (CDU)
– Manja Schüle (SPD)
– Norbert Müller (Die Linke)
– René Springer (AfD)
– Annalena Baerbock (Grüne/B90)
– Linda Teuteberg (FDP)
– Irene Kamenz (Freie Wähler)
– Mario Berrios Miranda (DKP)
– Bettina Franke (Die Partei)
– Edmund Müller (Gerechtigkeit für Trennungsväter und Justizreformen)
– Andreas Schramm (Piraten)

Die MAZ stellt in loser Folge Kandidaten vor. Reihenfolge und Autoren wurden ausgelost.

Von Jens Trommer

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